Solothurner Filmtage
Zwei Dok-Filme sind die Sieger – Fanny Bräuning freut sich über zweite Auszeichnung

Die 54. Solothurner Filmtage gingen am Donnerstagabend mit der Verleihung des «Prix de Soleure» und des «Prix du Public» zu Ende. Ausgezeichnet wurden die Dokumentarfilme «Immer und ewig» von Fanny Bräuning und «Gateways to New York» von Martin Witz.

Fränzi Zwahlen-Saner
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«Soirée de clôture» an den 54. Solothurner Filmtagen Preisträgerin Fanny Bräuning (dritte von rechts) mit ihrem Team, der Jury und Seraina Rohrer (rechts)
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Fanny Bräuning darf auf der Bühne den «Prix de Soleure» entgegen nehmen – es ist schon ihr zweiter.
Martin Witz gewinnt den «Prix du Public».
Monika Schärer und Seraina Rohrer im Gespräch. Rohrer blickt zufrieden auf eine erfolgreiche Werkschau zurück
Stadtpräsident Kurt Fluri bei seiner Rede.
Die Visuals der 55.Solothurner Filmtage wurden vorgestellt

«Soirée de clôture» an den 54. Solothurner Filmtagen Preisträgerin Fanny Bräuning (dritte von rechts) mit ihrem Team, der Jury und Seraina Rohrer (rechts)

Hansjörg Sahli

Die Basler Filmemacherin Fanny Bräuning konnte am Donnerstag im vollbesetzten Landhaussaal den elften «Prix de Soleure» für ihren Dok-Film «Immer und ewig» entgegennehmen. Sichtlich gerührt war sie – aus zweierlei Gründen. Zum einen handelt dieser Film von ihren eigenen Eltern; zum andern konnte sie den Preis bereits zum zweiten Mal in Empfang nehmen. Im Film «Immer und ewig» begleitet die Regisseurin ihre Eltern auf eine Reise kreuz und quer durch Südeuropa. Am Steuer des Campers sitzt ihr Vater Niggi, leidenschaftlicher Fotograf und Tüftler, neben ihm ihre Mutter Annette, seine gelähmte Frau.

Die Jurymitglieder Esen Isik, Noémie Schmidt und Nicola Forster zeigten sich beeindruckt von diesem sehr intensiven, persönlichen Film. «Das Paar nimmt uns auf eine grosse Reise mit. Und urplötzlich merken wir, dass sich der Film direkt und unbequem an uns richtet. Als Zuschauer sind wir aufgefordert, die Fragen der Filmemacherin auch selber zu beantworten. Wir fragen uns, ob die allumfassende Liebe der beiden als Modell für uns selber taugen würde. Wir dürfen dabei durchaus zu unterschiedlichen Antworten kommen. Der Film lässt uns alle Möglichkeiten, und das ist gut so», heisst es in der Laudatio.

Fanny Bräuning gewann im Jahre 2009 mit ihrem Erstling «No more smoke signals» schon einmal den «Prix de Soleure». Es war damals das erste Mal, dass dieser Preis vergeben wurde.

Die bisherigen «Prix de Soleure»-Gewinner 2009: Dokumentarfilm «No more smoke signals» von Fanny Bräuning
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Die Filmemacherin Fanny Bräuning durfte als erste einen «Prix de Soleure» in Empfang nehmen
2010: Dokumentarfilm «Nel giardino dei suoni» von Nicola Bellucci
Regisseur Nicola Bellucci (rechts), hier zusammen mit Filmtagedirektor Ivo Kummer, Produzent Frank Matter und der Schwester des Protagonisten Wolfgang Frasser, Christine.
2011: Dokumentarfilm «Cleveland vs. Wallstreet» von Jean-Stéphane Bron
2012: Dokumentarfilm «Vol spécial» von Fernand Melgar
2013: Dokumentarfilm «Der Imker» von Mano Khalil, doc
2014: Dokumentarfilm «L'escale» von Kaveh Bakthiari
2015: Dokumentarfilm «Spartiates» von Nicolas Wadimoff
2016: Dokumentarfilm «Das Leben drehen – Wie mein Vater versuchte, das Glück festzuhalten» von Eva Vitija
Eva Vitija an den Filmtagen
2017: Spielfilm «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe
Die glücklichen Preisträger des Prix de Soleure 2017 mit dem Moderator des Abends (v.l.) Hanspeter Müller-Drossaart, Lukas Hobi, Petra Volpe, Rachel Braunscheig, Jury-Mitglied Cornelio Sommaruga, Sabine Gisiger und Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer.
2018: Dokumentarfilm «Des moutons et des hommes» von Karim Sayad
Karim Sayad umringt von der «Prix de Soleure»-Jury und Produzentin Joëlle Bartossa (r.)
2019: Dokumentarfilm «Immer und ewig» von Fanny Bräuning

Die bisherigen «Prix de Soleure»-Gewinner 2009: Dokumentarfilm «No more smoke signals» von Fanny Bräuning

WOZLVE

«Immer und ewig» startete am Donnerstag in den Schweizer Kinos. Ihren Eltern habe sie die Nachricht kurz vor der Verleihung mitgeteilt, und sie seien zunächst mal sprachlos, sagte die Regisseurin bei der Verleihung.

Die mit 60'000 Franken dotierte Auszeichnung wird getragen vom Fonds «Prix de Soleure», sowie vom Kanton und von der Stadt Solothurn. Die Preissumme geht je zur Hälfte an Regie und Produktion (Hugofilm Productions GmbH).
Riesenfreude an Publikumspreis

Martin Witz erhielt für «Gateways to New York» den mit 20'000 Franken dotierten «Prix de Public». Im Film wird die Geschichte des grossen Schweizer Ingenieurs Othmar H. Ammann erzählt, der 1904 nach New York auszog und die Regeln der Brückenbaukunst neu definierte.

Der Publikumspreis wurde von der Festival-Hauptsponsorin Swiss Life in Zusammenarbeit mit den Solothurner Filmtagen zum 13. Mal verliehen. «Es ist eine Riesenfreude für mich, diesen Preis zu erhalten», gestand Regisseur Martin Witz. «Das Filmemachen kann nämlich auch ein ganz einsames Geschäft sein. Zweifel kommen: Wer interessiert sich schon für Brücken? Doch jetzt werde ich beschwingt weiterarbeiten.»

Szenenbilder aus dem Film «Gateways to New York»
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Der Schweizer Ingenieur Othmar H.Ammann verliess die Schweiz 1904 in Richtung USA
Dort definierte er die Regeln des Brückenbaus neu
Seine Werke verbinden Manhattan und das Festland
Die Männer, welche auf den Brücken arbeiteten, wurden Skywalker genannt. Viele davon waren Native Americans aus dem Stamm der Mohawks.
Paul Deer war einer dieser Mohawk Skywalker, die einen gefährlichen Job hatten «Ich konnte sagen, ich arbeite auf einer der weltgrössten Brücken.»
Die Verrazzano-Narrows Brücke über der Hafeneinfahrt von New York baute Othmar Ammann im Alter von 85 Jahren.
Die Verrazzano-Narrows Brücke war sein Meisterwerk.
Edward Cohen, CEO Ammann & Whitney «Ich war sehr stolz, für Othmar H.Ammann zu arbeiten.»

Szenenbilder aus dem Film «Gateways to New York»

ho

Die Preissumme geht zur Hälfte an Regie und Produktion (venturafilm). «Gateways to New York» startet am 4. April 2019 in den Kinos der deutschsprachigen Schweiz.

Die 55. Ausgabe findet vom 22. bis 29. Januar 2020 statt.