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FILMTAGE: Schafe siegen an Filmtagen

Solothurn 2018 war nicht nur ein Jahr im Schatten von «No Billag», sondern auch eines der Jubiläen und der Überraschungen. Und der Dokumentarfilm triumphierte beim Prix de Soleure und beim Prix du public.
Geri Krebs
Auf einem der grossen Schafmärkte werden auch Kampfhammel gehandelt. (Bild: PD)

Auf einem der grossen Schafmärkte werden auch Kampfhammel gehandelt. (Bild: PD)

Geri Krebs

Den Schweizer Film wird es in dieser Vielfalt nicht mehr geben, falls am 4. März die No-Billag-Initiative angenommen würde. Diese Kernbotschaft konnte man an diesen gestern zu Ende gegangenen 53. Solothurner Filmtagen so häufig hören, dass auch Befürchtungen laut wurden, all das könnte gar kontraproduktiv sein. An dieser Tatsache dürfte auch die vorgestrige Aktion mit den in die Aare geworfenen Filmrollen kaum etwas geändert haben. Jedenfalls kann, wer möchte, sowohl bei Festivalpreisen wie bei Nominationen zum Schweizer Filmpreis von Mittwochnacht Argumente dafür finden, dass Schweizer Filme am Markt vorbeizielten oder gar keine Schweizer Filme seien. Das gilt für den Gewinnerfilm des Prix de So­leure, mit 60 000 Franken höchstdotierter Preis, «Des moutons et des hommes» – ein Film, der in Algerien spielt. In ihrer Begründung hob die Jury (Pascal Kramer, Xavier Koller und Flavia Kleiner) «Neugier und Zärtlichkeit von Karim Sayads Blick» hervor sowie «seine Freude, einer Geschichte zu folgen, der es keinen Abbruch tut, dass der gehörnte Hauptdarsteller ein Loser ist». Im Titel erinnert der Film des an der Filmschule Genf ausgebildeten Karim Sayad an «Of Horses and Men». Doch anders als jener Film des Isländers Benedikt Erlingsson über das Verhältnis isländischer Männer zu ihren Pferden, der 2014 auch bei uns mit Erfolg in den Kinos gelaufen war, ist «Des moutons et des hommes» keine Fake Dokumentary. Nur beobachtend erzählt er von einem Algerier, der seinen Schafbock zu Wettkämpfen antreten lässt.

Publikumspreis geht an «Der Klang der Stimme»

Was die Nominationen für den Schweizer Filmpreis betrifft, fallen die rekordverdächtigen 7 Nominationen für «Blue My Mind» auf. Aber mit 2800 Kinoeintritten, die das Fantasy-Märchen über zwei Teenager, realisiert von der Zürcherin Lisa Brühlmann, im vergangenen November im Kino erzielte, war «Blue My Mind» ein Flop. Schon als 2016 «Köpek» der gebürtigen Türkin Esen Isik den Schweizer Filmpreis als bester Spielfilm holte, mäkelten Boulevardmedien. Nichts mit der Schweiz habe der in der Türkei spielende Film zu tun und sei mit 4600 Kinoeintritten ein Flop, und warum nicht der Grosserfolg «Heidi» diesen Preis erhalten habe. Seit 20 Jahren gibt es jetzt den Schweizer Filmpreis und zum zehnten Mal wurde die Nominierung in Solothurn durchgeführt.

Seit 2007 gibt es den Prix de public, und hier dürften sich die Gemüter wieder beruhigen – und auch hier gibt es so etwas wie einen Rekord, denn erstmals in der Geschichte ging der Preis an einen Regisseur, der diese Auszeichnung schon einmal erhielt: Bernard Weber. Der Genfer hatte 2012 mit «Die Wiesenberger», einem Dokumentarfilm über eine Innerschweizer Jodlertruppe, den Prix du public abgeholt und danach auch an den Kinokassen triumphiert. Auch in seinem neuen Film «Der Klang der Stimme» geht es um Gesang. Aber nicht nur. Er erzählt von Menschen, die in unterschiedlicher Weise Grenzen des Stimmorgans ausloten. Zwar geht es auch hier aus der Schweiz hinaus, aber im Zentrum stehen grösstenteils Schweizer Stimmkünstler: Die beiden Innerschweizerinnen Nadia Räss und Regula Mühlemann, Jodlerin die eine, Opernsängerin die andere, und ausserdem ist mit dem phänomenalen Stimmenexperimentator Andreas Schaerer ein weiterer Schweizer prominent mit von der Partie. So viel Swissness sollte doch genügen.

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