Fischingen: Konzertkultur im Kloster

Kultur Kloster Fischingen hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Das neue Konzertprogramm beginnt am Sonntag – doch für den Star muss sich das Publikum bis Ende Oktober gedulden. Dann spielt Heinz Holliger Schumann, Beethoven und sich selber mit einem Trio.

Dieter Langhart
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Verantwortlich für Kultur Kloster Fischingen: Cornelia Scheiwiller im Wappen- und Trauzimmer. (Bild: Dieter Langhart)

Verantwortlich für Kultur Kloster Fischingen: Cornelia Scheiwiller im Wappen- und Trauzimmer. (Bild: Dieter Langhart)

FISCHINGEN. Heinz Holliger für 30 Franken und erst noch im Trio, das ist preiswerter als eine Popband in der Provinz. Der berühmte Oboist tritt am 30. Oktober im Kloster Fischingen auf und nicht wie sonst in Frankfurt oder Tokio. In der Klosterbibliothek spielen er, die Cellistin Anita Leuzinger und Anton Kesnjek am Piano Werke von Schumann, Holliger und Beethoven.

«Heinz Holliger zu uns einzuladen, war seit langem mein Traum», sagt Cornelia Scheiwiller, verantwortlich für das Kulturprogramm im Kloster Fischingen. Kann es sich den Star leisten? «Er hat uns ein sehr anständiges Honorar angeboten.»

Junge Talente fördern

«Kultur [16]» steht auf dem dezenten, von Cavelti in Gossau gestalteten Jahresprogramm, das nie einem Thema folgt, sondern nur dem Qualitätsanspruch der sechsköpfigen Kulturkommission. Es beginnt am kommenden Sonntag mit einem Klavierrezital des jungen Schaffhausers Martin P. Werner. Und jung sind manche der Musiker, denn Kultur Kloster Fischingen fördert bewusst aufstrebende Künstler. Andrew Pae etwa, einen amerikanischen Pianisten, der als Solist mit dem Thurgauer Kammerorchester (TKO) am Ostersonntag auftritt. Oder das Trio Rafale, das Ensemble des Migros-Kulturprozents. Ebenso den Campus-Kammerchor Kreuzlingen, der sich «von der Renaissance bis in die Gegenwart» singen wird (22.5.).

Cornelia Scheiwiller setzt neben dem TKO auf weitere Fixpunkte im Programm; so hat es das Collegium Musicum St. Gallen unter Mario Schwarz eingeladen für die festliche Sommerserenade im Innenhof (25.6.).

Liebeslieder zu Silvester

Und nie darf das Silvesterkonzert im Kulturjahr fehlen. «Die ersten Reservationen sind bereits eingetroffen», sagt Cornelia Scheiwiller. Liebeslieder locken. Und sie fügt an, dass das ABOplus-Angebot für Tagblatt-Abonnenten 2015 innert zweier Tage ausverkauft war.

Tradition sind ebenso die drei preiswerten Orgelkonzerte im August, die Pater Ambros seinerzeit ins Leben gerufen hat. Vor den Solorezitalen (Eun-Hye Lee und Ursina Caflisch) ist eine ungewohnte Besetzung zu hören: Orgel, Harfe und Klarinette. Rudolf Meyer, Katrin Bamert und Domenic Janett flechten auch Klezmer ein zwischen Dvorák, Bach und Händel (14.8.).

Kultur statt Museumsmief

Das Benediktinerkloster Fischingen, 1138 von Konstanz gegründet und 1848 aufgehoben, ist seit der Wiedereröffnung 1977 das einzige Kloster im Thurgau mit einer Mönchsgemeinschaft und unabhängig von Einsiedeln. Vor neun Jahren sagten sich die Benediktiner: Wir wollen das Kloster beleben, wir wollen kein Museum sein. Und sie begannen, Kultur in ihre Mauern zu holen, die erst das Silvesterkonzert kannten. Also nicht nur Bier zu brauen, eine Schreinerei zu betreiben, ein Seminarhotel und ein Restaurant.

Zwei Vereine und die Kirchgemeinde tragen das Kulturprogramm, unterstützt von einem Patronatskomitee. Die Gemeinde unterstützt das Kulturprogramm, mit dem Kanton besteht eine Leistungsvereinbarung.

www.klosterfischingen.ch