Flüsterfüchse, Teufelshörner

Der Musikkabarettist Michael Krebs gibt in der Kellerbühne St. Gallen ein Zusatzkonzert – teilweise von McKinsey optimiert. Und auch in den anderen Teilen nahe am Optimum.

Valeria Heintges
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Auf Kreuzzug gegen Flüsterfüchse: Musikkabarettist Michael Krebs (Bild: Knut Stritzke)

Auf Kreuzzug gegen Flüsterfüchse: Musikkabarettist Michael Krebs (Bild: Knut Stritzke)

ST. GALLEN. Der Beginn von Michael Krebs' Kabarettabend in der St. Galler Kellerbühne ist besonders effizient und schlank. Denn den hat sich der Schwabe Krebs auch einiges kosten lassen – dann allerdings ging ihm das Geld aus, um die Herren von McKinsey weiterhin als Coach zu engagieren. Immerhin, der Titel «Zusatzkonzert» geht auf deren Rechnung, im doppelten Sinne, sozusagen. Hätte Krebs allein entschieden, hätte das Programm «Es gibt immer noch Restkarten» geheissen. Aber auf dem Tourplan sah «Zusatzkonzert» besser aus: Auch wenn Krebs jetzt in Orten ein Zusatzkonzert gibt, in denen er vorher noch nie war.

Kampf den Wutlosen

In der Kellerbühne war Krebs schon – aber der Kampf gegen den Flüsterfuchs muss weitergehen. Als überzeugter Heavy-Metal-Fan – was Krebs an dem Abend eher gut verbergen kann – findet er, dass man die Geste, in der der gestreckte Zeige- und der gestreckte kleine Finger die Hörner des Teufels symbolisieren, nicht den Kindergärtnerinnen überlassen darf. Die wollen das Zeichen als niedlich aufgestellte Fuchsohren uminterpretieren.

Über weichgespülte Wut kann sich Michael Krebs wort- und notengewaltig aufregen. Besonders abgesehen hat er es auf (eingebildete) Krankheiten und Intoleranzen aller Art – dabei ist er als an der «Molldurschwäche» Leidender selbst betroffen. Immerhin können sich die Kranken rühmen – wie Krebs sehr eindeutig beweist –, einst den Blues erfunden zu haben.

In Krebs' Klavierspiel ist von einer solchen Schwäche allerdings nichts zu hören – und auch von keiner anderen sonstwie gearteten Schwäche. Vielmehr entlockt er dem Instrument souverän alle möglichen Genres, spielt Jazz und Rock, Warteschleifenmusik und deoptimierte Sommer-Ballermann-Schlager, singt und spielt in Zeitlupe oder bietet den Hochzeitsmarsch im All-inclusive-Paket, also wahlweise mit Scheidung oder mit Beerdigung. Und demonstriert unmissverständlich, wie sehr eine trickreiche Intonation das Leben eines Hotelbarpianisten vereinfachen kann – auch wenn die super «Büroschnitte» wohl nie ihren Zimmerschlüssel auf dem Instrument ablegen wird.

Leben der Schwaben im Ausland

Gekonnt jongliert Krebs zwischen Musik und Sprache, zwischen lockerer Unterhaltung und Ernst. Beeindruckend, wie er sachte, aber unaufhaltsam allen Vorurteilen den Boden entzieht. Etwa wenn er von seinem Dasein als «Schwabe» in Berlin erzählt, der von den Nachbarn im Mietshaus freundlich in die Rolle des schwarzen Schafs gedrängt wird. Auch das berichtet Krebs scheinbar en passant – und doch sitzt jedes Wort.

Michael Krebs, Zusatzkonzert, Fr/Sa, 20./21.3., 20 Uhr, Kellerbühne St. Gallen. Und So, 22.3., 22.10 Uhr, SRF 1, bei Giacobbo/Müller