FILMFESTIVAL: Adrien Brody: Der etwas andere Hollywoodstar

In Locarno wurde Oscarpreisträger Adrien Brody mit dem Leopard Club Award ausgezeichnet. Der New Yorker Schauspieler erzählte am Samstag mit Bescheidenheit aus seiner beeindruckenden Karriere.

Andreas Stock, Locarno
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Adrien Brody erhielt 2003 für seine Rolle in "The Pianist" einen Oscar. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Adrien Brody erhielt 2003 für seine Rolle in "The Pianist" einen Oscar. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Es war der bisher bewegendste Moment auf der Piazza Grande, als Adrien Brody einen Goldenen Leoparden überreicht bekam. Sichtlich gerührt war der 42-jährige US-Schauspieler. Am Samstagmittag trifft man beim öffentlichen Publikumsgespräch auf einen sympathischen, reflektierten Künstler, der mit Witz und Bescheidenheit erzählt. Festivaldirektor Carlo Chatrian fragt Brody natürlich nach «The Pianist» – das Holocaustdrama von Roman Polanski, das ihm 2003 den Oscar einbrachte. «Diese Rolle war eine einmalige Gelegenheit und eine der grössten Herausforderungen», sagt Brody und schildert, wie fordernd die sechsmonatigen Dreharbeiten waren. «Ich war erst 27, als wir den Film drehten, und ich konnte die Tragik der Geschichte und dieser Figur erst durch die Dreharbeiten vollumfänglich erfassen.»

Rollen weit weg vom eigenen Charakter

Aus Brody ist dann trotz Oscar-Auszeichnung kein glamouröser Hollywoodstar geworden. Er spielte zwar in Hollywood-Actionfilmen wie «King Kong» oder «Predator» mit, aber er ist ein Charakterdarsteller geblieben, der sich seine Filme sehr bewusst aussucht. «Das ist die Schönheit des Berufs», sagt er, «eine grosse Vielfalt an unterschiedlichsten Schuhen anziehen zu können. Ich habe oft Rollen gesucht, die weit weg vom eigenen Charakter sind.» So habe er nach «The Pianist» bewusst die Rolle in «The Village» angenommen, einen geistig handicapierten Mann zu spielen. «Mir wurden nach ‹The Pianist› vor allem tragische und dramatische Rollen angeboten.» Darum sei er auch Regisseur Wes Anderson dankbar, der ihm mit «Darjeeling Limited» eine komische Rolle in einer Komödie angeboten hatte. Bisher dreimal hat er mit Anderson gedreht. Zuletzt in «The Grand Budapest Hotel».

Die letzten drei Jahre hatte sich der Schauspieler rar gemacht vor der Kamera: «Ich habe mir die Freiheit gegönnt, mich auf die Malerei zu konzentrieren», erzählt er. Kürzlich hatte er seine erste Ausstellung. Weil seine Mutter eine bekannte Fotografin ist, sei er von klein auf um Bilder herum gewesen. Er habe als Kind gemalt und wollte eigentlich Kunst studieren – «zum Glück» habe das nicht geklappt, und er sei beim Schauspiel gelandet.

«Es ist nichts Falsches, ein Teil davon zu sein»

Als 12-Jähriger hatte Brody seine erste Kinorolle. «Mein Vater begleitete mich zum Vorsprechen und sagte mir: Spiel die Rolle so, als sei sie bereits deine. Das ist der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe: Sich eine Rolle von Anfang an zu eigen zu machen.» Brody hat eine ruhige, warme Stimme und ein schmales Gesicht, geprägt von einer langen, schmalen Nase. Ein Gesicht, das auch in der Modewelt ankommt. Er agierte als Model und trat bei Modeschauen auf. Auf die Frage, wie er die Oberflächlichkeit der Modebranche sehe, wird seine Stimme bestimmter: «Natürlich gibt es diese Oberflächlichkeit, wie im Film und anderen Bereichen auch. Es gibt aber ebenso die künstlerische Seite. Und mir gefällt diese kreative, künstlerische Freiheit in der Mode. Es ist nichts Falsches, gelegentlich ein Teil davon zu sein.»

Adrien Brody, der mit seinen Eltern nach Locarno gekommen ist, hat viele Interessen. Er sei voller Ideen, sagt er: «Wenn ich wieder zu Hause bin, wartet viel Arbeit auf mich, und es gibt noch sehr viel mehr, das ich tun möchte.» Regie zu führen gehört dazu, sagt er: «Es muss eine Geschichte sein, die bedeutungsvoll und interessant genug ist, um danach damit leben zu können.»