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Austropop-Band Bilderbuch singt von Frisbee, Freude und Freiheit

Die österreichische Band Bilderbuch veröffentlicht ihr neues Album. «Vernissage My Heart» sprengt in Zeiten der Abschottung Grenzen.
Marc Krebs
Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst. Bild: PD

Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst. Bild: PD

Fünf Jahre ist es her, seit die Feuilletons eine neue «Austropop-Welle» ausriefen. Ausschlaggebend waren die Erfolge zweier österreichischer Bands: Wanda, die mit ihrer Single «Bologna» und ihrem Amore-Refrain die Radiohörer ins Herz trafen, und Bilderbuch, die mit «Maschin» und einem überästhetisierten Bling-Video urbane Coolness versprühten. Auch wenn sich die Bands seither im Gespräch und in den Charts gehalten haben: Von einer Welle zu reden, war voreilig, wie Maurice Ernst, Sänger von Bilderbuch, bestätigt. «Was wir machen, entstand ja nicht aus einer Szene, aus einer Bewegung heraus», erklärt er. «Wenn, dann war es ein popkultureller Moment: Man wollte in Österreich Musik machen, die grösser ist als das Land.» Was Bilderbuch angeht, so ist das noch immer der Fall. Das in Wien beheimatete Quartett foutiert sich um Heimattümelei, seine Produktionsweise misst sich an amerikanischen Vorbildern. Auf dem neusten Album reichen die stilistischen Referenzen von George Clintons P-Funk bis zum zurückgelehnten Sonnensound der Red Hot Chili Peppers.

Mit «Bungalow» um die Welt

Ihre Single «Bungalow» wurde 2017 gar auf den Färöer Inseln zum Hit, landete hinter Ed Sheeran auf Platz 3. Und vor wenigen Tagen stellte die Band fest, dass ihre neue Single «LED go» ebenso viele Spotify-Hörer in den USA anspricht wie in Österreich. Das ist in den 80ern schon mal einem anderen Musiker gelungen: Falco, der «Amadeus» rocken liess.

«Ich glaube an eine globalisierte Welt, die sich Sprachen gegenüber öffnet», sagt Maurice Ernst. «Im Englischen wären wir im Wettkampf mit so vielen anderen Bands. Ich finde, dass wir die einzige Option sein müssen, wenn man etwas sucht, das deutschsprachig ist und a bisserl schräg und funky.»

Zwei Alben innert kürzester Zeit veröffentlicht

Schräg auch, wie Bilderbuch mit dem Markt spielen. Erst im Dezember brachten sie über Nacht «Mea Culpa» heraus, ein Album ohne Ankündigung, «ohne Beipackzettel», wie der Sänger es nennt: «Die Musik wird allzu oft über die Kampagne verkauft. Also wollten wir das mal ohne probieren. Das war natürlich ein kommerzieller Wahnsinn», gibt der 30-Jährige zu. Zwei Monate nach dem Experiment schieben sie bereits ihr nächstes, ihr mittlerweile sechstes Album nach. «Vernissage My Heart» steht für eine Sammlung von acht Songs, mehrheitlich stark und mitreissend, bei denen die Gitarre wieder stärker spürbar ist. «Waren wir früher eine Band, die in der Virtual Reality Musik machte, so transzendieren wir wieder zurück in den Raum, mit echten Gitarren», erklärt der rhetorisch gewiefte Frontmann und ergänzt: «Wer immer das Gleiche macht, bleibt eine Marionette seines Konzepts, seines Business Plans.»

Bilderbuch sind neben Wanda die erfolgreichste österreichische band der Gegenwart. Bild: PD

Bilderbuch sind neben Wanda die erfolgreichste österreichische band der Gegenwart. Bild: PD

Bei aller musikalischen Versiertheit wird der Band in Österreich allerdings gerne vorgeworfen, unpolitisch zu sein, zu wenig explizit gegen die mächtige Rechte anzusingen. «Was soll ich sagen: Die Leute brauchen einen Erretter und suchen ihn überall, auch bei den Musikern. Ich finde es aber schwach und kurz gedacht, Kunst so realpolitisch in die Pflicht zu nehmen. Es geht ja auch um eine gewisse Haltung. Die zeigen wir. Nur arbeiten wir lieber mit Anspielungen.» So dient ein Frisbee als Symbol für Zusammenhalt und Familiensinn, was dem Band-Spirit entspricht. Am stärksten dringt ihr Gemeinschaftssinn und ihre politische Haltung im Schlusssong des neuen Albums durch: In «Europa22» singt Ernst von einem «Leben ohne Grenzen», und das in einer Zeit, in der viele europäische Länder sich diese zurückwünschen und auf Abschottung setzen. Der Text zu «Europa22» ist nach vier Minuten zu Ende, die Band jammt weiter. Es ist alles gesagt für den Moment. Bilderbuch nehmen sich die Freiheit, die sie auch besingen.

Fiktiver EU-Pass als Zeichen für ein
grenzenloses Europa

Der Traum eines gemeinsamen und grenzenlosen Europas: Bilderbuch geben ihren Fans die Möglichkeit, einen fiktiven Europa-Pass zu beantragen. Der deutsche TV-Moderator Jan Böhmermann hat sich bereits einen Pass gesichert.

Live: 25. April, Volkshaus, Basel. 26. April, X-Tra, Zürich. 16. Juli, Gurten Festival, Bern.

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