Film
Zürich! Geld! Familiendrama! Ein Tag beim Dreh des SRF-Zweiteilers "Private Banking"

Bettina Oberli verfilmt das Schicksal einer Schweizer Privatbank. Wir haben die Dreharbeiten einen Tag lang begleitet.

Simone Meier
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Regisseurin Bettina Oberli mit den Schauspielern Peter Mygind und Marc Benjamin am Set von «Private Banking».

Regisseurin Bettina Oberli mit den Schauspielern Peter Mygind und Marc Benjamin am Set von «Private Banking».

SRF/Sava Hlavacek

Der Däne ist reich. Eine Geldschleuder der dänischen Wirtschaft. Und überdies sehr attraktiv. Der Däne wird gerade in Zürich gestalkt. Denn die Zürcher Privatbank Weyer will an sein monumentales Vermögen. Das ist die kleine Geschichte, die an diesem Tag zu Film gemacht werden muss.

Wir befinden uns nämlich am drittletzten Drehtag von «Private Banking», dem grossen Schweizer TV-Zweiteiler, der im Winter auf SRF ausgestrahlt werden wird. Letztes Jahr wars «Gotthard», heuer «Private Banking». Nichts Historisches also. Zürich heute. Im Jahr vor der Aufhebung des Bankgeheimnisses. Ein dynastisches Drama rund um eine fiktive Privatbank namens Weyer, die vom Patriarchen an die schöne, kühle Tochter geht.

Bettina Oberli führt Regie. Ja, die Bettina Oberli mit den idyllischen Emmentaler «Herbstzeitlosen», einem der grössten Hits der Schweizer Filmgeschichte. Und mit dem bösen, düsteren Heimatthriller «Tannöd». Als Nächstes dreht sie im Jura eine Liebesgeschichte im Schatten eines Windrades.

Ein toughes, reiches Zürich

Doch jetzt, in «Private Banking», will sie die Stadt, will toughes, reiches Zürich mit bissigen jungen Bankerinnen und Bankern. Und ein komplexes, abgründiges Familiendrama, das sich auf der Folie delikater Gesellschaftsstrukturen entwickelt. Erfindet Bettina Oberli hier eben mal das Genre des Schweizer Bankenfilms? Wieso gibts das eigentlich nicht schon lang? Okay, in der Romandie wird gerade eine ganze Banker-Serie gedreht. Das Thema liege, sagt Oberli, logischerweise bereits seit längerer Zeit in der Luft.

Endlich spielt mal wieder was in Zürich. Nicht in Luzern wie der «Tatort» oder in Aarau wie der «Bestatter». Und das Zürich von heute spielt selbst eine wichtige Rolle. Gefühlte 150 Jahre nach den Filmen «Strähl» (2004), «Snow White» (2005), «Mary & Johnny» (2011) oder der Schoggisoap «Lüthi & Blanc».

«Das Publikum mag lieber Filme, die nicht in Zürich spielen», sagt Oberli, «aber wir sagten: ‹Hey, es geht um Banken, wir brauchen Zürich, wir können das nicht nach Lützelflüh verlegen!› Und alles war klar.»

Das Zürich für die Szenen mit dem Dänen ist wie der Däne selbst reich, mondän und irgendwie betörend Old School. Paradeplatz, Bahnhofstrasse, Kronenhallenbar, das Café Metropol mit seiner Arkade, die an den Markusplatz in Venedig erinnert. Nicht das Zürich der durchgentrifizierten Hipster-Grümscheliquartiere.

«Es geht um Geld», sagt Oberli, «da müssen wir auch Geld zeigen. Die Bahnhofstrasse ist ja ungefähr die teuerste Strasse der Welt. Läge sie in Russland, so wäre sie wahrscheinlich aus Gold. Wir Schweizer zeigen diesen Reichtum aber lieber nicht. Deshalb war es eine Herausforderung, Orte zu finden, an denen klar wird, wie unfassbar reich dieses Land ist.»
Die Passanten ums «Metropol» sind begeistert, eine alte Frau fragt: «Was passiert denn da?» «Kennen Sie ‹Die Herbstzeitlosen›?», würde ich gerne fragen, und sie würde mit einem Leuchten im Gesicht antworten: «Aber ja! Das ist einer meiner Lieblingsfilme! Den schau ich mir jedes Jahr mindestens viermal an!» Doch da ist sie bereits verschwunden.

Nachhilfe von den Dänen

Neben dem Dänen, der Peter Mygind heisst und den wir aus der dänischen Politserie «Borgen» um die fiktive Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg kennen, sitzt der 31-jährige Basler Schauspieler Marc Benjamin. Er spielt einen, der Kunden für die Weyers akquiriert. Den Dänenstalker also. Und er hat Angst. Denn vor ihm liegt eine Liebesszene. «Ah! Du wirst geknallt!», ruft Mygind begeistert. Er ist so was wie die Idealversion von Hugh Grant, der Hugh Grant leider einfach nicht entsprechen will. Mygind ist sehr gesprächig. Und ein fetter Flirter. Ach, diese Dänen. Wo leben die genau? In einem Auenland, wo alle immer ans Knallen denken und Bier und Honig fliessen?

Mygind, der als Sohn eines steinreichen dänischen Plastikfabrikanten das Rich-Kid-Internat in Zuoz besuchte, ist nur die eine dänische Facette von «Private Banking». Die andere ist der Wahldäne David Sandreuter. Der Deutsch-Engländer mit Schweizer Wurzeln lebt seit vielen Jahren in Kopenhagen, ist Teil des dänischen Serienwunders und ergänzt neben Bettina Oberli und Thomas Ritter das Drehbuchautorentrio hinter «Private Banking». Die helvetisch-dänische TV-Brücke existiert aber schon länger, die Romands lassen sich für ihre Serien schon seit gut 20 Jahren von den Dänen beraten.

Zwei Monate dauert der Dreh für die insgesamt 180 Minuten von «Private Banking», übers Budget gesprochen wird nicht, erfahrungsgemäss dürfte es ungefähr in der Nähe eines doppelten Fernsehfilms liegen, also bei gut drei Millionen Franken, kein Vergleich mit den zwölf Millionen für «Gotthard», aber es wird hier ja auch kein Tunnel gegraben, sondern einzig Geld gescheffelt. Und dies tendenziell von Bünzlis.

«Eine Schweizer Privatbank», sagt Bettina Oberli, «ist nicht ‹Wolf of Wall Street›, das sind nicht die coolen New Yorker, das sind ganz biedere, spiessige, staubige Verwalter, einfach ganz bünzlige Erscheinungen, überhaupt nicht spektakulär. Und gerade weil das alles so unspektakulär ist, funktioniert es eben wahrscheinlich auch, dass so viel Geld von so vielen ausländischen Vermögen in die Schweiz kommt.»

«Was war da eigentlich früher? Vor den ganzen Banken?», fragt Marc Benjamin. Ein Schweinemarkt. 1838 eröffnete das Hotel Baur en Ville, und der Platz wurde zum Postkutschenzentrum. 1859 kam die Confiserie Sprüngli hinzu. 1873 die erste Bank.
Von Schweinen zu Bankern also. Eine einleuchtende Pointe.

Private Banking wird im Winter 2017/18 im Schweizer Fernsehen gezeigt.