Fondue in der Skihalle

Die Berner «X-Factor»-Siegerin Edita Abdieski erzählt von ihren Erfahrungen bei der deutschen Castingsendung, über ihr Début-Album und über Kaffee-Klatsch mit Ricky Martin.

Reinhold Hönle
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Frau Abdieski, weshalb leben Sie eigentlich nicht mehr in der Schweiz, sondern in Köln?

Edita Abdieski: Als ich vor einigen Jahren in einem Hip-Hop-Musical in Zürich die positive Hauptrolle spielte, wurde die Darstellerin der negativen Hauptfigur zu meiner besten Freundin. Als sie später in Köln mitbekam, dass ich neben der Musik immer noch jobben musste und Schulden hatte, meinte sie: «Mädel, mit der Stimme kannst du noch nicht kellnern!»

Und der Umzug brachte die Wende?

Abdieski: Zuerst vermittelte sie mir Auftritte mit Bands und an Galas. Ich pendelte und wohnte in einem schrecklich möblierten Zimmer. Aber die alte Oma, die es vermietete, war unheimlich süss! Sie hat jeden Morgen geklopft und gefragt, ob ich wach sei und einen Kaffee oder ein Frühstücksei möchte.

Wie haben Sie von der Castingshow «X-Factor» erfahren?

Abdieski: Eine befreundete Tänzerin, die wusste, dass ich mir das englische Original immer gerne angeschaut habe, rief mich an, als sie hörte, dass die Sendung nach Deutschland kam. Ich zögerte zuerst, aber als ich sah, dass ein angesehener Jazzmusiker wie Till Brönner in der Jury sass, bewarb ich mich.

War es ein Vor- oder Nachteil, Schweizerin zu sein?

Abdieski: Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. In den ersten Shows wurde es noch nicht publik gemacht. Die Produzenten hatten sich das Thema aufgehoben und schickten mich dann für die fünfte Sendung in eine Skihalle und kochten ein Fondue für mich.

Woran denken Sie, wenn Sie Ihr Final-Lied «I've Come To Life» heute singen?

Abdieski: Der Song hat mir wirklich ein neues Leben geschenkt, denn dank «X-Factor» kann ich mich nun auf das konzentrieren, was ich immer tun wollte, seit ich denken kann: Auf der Bühne stehen und Musik machen.

Wie profitieren Sie von der Erfahrung, die Sie vor fünf Jahren mit dem Mundartpop-Duo VanessaEdita gesammelt haben?

Abdieski: Als ich als 19-Jährige das Angebot bekam, mit meiner Freundin eine Platte auf Berndeutsch aufzunehmen, konnte ich es nicht ausschlagen. Obwohl wir eine tolle Zeit und in Thomas Fessler einen der besten Schweizer Produzenten hatten, merkte ich bald, dass Englisch zu meinem soulig-poppigen Gesang besser passt.

Ihr neues Album hätte noch vor Weihnachten veröffentlicht werden sollen. Weshalb ist es erst jetzt, also drei Monate später, erschienen?

Abdieski: Weil ich einen Dickschädel habe! (lacht) Als ich gemerkt habe, dass es unrealistisch ist, innert zwei Wochen eine CD aufzunehmen, bei der ich hinter jedem einzelnen Song stehen kann, habe ich mich mit meinem Sony-Music-Boss zusammengesetzt und ihn gebeten, uns mehr Zeit zu lassen, damit wir genügend gute und passende Songs finden können.

Nun singt Ricky Martin seinen Hit «The Best Thing About Me Is You» auch mit Ihnen. Wie fühlen Sie sich als «Nebenbuhlerin» von Joss Stone?

Abdieski: Schon geil! Sie ist eine meiner Lieblingssängerinnen – das erste Lied, das ich bei «X-Factor» gesungen habe, war von ihr. Und nun teile ich den Duett-Partner mit ihr – Wahnsinn!

Was ist von der Begegnung mit Ricky Martin speziell haften geblieben?

Abdieski: Er wirkt echt und ehrlich, dass ich ihm sogar Komplimente geglaubt habe, die ich bei fast jedem anderen als übertrieben empfunden hätte. Er hat aber auch gesagt: «Arbeite und gib nie auf!». Ich habe ebenfalls sehr geschätzt, dass er bei unserem Treffen zuerst weder die Manager noch das Kamerateam, das mich begleitet hat, dabei haben wollte. Stattdessen wollte er in Ruhe Kaffee trinken und über Gott und die Welt reden.

Edita: One (Sony Music) Live: 9.6., Härterei, Zürich

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