Fortsetzung folgt…

«Akte X», das war einmal eine der besten Serien der Welt. Nun sollen Mulder und Scully wieder nach Aliens suchen. Sie sind nicht die einzigen TV-Rückkehrer.

Katja Fischer De Santi
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(Einschalt-)Zeit für Verschwörungen aller Art: Die «Akte X» wird wieder geöffnet. (Bild: pd)

(Einschalt-)Zeit für Verschwörungen aller Art: Die «Akte X» wird wieder geöffnet. (Bild: pd)

14 Jahre waren sie weg. Verändert hat sich nicht viel. David Duchovny, trägt jetzt einen Dreitagebart, doch sein Glaube, dass Ausserirdische die Welt heimgesucht haben, ist noch immer so unerschütterlich wie 1993. Fast 200 Folgen lang hat er als Fox Mulder zusammen mit Dana Scully (Gillian Anderson) das Unfassbare zu fassen versucht; Aliens, Monster, Menschen mit paranormalen Fähigkeiten, Psychopathen und gerne auch eine Kombination von allem. Ihr grösster Gegner; die Regierung, welche die Existenz extraterrestrischen Lebens in einer gewaltigen Verschwörung verleugnet.

«Akte X» löste einen Boom aus

Das war harter und guter Stoff – damals Ende der 1990er-Jahre. Etwas ähnliches hatte es noch nicht gegeben. «Akte X» war anders und besser als vieles was damals im Fernsehen lief. Eine Art «Twin Peaks» für die Massen – lange nicht so mysteriös und abgefahren wie die Kultserie von David Lynch, aber eben doch mit mehr Nervenkitzel als die unzähligen Vorabend-Krimi-Serien. «Akte X» löste denn auch einen wahren Mystery-Boom aus. Es ist die Mutter aller Fantasy-Krimi-Serien wie «Lost», «Fringe» und «Supernatural».

Auch in seiner Erzählweise war «Akte X» seiner Zeit voraus. Die einzelnen Folgen funktionierten stets für sich alleine, doch über allem schwebte stets die eine, die ganz grosse Verschwörungstheorie. Exakt so, wie heute fast alle erfolgreichen Serien aufgebaut sind.

Es wimmelt nur so von Rückkehrern

Nach neun Staffeln war 2002 jedoch Schluss. David Duchovny hatte die Serie schon früher verlassen, ohne ihn und durch zunehmende Wirrnis in der Story konnte die Serie ihre Fans nicht mehr halten. Nun sollen die X-Akten wieder geöffnet werden. Vorläufig mal für sechs Folgen werden Mulder und Scully auf den Bildschirm zurückkehren. ORF zeigt die Serie ab 4. Februar.

Die beiden FBI-Agenten sind beileibe nicht die einzigen Rückkehrer, die uns dieses Jahr beehren. Die sagenhaft schwatzhaften «Gilmore Girls» bekommen eine neue Staffel. David Lynch bastelt am Comeback von «Twin Peaks», bei «Prison Break» soll wieder munter ausgebrochen werden, und schon im Februar präsentiert Netflix «Fuller House». Ein, man ahnt es schon, Revival des Comedy-Klassikers «Full House» aus den frühen 1990er-Jahren. Und das sind nur die bekanntesten Beispiele.

Woody Allen produziert für Amazon

Wir leben im Zeitalter der TV-Serien. Branchenexperten schätzten das 2016 alleine in den USA mehr als 400 neue Serien ausgestrahlt werden. Kaum ein Schauspieler oder Regisseur, der sich noch zu schade wäre, fürs Fernsehen zu produzieren. Woody Allen hat beim Internethändler Amazon einen Vertrag für eine Mini-Serie unterschrieben. Robert De Niro spielt für den US-Sender HBO einen windigen Anwalt. Halle Berry in «Extant» eine Astronautin. Serien, soviel ist seit längerem klar, sind lukrativer und anspruchsvoller als die allermeisten Filme.

Hauptsache Originalbesetzung

Nur wird der Kampf um die Aufmerksamkeit auch im TV-Geschäft immer härter. Wer bei Zuschauern über bekannte Titel und Darsteller einen Einschalt-Reflex auslösen kann, hat zumindest einen kleinen Vorteil. Daher die Auferstehung so manchen Serien-Klassikers. Am liebsten in der Originalbesetzung, was sich die Sender denn auch einiges kosten lassen. Gerüchten zu- folge soll der Privatsender Fox David Duchovny mehrere Jahre mit immer höheren Angeboten in den Ohren gelegen haben. Es gibt aber noch einen zweiten Grund für die zahlreichen Remakes und Revivals. Nicht wenige Serien werden von Streamingportalen neu aufgelegt – also von jenen Konkurrenten des traditionellen TV, die in den vergangenen Jahren eine Revolution im Konsum kultureller Güter ausgelöst haben.

Netflix, Hulu oder Amazon Prime funktionieren anders als klassische Sender: Sie scheren sich nicht um Einschaltquoten – sehr wohl jedoch um die Gesamtzahl der Abonnenten. Wer also «Gilmore Girls», «Arrested Development» (beide Netflix) oder «The Mindy Project» (Hulu) sehen will, der kann nicht einfach den Fernseher einschalten – er muss ein Abo abschliessen und soll es möglichst nie wieder kündigen. Es verwundert nicht, dass von den Neuauflagen meist keine komplette Staffeln bestellt wurden, sondern nur wenige Folgen, bei den «Gilmore Girls» sind es gar nur vier. Die Serien-Zombies sollen Frischfleisch anlocken.

Verschwörungen überall

Bei «Akte X», obwohl von einem Privatsender produziert, ist das nicht anderes. Doch der Zeitpunkt für das Revival ist ziemlich gut gewählt. Nicht etwa, weil wir demnächst Aliens auf der Erde erwarten. Aber in einer Zeit, wo selbst amerikanische Präsidentschaftskandidaten mit Verschwörungstheorien um sich werfen, erscheint einem Fox Mulder mit seinen Aliens fast schon wohltuend «geerdet».

«Akte X»: ORF 1, ab 4. Februar 2016

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