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Frauen ohne Gesichter

Zwei Bilder, ein Thema. Obwohl die beiden Künstlerinnen Micha Stuhlmann und Claudia Valer ganz unterschiedlich arbeiten, scheinen sich ihre Wege mit diesen Bildern zu kreuzen.
Brigitte Schmid-Gugler
Micha Stuhlmanns Performance «Pauline» (Bild pd)

Micha Stuhlmanns Performance «Pauline» (Bild pd)

Bald ein Jahr ist es her, seit die St. Galler Künstlerin Claudia Valer ihre Werke bei Kultur im Bahnhof präsentierte. Es handelte sich um mehrheitlich grossformatige Malereien, Porträts von Menschen, deren Blicke einen zu verfolgen schienen. Die einen traurig, andere streng und unerbittlich auf ihr Gegenüber gerichtet. Auf einem der Bilder war ein Kind zu sehen, daneben stand die Frau mit einer über den Kopf gestülpten Kartonschachtel. Erst wollte man lachen über die Andeutung eines kleinen Versteckspiels, doch dann schlich sich auch ein Unbehagen ein. Vielleicht will sie in Ruhe gelassen werden. Vielleicht will sie nicht wissen, was draussen ist, will nicht hören, wie ihr Kind schreit, will nicht mehr hin- und hergerissen sein zwischen den Aufgaben, die sie kaum zu bewältigen weiss, will raus aus der ihr zugewiesenen oder sich selbst auferlegten Rolle der Alleskönnerin oder -müsserin, will raus aus allem – oder am liebsten unter die Schachtel.

Wer bin ich?

Konflikte um das Weibliche, um die Frage nach Selbstbestimmung beschäftigen auch die Künstlerin Micha Stuhlmann: Wer kennt es nicht, das schauerliche Gefühl beim Lesen der Geschichte des armen Paulinchen im «Struwwelpeter», das nicht gehorcht, mit dem Feuer spielt und schliesslich zu Tode kommt.

Micha Stuhlmann entwickelte das einst autoritär-erziehungstechnischen Zwecken dienende makabre Märchen aus dem Jahr 1844 weiter. Was wäre, fragt sie, wenn Paulinchen nicht dem Verbrennungstod zum Opfer gefallen, sondern eine heutige junge, freche, emanzipierte Frau wäre, an deren Lebensweg nicht Gehorsam, Ängste und Erwartungsdruck, sondern Lust, Neugierde und Unbeschwertheit Spalier stehen. Eine Frau, die ihre Rechte einfordert, die aufmüpfig ist und dann und wann gar mit dem Feuer spielt, ohne sich gleich tödlich zu verbrennen.

Wohin gehe ich?

Die Künstlerin verwebt Video, Installation, Musik und Tanz. Ihre Performance ist eine poetische Traumreise ins Surreale, die Sehnsüchte weckt und das Herz berührt. Wenn sich ihre Pauline in einer Szene einen roten Kübel über den Kopf stülpt, dann weiss man, dass der Konflikt noch andauert.

Performance Sa 31.3., Installation ab 19 Uhr; Performance 20 Uhr

Claudia Valers Ölmalerei ohne Titel (Bild angeschnitten) (Bild:pd)

Claudia Valers Ölmalerei ohne Titel (Bild angeschnitten) (Bild:pd)

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