Folklore pakistanischer Hochzeiten gemischt mit urbanen Beats: Die Sufi Dub Brothers spielen im St.Galler Palace aufregend tanzbaren Sound

Der gebürtige Pakistani Ashraf Sharif Khan und der Norddeutsche Viktor Marek haben gerade ihr erstes Album veröffentlicht, das nun endgültig beweisen wird, dass die beiden Musiker bei der Geburt getrennte Zwillinge aus verschiedenen Kontinenten sind.

Marc Peschke
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Die Sufi Dub Brothers – Ashraf Sharif Khan und Viktor Marek.

Die Sufi Dub Brothers – Ashraf Sharif Khan und Viktor Marek.

PD

Blickt man hinaus, in die Landschaft der Popmusik, so ist das in diesen Tagen wie ein Blick aus einem fahrenden Zug. Aus einem alten Zug, eine Art Orient Express, der uns exotische Landschaften sehen lassen will. Doch es ist ein Blick, der schnell trüb wird, denn was wir sehen, ist nicht so ganz real. Wir sehen in eine Dämmerung, in ein Zwielicht aus Altem und Neuem. Alles was kreucht und fleucht, verbindet sich hier, zuckt, flackert im Sekundentakt. Wir sehen aus einem Fenster, Schlaglichter. Brodelnde Masse, kaum auszuhalten, dieses gleichzeitige Mit- und Gegeneinander.

Ein überaus interessantes Beispiel für dieses interkulturelle Zucken und Flackern sind die Sufi Dub Brothers, nämlich Ashraf Sharif Khan und Viktor Marek. Sie spielen am Samstag im St.Galler Palace. Zwei EPs erschienen schon vor ein paar Jahren und gerade haben sie bei «Fun In The Church» ihr erstes Album veröffentlicht, das nun endgültig beweisen wird, dass die beiden Musiker bei der Geburt getrennte Zwillinge aus verschiedenen Kontinenten sind.

Tatsächlich kommen sie aus ganz verschiedenen Welten: Viktor Marek kennt man als anarchischen Soundtüftler, als Theatermusiker, Teil des Trios 8Doogymoto, Soundmaster von Jacques Palminger & The Kings of Dubrock und Mitbetreiber des Hamburger Golden Pudel Club. Ashraf Sharif Khan hingegen, geboren in Lahore in Pakistan, Spross einer Musiker-Dynastie und Sohn des legendären Ustad Muhammad Sharif Khan Poonchwala ist ein virtuoser pakistanischer Sitar-Meister, der offenbar Lust auf Neues hatte.

Musik als ein utopischer Ort

Und die Idee des« Sufistep» zündet tatsächlich, denn zwischen Hip Hop, Acid, Krautrock, Funk, Elektro, Dub und klassischer Sitar-Musik ist in diesem Kosmos jede Menge Platz für Überraschungen: So hat das Duo etwa eine grandiose Version von «Maschinenland» der Hamburger Punkband Abwärt im Repertoire, erstmals 1980 veröffentlicht, die man hier so gar nicht erwarten würde. Eine ziemlich wilde Mischung, welche mit der Sitar ein Instrument in den Pop zurückbringt, das wir seit Cornershops «Brimful of Asha» im Norman Cook-Remix selten mehr so aufregend tanzbar vernommen haben.

Aufregend tanzbar ist die Musik von Ashraf Sharif Khan und Viktor Marek.

Aufregend tanzbar ist die Musik von Ashraf Sharif Khan und Viktor Marek.

Die beiden Sufi Dub Brothers zeigen hier auf das Schönste, dass Musik tatsächlich ein utopischer, interkultureller Ort sein kann, an dem sogar südasiatische Klassik und norddeutsche Clubmusik zusammenkommen können, um zum veritablen Dancefloor-Kracher zu verschmelzen. Um es ein wenig gestelzt auszurücken: In dieser irren Musik geht es um Pluralismus. Die Musik von Früher, die Folklore der Dorffeste und Hochzeiten, mischt sich hier selbstverständlich mit urbanen Beats. Weltmusik ist die neue Popmusik – und Popmusik die neue Weltmusik, meint auch George Lipsitz, Professor für Black Studies an der University of California in Santa Barbara, in seinem Band «Dangerous Crossroads. Popmusik, Postmoderne und die Poesie des Lokalen».

Sie feiern den Synkretismus

Das Erste Album der Sufi Dub Brothers.

Das Erste Album der Sufi Dub Brothers.

pd

Im Aufeinanderprallen der flottierenden Musikkulturen in Havanna, Port-au-Prince, Kingston, Budapest, Paris, London, New York, Los Angeles, Tokyo, Hamburg und Islamabad, an den Kreuzungen von Marktwirtschaft und kultureller Identität, sieht er eine Chance: «Kollisionen geschehen an den Crossroads um uns herum – an den Kreuzungen, Kreuzwegen, Überschneidungen, Schnittmengen. Man kann sich an solchen Orten verirren. Die Wegkreuzung ist ein gefährlicher Platz. Aber wie schon die Alten der Yoruba in Westafrika ihren Kindern beizubringen pflegten: Der Trickster am Kreuzweg ist auch der Meister der Möglichkeiten.»

Und auch so kann man ein Projekt wie das der Sufi Dub Brothers verstehen, wenn man beim Tanzen noch Zeit zum Denken haben sollte: In der Auflösung jeglicher Kategorien, in der Feier des Synkretismus, des antihierarchischen Eklektizismus, liegt ein utopisches Moment. An den «gefährlichen Kreuzungen» entsteht in den besten Momenten spannende, progressive Reiberei – anstelle von verlogener Authentizität und biederer Traditionspflege.

Samstag, 26. September, Türöffnung 21:00 Uhr. Es wird empfohlen, den Vorverkauf zu benutzen; Registrierung für Contact Tracing: https://www.palace.sg/index/contacttracing