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Fremdenführer mit Trompete

ST. GALLEN. Das kleine, aber musikalisch ambitionierte St. Galler Kulturfestival im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen ist jährlich einer der wunderbarsten Kulturtreffpunkte in der Stadt. Das ist auch nach einer einjährigen unfreiwilligen Auszeit nicht anders.
Michael Hasler
Dehnt den Jazz-Begriff: Der norwegische Trompeter Nils Petter Movaer am Kulturfestival St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Dehnt den Jazz-Begriff: Der norwegische Trompeter Nils Petter Movaer am Kulturfestival St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Das kleine, aber musikalisch ambitionierte St. Galler Kulturfestival im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen ist jährlich einer der wunderbarsten Kulturtreffpunkte in der Stadt. Das ist auch nach einer einjährigen unfreiwilligen Auszeit nicht anders.

Familiär – fast schon klandestin – wäre kein falsches Adjektiv, die Grundatmosphäre des klug inszenierten Festivals zu beschreiben, das mehr ist als die Summe seines erneut exquisiten Musikprogramms. Es ist so etwas wie die Offa der Kulturinteressierten; vielen kennen sich und treffen hier Freunde, Bekannte oder andere Kulturschaffende.

Oft exklusiv engagiert

Auch am Dienstagabend sind viele bekannte Gesichter der regionalen Kulturszene anwesend. Gut 200 Besucherinnen und Besucher, vier von fünf aus der engeren Region oder der Stadt selbst, wollen sich den enigmatischen Auftritt des so eindringlichen wie sperrigen Trompeters Nils Petter Molvær nicht entgehen lassen. Der Norweger ist nur einer von vielen Acts, die am Kulturfestival ihren einzigen Auftritt in der Schweiz haben.

«Etwa die Hälfte unseres Programms sind solche Exklusivauftritte», ist Lukas Hofstetter stolz. Oft sei es nicht eine Frage des Geldes, sondern vielmehr des Timings, solche «Hochkaräter» verpflichten zu können, erklärt er weiter und erinnert er sich daran, dass er einst für extrem wenig Geld die französische Sängerin Zaz verpflichten hätte können. «Es ging um drei, vier Wochen. Als wir bereit waren, ist der Preis bereits explodiert.»

Bisher höchstes Budget

Hofstetter ist keiner, der in der Vergangenheit verhakt ist. Nüchtern bestätigt er stattdessen, dass das Kulturfestival 2014 mit dem höchsten Budget in seinen bisher neun Programmen antritt. Rund ein Drittel der Finanzen ist über Sponsoren abgedeckt, den Rest müssen die umsichtigen Organisatoren über Ticketeinnahmen, Restauration oder zuletzt auch Events im Zusammenhang mit der Fussball-WM realisieren.

Fest etabliert

Hofstetter wirkt für einen, der stark von der Gunst seines Publikums abhängig ist, erstaunlich entspannt: «Wir haben mit vielen Festivals und Agenturen eine gute Zusammenarbeit. Man kennt uns, was das Programmieren für uns einfacher macht. Und wir sind mittlerweile sehr etabliert und haben ein Stammpublikum.» Jenes durfte vorgestern mit Nils Petter Molvær den vielleicht prägendsten Jazztrompeter miterleben, der Elektromusik mit archaischen Jazz- und Folk-Klängen vermengt. Molvær ist keiner wie der Trompeter Chet Baker, der mit drei Tönen so ziemlich jedes Frauenherz brechen konnte.

Viel eher ist er einer wie Miles Davis, der experimentiert, neue Wege sucht, den Jazz-Begriff dehnt und strapaziert. Und wie bei Miles Davis ist es am Ende eine ewige Suche nach dem eigenen Sound, der den Grenzgänger zwischen Elektro und Jazz, organischer und synthetischer Musik, verfremdeter und ungekünstelter Klangwelt antreibt.

Der Ton wird zur Hymne

Molvær ist ein beharrlicher Fremdenführer, der das Publikum mit seiner Trompete mit in seine Klangwelten zerrt, es dort verwirrt oder betört, mal atonal, dann wieder mit einer simplen Melodie. Und dann ist da dieser Ton. Dieser intimste Ton, den jeder Mensch in sich trägt und der bei Molvær nur über ein Mundstück und ein paar hundert Gramm Blech zu einer Hymne wird. Sein Ton ist einer, der ganz im Sinne des Schriftstellers Norman Maclean aus dem Keller der Zeit den Weg zu seinem Publikum findet.

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