FOLK: Autos sind ihr einziges Laster

In der Schweiz gehört die Schottin Amy Macdonald zu den beliebtesten Musikerinnen überhaupt. Vielleicht weil sie sich darauf konzentriert, nicht abzuheben, für ihre Familie da zu sein und gute Songs zu schreiben.

Michael Gasser
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Michael Gasser

focus@tagblatt.ch

Viereinhalb Jahre hat Amy Macdonald ins Land ziehen lassen, bevor sie mit «Under Stars» jetzt wieder ein neues Album veröffentlicht. Obschon sich die Singer/Songwriterin eine Auszeit gönnte und 2016 nur vereinzelt auftrat, laufen ihre Geschäfte unverändert gut. Laut der englischen Tageszeitung «The Sun» hat Macdonald dank Tantiemen und Plattenverkäufen im vergangenen Jahr weit über vier Millionen Franken eingenommen. Womit sie ausgesorgt haben dürfte.

Aufgewachsen ist die Sängerin mit der Donnerstimme in einem Vorort von Glasgow, jener Stadt, in der sie bis heute zu Hause ist. «Ich will da nicht wegzuziehen. Glasgow ist eine ebenso verrückte wie wunderbare Stadt. Und meine ganze Familie und meine Freunde leben hier», erzählt sie im Interview. Für Macdonald, Tochter eines Buchhalters, ist das Wohlergehen ihres Umfelds essenziell: Dementsprechend hat sie ihren Erfolg auch dazu genutzt, ihre Angehörigen mit Häusern zu beschenken.

Als 12-Jährige brachte sich Macdonald – motiviert durch die Musik der britischen Rockband Travis – selbst das Gitarrenspielen bei. «Heute bereue ich es, nie Musikunterricht genommen zu haben», gesteht sie. Nur zu gerne würde sie ihre instrumentalen Fähigkeiten von Grund auf verbessern, aber: «Nie findet sich die Zeit dafür.» Zwar setze sie sich im Studio und auf der Bühne kontinuierlich mit ihren Fingerfertigkeiten an Gitarre und Keyboard auseinander, doch über ein gewisses Level komme sie dabei nicht mehr hinaus.

Warmer Folk für den Normalbürger

Kurz nach der Jahrtausendwende begann die Schottin in Pubs aufzutreten, wo sie eigene Songs feilbot. Mit 18 Jahren meldete sie sich auf eine Anzeige in der Musikzeitschrift «New Musical Express», und bereits wenige Wochen später offerierte man ihr einen Plattenvertrag. 2007 folgte das Début, «This Is The Life», das einen Mix aus warmem Folk mit leicht verdaulichem Pop bot und Leben und Alltag aus dem Blickwinkel von Normalbürgern schilderte. An diesem Konzept hält Macdonald bis heute fest. Und das, obschon sie mittlerweile ein Star ist. Das hört sie zwar nicht gerne, offenbart sich aber daran, dass sie stolze Besitzerin zweier Ferraris ist. «Autos sind wohl mein grösstes Laster. Und zugegeben, ich könnte mein Geld für Sinnvolleres ausgeben, aber ich mag es herumzufahren», sagt sie.

Anhaltendes Understatement als Erfolgsrezept

Von ihren bis dato drei Platten hat Macdonald über fünf Millionen Exemplare verkauft. Und obwohl sie auch in Grossbritannien berühmt ist, findet sie im deutschsprachigen Raum fast noch mehr Anklang. In der Schweiz wurden ihre Alben allesamt mit Platin ausgezeichnet, zum Teil sogar mehrfach. Warum sie gerade hierzulande Erfolg an Erfolg reiht, wisse sie nicht, erklärt die Künstlerin. «Doch es ist ein Privileg, immer wieder in die Schweiz zu kommen und hier aufzutreten.» Nicht wenige ihrer Aussagen haben eine ähnliche Stossrichtung: Stets betont Macdonald, dass sie ihren Durchbruch und ihre anhaltenden Hits nicht für selbstverständlich erachtet. Mit fast jedem ihrer Worte beweist Amy Macdonald, wie wenig abgehoben sie ist. Gut möglich, dass ihr anhaltendes Understatement, das sich selbst in ihren Liedern niederschlägt, die Herzen des Schweizer Publikums immer wieder aufs Neue im Sturm erobert.

Die 29-Jährige, die mit dem schottischen Fussballer Richard Foster verlobt ist und auf ihrem Arm einen tätowierten Schmetterling mit dem Slogan «Free Scotland» trägt, sieht Parallelen zwischen ihrer Heimat und der Schweiz. Nicht nur seien die beiden Länder ähnlich gross, sondern auch vergleichbar schön – und voller Seen und Berge. «Bezüglich Sommerwetter habt ihr es allerdings deutlich besser.»

Ihr Alltag abseits des Musikgeschehens sei alles andere als aufregend, und oft sitze sie einfach zu Hause vor dem Fernseher. Das hindere sie jedoch keineswegs daran, spannende Stücke zu schreiben. «Tolle Ideen kann ich auch haben, während ich aus dem Fenster schaue.» Die meisten ihrer neuen Lieder gehen auf Erlebnisse und Erzählungen aus ihrem Umfeld zurück. Konsequenterweise drehen sich ihre Kompositionen weniger um die Weltlage als um persönliche Gedanken. «Man soll sich gut fühlen, wenn man meine Musik hört. Das ist mir wichtig. Doch selbst wenn meine Melodien meist fröhlich klingen, kann es vorkommen, dass die Stücke einen dunklen Hintergrund haben.» Allen Triumphen zum Trotz fühlt sich Macdonald ob der anstehenden Veröffentlichung von «Under Stars» nervös. «Ich und meine Band haben so viel harte Arbeit in das Album gesteckt. Jetzt hoffe und bibbere ich einfach, dass die Lieder bei unseren Fans ankommen.»

Und was unternimmt sie gegen die Nervosität? «Nichts, weil sich dagegen nichts tun lässt.» Eine Aussage, die nichts schönt und ebenso unverblümt wie ehrlich ist. Amy Macdonald wird von ihren Anhängern nicht bloss für ihre Musik geliebt, sondern auch für diese Haltung.

Konzert

17. März, Samsung Hall, Zürich.