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Francisco Obieta: «Als Musiker bin ich ein Logopäde der Seele»

Er könne nicht für den Kopf schreiben, sondern nur für die Herzen. Der Komponist, Dirigent und Kontrabassist Francisco Obieta hat sich mit Musik, die viele Stile vereint, einen Namen gemacht - und wird mit einem Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet. Dieser ist für ihn ein Applaus der Politik.
Martin Preisser
Francisco Obieta erhält einen Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung. (Bild: Urs Bucher)

Francisco Obieta erhält einen Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung. (Bild: Urs Bucher)

Nur knapp die Hälfte seiner Werke sind auf seiner Website aufgelistet. Insgesamt hat Francisco Obieta über hundert geschrieben. Das Komponieren fällt ihm leicht. Mit den 15'000 Franken, die er jetzt mit dem Anerkennungspreis der St.Gallischen Kulturstiftung bekommt, kann er sich vorstellen, ein Auftragsstück zu komponieren, für das «ich mir einfach selbst den Auftrag gebe».

Der 61-jährige Argentinier, der seit 1984 in der Schweiz lebt, ist ein Seelenmusiker. «Ich kann nicht für den Kopf schreiben, ich muss es für die Herzen», sagt er. Mit einem Yehudi-Menuhin-Stipendium ist er nach Gstaad gekommen und hat anfänglich in Bern gelebt. Dass dort damals um 18.30 Uhr die Läden runtergingen und alles wie ausgestorben war, daran hat er sich erst gewöhnen müssen.

«Musik heisst auch, sich daran zu erinnern, dass es ein Leben nach Arbeitsschluss gibt.»

Einst was er Kontrabassist im Sinfonieorchester St. Gallen, man kennt ihn heute auch als unbeschwerten Kammermusiker.

Er spricht sechs Sprachen, aber Musik ist die erste

Tango spielt in seinen Werken eine wichtige Rolle. «Er ist einfach da, aber ich forciere ihn nicht», sagt Francisco Obieta. Mit Musik, die viele Stile vereint, hat er sich einen Namen gemacht. Stilmix ist für Obieta, der heute im Rheintal lebt, etwas ganz Natürliches.

«Ich weiss nicht, woher immer wieder dieser Glaube an Monokultur kommt, in der Gesellschaft wie in der Musik. Es gibt sie nicht.»

Mit Kulturmix ist er in Buenos Aires aufgewachsen. «Er ist für mich eine deformation natale.» Die Mutter hat italienische und griechische Wurzeln, der Vater französische und spanische. Plus Englisch und Deutsch heisst das: Francisco Obieta bewegt sich ­locker in sechs Sprachen. «Musik ist aber unsere erste Sprache, sie berührt unser Innerstes», sagt er.

«Musik ist keine Unterhaltung von Eliten, sondern Seelennahrung für alle.»

So versteht er sich als Komponist, aber auch als Dozent am Konservatorium Feldkirch: «Ich bin als Musiker ein Logopäde der Seele.» Über den Kulturpreis freut er sich sichtlich. «Jeder Künstler freut sich über Applaus. Der Preis ist nun ein Applaus der Politik und der Gesellschaft, in der ich lebe.»

Er komponiert eine Tango-Oper

Pünktlich zur Verleihung kommt der humorvolle Allrounder, der in St. Gallen das Universitätsorchester leitet, zurück aus Boston. Seine Tochter hat dort gerade ihren Abschluss als Jazzsängerin gemacht.

Er selbst hat für Synergien der Berkeley School of Music und dem Vorarlberger Landeskonservatorium vorgefühlt. «Berkeley ist eine grossartige Ausbildungsstätte, aber wir sind hier durchaus nicht das hässliche Entlein.»

Obieta arbeitet gerade an einem neuen Werk. «Es könnte eine Art altgriechische Tangooper werden», spielt er auf den Stilmix an, auf sein Denken fern von starren Konzepten. In dieser Oper trifft Odysseus auf Nausikaa und weist ihre Liebe ab. «Er verzichtet auf die Unsterblichkeit, er will einfach heim. Zu Hause ankommen, das ist sein Reichtum. Dadurch ist er erst unsterblich geworden», sagt der Vollblutmusiker, der in der Schweiz schon lange angekommen ist.

Preisverleihung der St.Gallischen Kulturstiftung am Fr, 17. 5., 18.30 Uhr, Alte Fabrik, Rapperswil

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