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FREILICHTSPIEL: Schmuggeln gegen den Hunger

Mit dem Stück «Der Schmugglerkönig» verwebt Autor Kuno Bont historische Fakten mit fiktiven Figuren. Die aufwendige 835000-Franken-Produktion überzeugt durch starke Laiendarsteller, packende Musik und einen tierischen Einsatz von elf Pferden.
Hansruedi Kugler
Dramatischer Unfall gleich zu Beginn: Elsas erster Mann Peter wird von Baumstämmen zerquetscht und und kommt um. (Bild: Heini Schwendener)

Dramatischer Unfall gleich zu Beginn: Elsas erster Mann Peter wird von Baumstämmen zerquetscht und und kommt um. (Bild: Heini Schwendener)

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

«Wow, toll, aufwendig», denkt man bewundernd, wenn man vor der Vorstellung selbst durch das Bühnenbild wandern kann. Hinter der Kläranlage im Industriegebiet von Rüthi gibt es ausser einer Wiese und ein Paar Bäumen normalerweise nichts. Für das Stück «Der Schmugglerkönig» der hiesigen Freilichtbühne hat Bühnenbildner Bruno Bösch mit seinem Bautrupp die Rheinbaustelle aus den 1920er-Jahren wieder erschaffen. Hat den Werkhof, das Bauleiterbüro und das Zollamt aufgebaut. Sogar Schienen hat er verlegt für die Werkbahn, die während des Stücks hin- und herfährt. Die Bühne wird in mehreren Ebenen bespielbar: Im Vordergrund gibt es ein fahrbares Wohnzimmer, ebenfalls auf Schienen. Und im Hintergrund den Hügel, wo die Schmugglerinnen nachts bei Nebel Bobinen (Fadenspulen), Zigaretten und Alkohol über die Grenze tragen.

Echten Schmugglerkönig interviewt

«Der Schmugglerkönig» trägt unverkennbar Kuno Bonts Handschrift. Der Rheintaler Theater- und Filmemacher hat historische Fakten mit fiktiven Figuren verwoben. Wie bereits bei «Schwabenkinder», ebenfalls von der Freilichtbühne Rüthi aufgeführt, und in seinem jüngsten Film «Das Deckelbad» hat er ein Stück Rheintaler Geschichte ins Zentrum gerückt. Rahmenhandlung der Aufführung sind die Bauarbeiten in Diepoldsau für die Rheinregulierung, für die Umleitung des Rheins in ein neues Flussbett. Die Arbeiter verdienen 90 Rappen pro Stunde, die Frauen müssen zuerst dafür kämpfen, dass sie ebenfalls Arbeit bekommen. Aber «Wiibervölker» nehmen sie nicht. «Dia Arbat ischt schtreng wi an Siach», heisst es auf der Baustelle. Es ist eine harte, von Armut geprägte Zeit. Da findet Corbin Lüchinger eine neue Einnahmequelle: Mit seiner Frau Elsa und anderen Frauen aus dem Dorf startet er Schmuggel im grossen Stil. Auch dies entspricht historischen Fakten. Autor Kuno Bont hat die Schmuggelei im Dorf seiner Kindheit noch selbst erlebt. In seinen journalistischen Anfängen interviewte er im Gefängnis einen Schmugglerkönig. Jetzt hat er den Stoff zu einem spannenden Stück verarbeitet. Darin wird die Freundschaft zwischen den Schmugglern Elsa und Corbin einerseits und dem Grenzwächter Franz andererseits auf die Probe gestellt.

Szenenapplaus für Pferde

Trotz der ernsten Thematik des Stücks bringt Regisseurin Simona Specker auch humorvolle Szenen in die Inszenierung. Vor allem die Kinder, die den Dorfbewohnern Streiche spielen und die schwerhörige Schmugglerin Undine bringen das Publikum zum Lachen. Gespielt wird im urchigen Rheintaler Dialekt, was das Stück noch authentischer macht. Die Szenen sind kurz, und das Stück lebt von schnellen Wechseln. So wird die Inszenierung nie langatmig. Für die rund 40 Darsteller (pro Besetzung) ist es eine Herausforderung, immer am richtigen Ort zu sein. Diese meistern sie jedoch mit Bravour. Simona Specker holt das Beste aus den Laiendarstellern, die in ihren Rollen überzeugen – von den Hauptdarstellern bis zu den Statisten.

Mit der Musik hat der Rheintaler Komponist Andi Loser ein weiteres Spannungselement für die Inszenierung geschaffen. Alle Darstellergruppen haben ihre eigene Musik: ein Swing für die Streiche spielenden Kinder, ein Tango für den Diepoldsauer Gemeindeammann und sein Gefolge, eine romantische Melodie für das Liebespaar und mysteriös-unheimliche Musik für die Schmugglerszenen in der Nacht. Fast permanent spielen die drei Musiker live auf der Bühne. Die Inszenierung setzt sogar im grossen Stil auf Special Effects. Etwa als Elsas erster Mann unter Baumstämmen begraben wird, die einen Hang hinunterrollen. Oder die Explosionen bei der Sprengung für den Rheindurchstich, der den Fluss in das neue Bett leiten soll.

Nach der Pause haben elf Pferde ihren grossen Auftritt, die Nervosität ist einigen anzusehen. Die berittene Polizei sucht im Gelände nach den Schmugglern. Im Galopp geht es deshalb einen Hang hinauf, was im Dunkeln und bei der Musik eine Herausforderung für Reiter und Tiere bedeutet. Den Szenenapplaus haben sie sich verdient. Kuno Bont und Simona Specker haben eine packende Inszenierung mit viel Liebe zum Detail geschaffen, die von den charakterstarken Figuren und Darstellern lebt.

Vorstellungen bis 24. September, jeweils 20 Uhr schmugglerkoenig.ch

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