Flugzeug mit Flausen

«Cars» geht in die Luft: Nun will auch noch der Animationsfilm «Planes» zeigen, dass eine Welt ohne Menschen eine bessere Welt wäre. Weil sich Maschinen sich rührender um die Umwelt kümmern.

Lukas G. Dumelin
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Der grösste Traum von Dusty ist es, an einem Flugzeugrennen teilzunehmen. Doch das Propellerflugzeug leidet an Höhenangst. (Bild: pd)

Der grösste Traum von Dusty ist es, an einem Flugzeugrennen teilzunehmen. Doch das Propellerflugzeug leidet an Höhenangst. (Bild: pd)

Dusty war zu rasant unterwegs, einmal mehr. Darum muss sich das orangefarbene Kleinflugzeug in einem Hangar untersuchen lassen. Nun fummelt ein Gabelstapler an seinem Motor herum, besser gesagt eine Gabelstaplerin, denn der Stapler ist weiblich und heisst Dottie. Und bevor Dottie eine Kurve fährt und dem Dusty ihr babyblau lackiertes Hinterteil zukehrt, warnt sie ihn: «Man hat dich als Sprühflugzeug gebaut, nicht als Kampfjet.»

Man? Das ist die grosse Frage. Wer hat die Maschinen gebaut? Können sich die eigentlich auch selber vermehren? «Planes», der neue Disney-Animationsfilm, gibt darauf keine Antworten. Die Autos und Flugzeuge sind da, weil sie da sind, Punkt. Unangenehmes gibt es nicht in dieser Welt. Keine Politiker, die regieren. Keine Polizisten, die Diebe verhaften. Es gibt nur vergnügliche Dinge: Pubs, Fernseher, Wettrennen – und natürlich schöne Hinterteile.

Fortsetzung von «Cars»

«Planes» ist die Fortsetzung von «Cars» und «Cars 2». Die drei Filme spielen in derselben Welt ohne Menschen.

Wo einst die Menschen sassen, hinterm Steuer und im Cockpit, öffnen und schliessen sich nun die Glubschaugen der zum Leben erweckten Autos und Flieger. Maschinen sind an die Stelle der Menschen getreten, weil die Filmemacher mit dem Menschen das gemacht haben, was Marx mit dem Kapitalismus nie gelungen ist: Sie haben ihn überwunden.

Pixar hat die «Cars»-Streifen produziert, in denen vermenschlichte Autos andern vermenschlichten Autos bei Rennen zuschauen. Bei «Planes» ist die Sache komplizierter: John Lasseter, künstlerischer Chef bei Pixar, ist zwar Produzent des Films, aber nicht im Namen von Pixar. Vielleicht fürchtete er einen Imageverlust fürs Pixar-Studio, das 2006 nach den Erfolgen mit «Toy Story», «Die Monster AG» und «Finding Nemo» für 7,4 Milliarden US-Dollar an Disney gegangen ist: Denn so vorhersehbar, so klischeebeladen wie «Planes» war ein Film von John Lasseter noch nie.

Flugzeug mit Höhenangst

Dusty will nicht länger Mais düngen, sondern in einer Rallye um die Welt fliegen. Trotz Höhenangst meistert er jede noch so schwierige Aufgabe und freundet sich mit allerlei beseeltem Fluggerät an: mit Heidi, der toughen Deutschen, mit Ishani, der anmutigen Inderin, mit Chupa, dem Casanova aus Mexiko, der Heidi verführt, indem er schmachtend Gitarre spielt.

Die Welt der Maschinen ist eine ideale Welt: Die Flugzeuge fliegen mit Treibstoff aus dem Mais, den Dusty mit einem Vitamindüngergemisch (und nicht mit Pestiziden!) besprüht hat. Umweltschutz wird in Trickfilmen gern grossgeschrieben: Im Pixar-Streifen «Wall E» (2008) räumen Roboter die letzten Spuren der Menschheit auf, «The Lorax» (2011) warnt vor der Abholzung des Waldes.

Lufthansa ist begeistert

Zudem heben die Computeranimationsfilme «Cars» und «Planes» aufs Podest, was sie erst ermöglicht hat: der technische Fortschritt. Die Filme entwerfen ein Zukunftsszenario, an dem Daimler längst werkelt: Ab 2020 soll es ein Auto geben, das von alleine fährt. Man darf also nicht erstaunt sein, sollte sich die Technik eines Tages vom Menschen zu emanzipieren versuchen.