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FILMLEGENDE: Hommage an eine Unnahbare

Am 23. Januar wäre Jeanne Moreau 90 Jahre alt geworden. Das Kinok in St. Gallen widmet dem 2017 verstorbenen Star, der mit zahlreichen grossen Regisseuren des europäischen Autorenfilms drehte, eine Filmreihe.
Ihre grossen Zeiten waren die 1950er- und 1960er-Jahre: Schauspielerin Jeanne Moreau. (Bild: Reg Lancaster (London, 6. August 1962))

Ihre grossen Zeiten waren die 1950er- und 1960er-Jahre: Schauspielerin Jeanne Moreau. (Bild: Reg Lancaster (London, 6. August 1962))

Als Jeanne Moreau 1957 mit Louis Malles Début «Ascenseur pour l?échafaud» der Durchbruch gelang, war sie schon knapp 30, hatte seit 1948 in mehreren Filmen kleine Rollen gespielt und am Theater Erfolge gefeiert. Doch mit der Rolle der Florence wurde sie über Nacht zum Star. Zur Musik von Miles Davis irrt sie über die nächtliche Champs-Élysées, wartet auf ihren Liebhaber, den sie anstiftete, ihren Ehemann zu ermorden.

Nie galt Moreau als grosse Schönheit. Ihre Oberlippe wurde als zu kurz beschrieben, ihre Mundwinkel hingen herab, ihr Blick war meist ernst. Vielleicht waren es aber nicht zuletzt diese Makel, die ihr ermöglichten, ihren Charakteren eine unnahbare Aura, Rätselhaftigkeit und Vielschichtigkeit zu verleihen. Immer wieder spielte sie auch zwiespältige Charaktere. So verlässt sie in Louis Malles «Les amants» (1958) zum Entsetzen des Publikums für ihren Liebhaber sogar ihre kleine Tochter. In François Truffauts «Jules et Jim» (1961) – ihrem wohl berühmtesten Film – changiert sie zwischen zwei Männern.

Die französische Muse der Starregisseure

In Luis Buñuels «Le journal d?une femme de chambre» (1964) war sie das Dienstmädchen, das sich zwar unterwürfig gibt, aber durchaus die Chancen eines Aufstiegs in einer moralisch verfallenen bürgerlichen Welt zu nutzen weiss. Auch Buñuel selbst fühlte sich von ihrem Auftreten irritiert: «Wenn sie geht, zittert ihr Fuss leicht auf dem Absatz des Schuhs, ein Mangel an Stabilität, der beunruhigt.»

Gab sie sich sonst oft reserviert und undurchschaubar, so konnte sie sich in Louis Malles Westernkomödie «Viva Maria!» (1965) richtig austoben. Als Tingeltangel-Sängerin zog sie zusammen mit der von Brigitte Bardot gespielten Revolutionärin in einem Zirkuswagen durch ein fiktives mittelamerikanisches Land.

Beherrscht und kühl agiert sie dagegen in Michelangelo Antonionis «La notte» (1961) als Ehefrau, die sich von ihrem Mann entfremdet hat. Wie eine Reminiszenz an dieses Meisterwerk wirkt Theo Angelopoulos’ 30 Jahre später entstandener «Le pas suspendu de la cigogne», an dem sie nochmals an der Seite von Marcello Mastroianni spielte. Ihre grossen Zeiten waren zwar die 1950er- und 1960er-Jahre, doch auch Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders waren von ihr fasziniert und engagierten sie für «Querelle» (1982) und «Bis ans Ende der Welt» (1991). Glanz verlieh sie 2012 auch Ilmar Raags «Une Estonienne à Paris». Moreau brilliert darin als seit Jahrzehnten in Paris lebende Estin, um die sich eine ebenfalls estnische Pflegerin kümmern soll. Noch einmal gibt sich diese Grande Dame des französischen Kinos in diesem, ihrem letzten Leinwandauftritt unnahbar und schroff, bis sie sich der Pflegerin doch öffnet und sich die beiden Frauen näher kommen.

Walter Gasperi

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

www.kinok.ch

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