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Frisch und bunt

Design Die 34jährige Wahl-St. Gallerin Claudia Caviezel gehört zu den begabtesten Designerinnen der Schweiz. Christina Genova
Fröhlich und unkompliziert: Die Designerin Claudia Caviezel in ihrer St. Galler Altbauwohnung. (Bild: Michel Canonica)

Fröhlich und unkompliziert: Die Designerin Claudia Caviezel in ihrer St. Galler Altbauwohnung. (Bild: Michel Canonica)

Grosse bunte Farbkleckse zieren das schlichte, weisse Sofa, das zu den Paradestücken der neuen Kollektion von «Atelier Pfister» gehört. Was aussieht, als sei es das Werk eines Kindes, das sich mit einem riesigen Pinsel und vielen Farbtöpfen lustvoll ausgetobt hat, ist ein Entwurf der Designerin Claudia Caviezel. Die Zugerin mit romanischen Wurzeln lebt mit kurzen Unterbrüchen seit acht Jahren in St. Gallen und war fast sechs Jahre lang für Jakob Schläpfer als Textildesignerin tätig.

Buntes Möbeldesign

Erfrischend bunt sind auch die anderen Möbel und Wohnaccessoires, welche die Designerin für die Zweitauflage von «Atelier Pfister» gestaltet hat. Das altehrwürdige Möbelhaus Pfister will mit der im letzten Jahr neu eingeführten Möbel-Linie junges Schweizer Design fördern und sich gleichzeitig ein jüngeres Image verpassen. Claudia Caviezel bringt Farbe und frischen Wind in die Kollektion, die bis anhin durch eine reduzierte Formensprache und puristisches Design auffiel. Bei ihren ersten Entwürfen orientierte sich die Designerin, die zuvor noch nie Möbel gestaltet hat, daran: «Als ich aber diese Skizzen anschaute, fand ich sie einfach schrecklich und sagte mir: Nein, das bin nicht ich.» Sie setzte sich nochmals an den Zeichentisch, aquarellierte und entwarf Muster. Schliesslich gefielen ihr die Farbspritzer auf ihrem Arbeitstisch viel besser als all ihre Entwürfe. Sie scannte zahlreiche dieser Tropfen ein, die dann zum Ausgangspunkt für das Design von Bettwäsche, Kissen und dem Sofa wurden. Claudia Caviezels Entwürfe verkaufen sich gut, bereits wurde sie von Alfredo Häberli, dem Kurator der Kollektion, für deren dritte Auflage angefragt.

Traumjob bei Akris

Seit diesem Februar ist Claudia Caviezel Leiterin Stoffeinkauf und -entwicklung beim St. Galler Modeunternehmen Akris. Sie erzählt, wie sie zu diesem Traumjob gekommen ist: «Ich habe Albert Kriemler zufälligerweise an einer Museumsnacht getroffen. Er kannte mich, da ich für Akris gearbeitet hatte, als ich noch bei Jakob Schläpfer war. Ich trug ein Akris-Jäckchen, und weil er so guckte, sagte ich zu ihm: Gell, das ist von Dir! Er bat mich dann, mich bei ihm zu melden.» Das tat Claudia Caviezel, und bald schon hatte sie einen Job. Vorerst sollte sie an einem Tag Druckentwürfe gestalten, dann aber machte ihr Chefdesigner Albert Kriemler ein verlockendes Angebot: «Erst zögerte ich, denn er bot mir eine Vollzeitstelle an, und eigentlich wollte ich mich als selbständige Designerin etablieren. Doch dann sagte ich mir, dass ich blöd wäre, abzulehnen.» Wenn man weiss, wie wichtig Albert Kriemler eine exzellente Stoffqualität ist, staunt man über diese junge Frau, die ganz und gar uneitel von ihrer verantwortungsvollen Position berichtet. Fast ist es ihr ein bisschen unangenehm, und Chefin will sie schon gar nicht genannt werden. Zusammen mit Albert Kriemler war Claudia Caviezel eben erst in Como, Mailand und Paris, um Stoffe auszusuchen und Stoffrecherche zu betreiben: «Es ist ein Genuss, solch wunderbare Stoffe berühren zu dürfen», erzählt die junge Designerin ganz begeistert.

Stickereien im XL-Format

Einen besonderen Auftrag erhielt Claudia Caviezel, als sie im letzten Jahr nochmals für vier Monate bei Jakob Schläpfer tätig war. Für die Café Bar der aktuellen Ausstellung «StGall» im St. Galler Textilmuseum durfte sie den Teppich und die Tapete gestalten – eine Explosion von Stickereien in allen Farben und Formen. Weisse Guipure-Spitzen im XL-Format legen sich über ein Geflecht von gestickten Blüten und Ausschnitten aus alten Perserteppichen. Das Erstaunliche ist, dass alles zusammenpasst. Es scheint, als habe die Designerin einen siebten Sinn für Farb- und Musterkombinationen. Ihre besonderen Fähigkeiten wurden in der Laudatio zum Eidgenössischen Designpreis 2010, den Claudia Caviezel nach 2003 und 2007 zum dritten Mal gewonnen hat, folgendermassen gewürdigt: «Was die ganz unterschiedlichen Entwürfe von Claudia Caviezel verbindet, ist ihre traumwandlerische Sicherheit mit Mustern und Farben.»

Es geht um die Sache

Wenn Claudia Caviezel über ihren Beruf erzählt, spürt man die Begeisterung für ihre Arbeit. Fast aber hätte sie nach der Matura ein Jusstudium an der Uni St. Gallen begonnen. Sie, die, wie sie selbst sagt, einen «Gerechtigkeitsfimmel» hat, meldete sich im letzten Moment für den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Luzern an, weil sie es sich eigentlich nicht zutraute. In ihrer St. Galler Altbauwohnung, wo das Gespräch stattfindet, gesellen sich zu Möbelklassikern aus den 50ern, die sie in Brockenstuben und auf Flohmärkten aufspürte, bunte Kissen und Ethnostoffe. Es ist keine durchgestylte Wohnung, sondern ein fröhlicher, unkomplizierter Mix, zusammengestellt von einer, die zwar gutes Design schätzt, dies aber nicht zu ihrer Religion erhoben hat: «Natürlich gibt es in unserem Job oberflächliche Leute. Ich aber habe die Erfahrung gemacht, dass es denjenigen, die in unserem Beruf wirklich etwas erreicht haben, wie Alfredo Häberli, Albert Kriemler oder Martin Leuthold, nicht ums Image oder ums Ego, sondern einzig um die Sache geht.»

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