FREILUFTTHEATER: Ein zünftiger Schneesturm aus einer Handvoll Flocken

Das Café Fuerte bringt in Trogen mit «Altes Holz, Ernst und der Schnee» einen mythischen Alpenthriller auf die Bühne. Mit wenig technischem Aufwand, aber viel charmantem Theaterzauber lässt die Theatergruppe die kalte Nacht vergessen.

Andreas Stock
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Klappstühle als Versteck: Rudi Widerhofer, Tobias Fend und Kristine Walther (von links) erschaffen mit wenig Mitteln eine Welt. (Bild: PD)

Klappstühle als Versteck: Rudi Widerhofer, Tobias Fend und Kristine Walther (von links) erschaffen mit wenig Mitteln eine Welt. (Bild: PD)

Der Murer Ernst versteht vielleicht keine Ironie oder literarischen Anspielungen. Aber von Schnee und dem Leben in den Bergen versteht dieser Einzelgänger sehr viel. Da muss ihm die ­Radiomoderatorin nicht mit «das Fräulein Smilla vom Pass» kommen. Oder ihn Leute im Dorf für verrückt halten. Ernst hat einen Zwerg gesehen, Gopfriedstutz, und er war weder besoffen noch ist er ein verkappter Reinhold Messner mit Yeti-Erscheinung. Er ist dem hässigen, bärtigen Zwergenkönig Muggensturz wahrhaftig begegnet. Und er hat den kleinen Kerl aus seiner misslichen Lage befreit. Muggensturz hat ihm daraufhin verraten, dass es bald ungemütlich wird, unten im Dorf. Denn sein Zwergenvolk sinnt auf Rache und droht damit, den Stausee abzulassen, was das Dorf überschwemmen würde.

Im mythischen Alpenthriller «Altes Holz, Ernst und der Schnee» von Tobias Fend spielt Fend den Ernst. Mit auf der Bühne sind zudem Kristine Walther und Rudi Widerhofer. Ernst ist der Erzähler und die Hauptfigur; die zwei Schauspielkollegen schlüpfen derweil in zahlreiche unterschiedliche Rollen. Stets ­allein dadurch, dass sie mit schauspielerischer Verve und ­lediglich einer anderen Mütze oder Perücke ihren Rollenwechsel kenntlich machen. So werden köstliche Figuren und absurde Szenen entworfen, darunter ein etwas unbedarftes Wirtepaar sowie zwei mysteriöse Bundesbeamte, Frau Doktor Schierling und ihr devoter Assistent Herr Meier.

Das schweizerisch-vorarlbergische Theaterensemble Café Fuerte hat sich mit seinen Freilichtaufführungen zu winterlichen Zeiten fast so etwas wie ein Markenzeichen geschaffen. Nach dem Stück «Kaltes Land» auf der Ebenalp gastieren sie nun mit «Altes Holz, Ernst und der Schnee» in Trogen. Auf dem Platz vor der alten Drogerie ­haben sie ihre einfache, kleine Bühne aufgebaut.

Gebibbert wird wegen Muggensturz

Ein quadratisches Holzpodest, zwei Scheinwerfer, dazu die stimmungsvolle musikalische Begleitung von Florian Wagner auf ­Gitarre, Trommel und ein wenig Elektronik. Viel mehr brauchen sie nicht, um unter der Regie von Danielle Fend-Strahm eine spannende und amüsante Alpensaga um einen hilfsbereiten Bergler und einen stinksauren Zwerg (eine gfürchige Puppe!) zum ­Leben zu erwecken.

Das wenige mehr an Requisiten kommt auf so verblüffende wie effektvolle Weise zum Einsatz. Einige Handvoll weisse Flocken – und schon steckt man mit Murer mitten im Schneesturm. Es wird mit so viel Witz, Fantasie und Lust am charmanten Theaterzauber inszeniert, dass die eineinhalb Stunden auch für Kinder schnell vorbeigehen. Denn einige waren an diesem Donnerstagabend auf dem Heimweg vom Räbeliechtliumzug in Trogen. Und blieben gebannt stehen. Wer sich für die winterliche Nachtaufführung warm genug anzieht, wird auf den Sitzen nicht frieren – gebibbert wird höchstens wegen Giftzwerg Muggensturz.

Andreas Stock

andreas.

stock@tagblatt.ch

Aufführungen: Sa 25., So 26.11., sowie 5./6.12., je 19 Uhr, Vorplatz Alte Drogerie Trogen