Drama
Von der Kunst, aufeinander zu hören

Für Beethoven- und Streichquartettfans ist Yaron Zilbermans «A Late Quartet» ein Muss. Ein feinfühliges, mit Christopher Walken und Philip Seymour Hoffman erlesen besetztes Kammerspiel.

Elisabeth Feller
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Schicksalshafte Probe von «The Fugue» mit Mark Ivanir, Philip Seymour Hoffman, Christopher Walken und Catherine Keener (von links).HO

Schicksalshafte Probe von «The Fugue» mit Mark Ivanir, Philip Seymour Hoffman, Christopher Walken und Catherine Keener (von links).HO

Das Quartett «The Fugue» will sein 25-Jahr-Jubiläum mit Beethovens Streichquartett in cis-Moll, op. 131, feiern – ein Mount Everest der Kammermusik. Die vier Musiker kennen das Werk bis in seine feinsten Verästelungen. Bei einer Probe werden die beiden Geiger und die Bratschistin jedoch stutzig: Was ist los mit dem Cellisten? Seine Finger gehorchen ihm nicht mehr. Die Diagnose ist niederschmetternd: Parkinson. Wie geht es mit «The Fugue» weiter? Dieser Frage spürt Yaron Zilberman in seinem Film «A Late Quartet» (deutscher Titel: «Saiten des Lebens») nach.

Weil Kammermusik intim ist, situiert der Regisseur den überwiegenden Teil der Szenen in Innenräumen. Dort streiten und versöhnen sich vier empfindsame Künstler – und lassen den Zuschauer dabei nie im Zweifel, dass es beim Quartettspiel um eine extrem verfeinerte Kunst des Aufeinanderhörens geht. Ist Theorie gefragt, flicht Zilberman eine Unterrichtsstunde des Cellisten ein, der Pablo Casals und Arnold Steinhardt – Primarius des einstigen Guarneri Quartets – zitiert. Damit will der Regisseur aber niemals sagen: Seht mal her, ich weiss unendlich viel über Beethovens op. 131. Alles, was Zilberman ins Feld führt, dient dazu, op. 131 als Auslöser für eine menschliche Beinahe-Katastrophe zu positionieren.

Der zweite Geiger, den es nach der ersten Position gelüstet; seine Frau, die Quartettbratschistin, die er betrügt oder die Affaire seiner Tochter, mit dem Primgeiger – alle diese Geschichten bedienen (auch) Klischees. Doch man sieht über sie hinweg, denn entscheidend ist, was Zilberman glückt: Ein feinfühliges, mit Christopher Walken und Philip Seymour Hoffman erlesen besetztes Kammerspiel über hochkomplexe Musik, die ihre Entsprechung in fragilen, allzeit gefährdeten, menschlichen Beziehungen findet.

A Late Quartet USA 2012, 105 Min. Regie: Yaron Zilberman.

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