FREILUFTTHEATER: Wenn die Liebe abhandenkommt

Das See-Burgtheater Kreuzlingen spielt im Sommer wieder auf der Seebühne. Ödön von Horváths «Kasimir und Karoline» ist ein bunter Abend mit bitterem Ende – die ewige Liebe bleibt eine Utopie.

Dieter Langhart
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Vor dem Modell der Seebühne: Leopold Huber, Astrid Keller, Goran Kovacevic und Beate Fassnacht vom See-Burgtheater. (Bild: Donato Caspari)

Vor dem Modell der Seebühne: Leopold Huber, Astrid Keller, Goran Kovacevic und Beate Fassnacht vom See-Burgtheater. (Bild: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Frau liebt Mann. Mann verliert Arbeit, demütigt Frau. Frau bandelt mit anderem Mann an. Mann sucht sich andere Frau. «Es ist immer der gleiche Dreck», sagt Frau, weil doch alles egal ist. Der Mann heisst Kasimir, die Frau heisst Karoline, Schauplatz ist das Münchner Oktoberfest. Geschrieben hat die traurige Liebesgeschichte Ödön von Horváth, 1932 wurde sie uraufgeführt: «Die Menschen wären doch gar nicht schlecht, wenn es ihnen nicht schlecht gehen tät.»

So spielt das Leben eben: ­Kasimir und Karoline haben sich verloren, wieder gesucht, nicht mehr gefunden. Ein «Kontrastprogramm auf dem Jahrmarkt» nennt es das See-Burgtheater, und dieser Jahrmarkt wird auf der Seebühne in Kreuzlingen stehen, und Kasimir und Karoline und all die andern Liebessuchenden werden da sein. Und die Musik.

Was ist der Mensch wert ohne Arbeit, ohne Geld?

Akkordeonist Goran Kovacevic hat bereits die Musik für «Die schwarze Spinne» 2010 und «Romeo und Julia auf dem Dorfe» 2015 arrangiert, nun spielt er mit dem Baro Drom Orkestar aus Florenz auf: neben Party-Krachern Klassisches von Lehár, Offenbach, Satie, Schostakowitsch. Fünf Wochen werden die klassisch ausgebildeten Musiker am See leben und proben, für sich und mit den Schauspielern.

Kaspar Locher und Maria Lisa Huber verkörpern die namengebenden Hauptrollen. Ihre Mutter Astrid Keller führt Regie, ihr Vater Leopold Huber leitet die Produktion. «Horváth ist mein geistiger Grossvater», sagt Leopold Huber, «mit der höchsten lite­rarischen Qualität, stärker als ­Dürrenmatt, Frisch und Brecht. Die Figuren reden haarscharf ­aneinander vorbei, weil sie keine ­Sprache für ihre Gefühle haben.»

Das Thema Arbeitslosigkeit ist nach wie vor aktuell, sagt Astrid Keller. Und fragt rhetorisch: «Was ist der Mensch wert, wenn er weder Arbeit noch Geld hat?» Die Regisseurin entkoppelt das Stück von Zeit und Ort, holt es in die Gegenwart. Sie will die Figuren «nicht denunzieren, sondern immer etwas Liebenswertes ­zeigen».

Die Idee zu «Kasimir und Karoline» hingegen hatte Beate Fassnacht. Die Bühnen- und Kostümbildnerin und Dramatikerin hat in Konstanz und St. Gallen gewirkt und war schon bei «Romeo und Julia» Ausstatterin.

Gebucht: ein Cabrio – gesucht: ein Pferd

Auf der Bühne laufen die Lichter wie am Jahrmarkt, das Gerüst ist begehbar und bekletterbar. Und Beate Fassnacht hängt einen blickdichten Gazevorhang vor die Band im Container – die Musiker sind nur sichtbar, wenn sie spielen. Kommenden Samstag zeigt das Kellertheater Winterthur ihr Stück «Virgin Wool» als Schweizer Erstaufführung. Auch da geht es um eine Frau und einen Mann. Also auch um Liebe.

«Und die Liebe höret nimmer auf.» Das Zitat aus dem ersten Korintherbrief, das Horváth seinem Stück vorangestellt hatte, steht auch auf dem Plakat, obwohl es dem See-Burgtheater um die Austauschbarkeit von Paar­beziehungen geht. Kasimir hat gerade seine Stelle als Chauffeur verloren, geht mit Karoline auf den Rummelplatz. Kasimir und Karoline versuchen wieder und wieder, einen Weg zueinander zu finden, sie lieben sich, aber an jenem Abend leben sie sich ausein­ander. Karoline wird von ihrem neuen, betuchten Gönner zu einer Fahrt im Mercedes-Cabrio eingeladen – «natürlich ein richtiges», sagt Leopold Huber. ­Geritten wird im Stück auch – «das Pferd suchen wir noch», sagt Beate Fassnacht.

Kasimir und Karoline See-Burgtheater Kreuzlingen,

Bühne im Seeburgpark

Premiere: Do, 13.7., 20.30 Uhr

Aufführungen bis 10.8.

Infos und Kartenreservation:

see-burgtheater.ch