Basel
Videocity: Ein Schaufenster für die Videokunst

Zum dritten Mal stellen Künstler und Künstlerinnen in Basler Schaufenstern und elektronischen Anzeigen ihre Werke aus. Videocity zeigt, worin die Schnittstelle von Kunst und Werbung besteht und wie es zur Synergie kommen kann.

Elena Manuel
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Videostill aus «la partie de dames» von Valentine Franc.

Videostill aus «la partie de dames» von Valentine Franc.

ZVG/Videocity

Werbung ist zweckorientiert, wird massenhaft produziert und expandiert, ist inhaltlich banal und somit keine Kunst. Das ist die eine Ansicht. Die andere behauptet das Gegenteil: Werbung ist Teil eines kreativen Prozesses, besitzt ästhetische Qualität und ist in vielen Fällen von Kunst nicht zu unterscheiden.

Worin die Schnittstelle von Kunst und Werbung besteht und wie es zur Synergie kommen kann, zeigt die diesjährige Ausgabe von Videocity Basel. In den Schaufenstern von sechzehn Geschäften und kulturellen Institutionen werden vom 20. Mai bis zum 21. Juni Videos von siebenundzwanzig Künstlern und Künstlerinnen gezeigt. Dabei vermischen sich Kunst und Werbung geschickt, oder heben sich deutlich voneinander ab.

Der Parcours führt an sechzehn Standorten vorbei. Vom St. Jakob, über die Aeschenvorstadt, zum Teufelhof, dem Unternehmen Mitte, einem Schaufenster im Globus, bis hin zum Messeplatz.

Was hat das hier zu suchen?

So kann man beispielsweise, wenn die Ampel an der Kreuzung vor dem Fussballstadion rot leuchtet, auf dem Werbeturm «learn to wait long and to move fast» lesen. Das Zitat «lerne, lange zu warten und Dich schnell zu bewegen» stammt vom legendären, amerikanischen Beat-Autoren William S. Burroughs und erscheint völlig unerwartet zwischen Werbe-Anzeigen für Autos, Konzerte und Sport-Veranstaltungen. Was hat es dort zu suchen? Der Thuner Künstler Dominik Stauch versucht mit dieser Arbeit, explizit auf die Verbindung zwischen Kunstträger, Inhalt und Betrachter zu verweisen.

Stauchs Standbilder sind passende Beispiele für das Kernkonzept von Videocity. Beim Stadtrundgang geht es in erster Linie um die Zugänglichkeit von Kunst und deren Öffnung für ein breites und kunstfremdes Publikum. Es geht um die Frage, wie Werbeflächen genutzt werden können und wie sie für Aufmerksamkeit sorgen. Und natürlich geht es letztlich auch um eine visuelle Anregung, eine ästhetische Aufwertung des Stadtbildes und um eine Einladung zum Stehenbleiben.

Globus wird zum Schwimmbad

Die Kuratorin Andrea Domesle hat dieses Jahr Berner und Genfer Videokünstler in den Brennpunkt gesetzt. Ein wichtiger Bestandteil der aktuellen Ausstellung sind Videowerke der Berner Sammlung Carola und Günther Ketterer-Ertle, aus der unter anderem die Arbeiten von Dominik Stauch, Pipilotti Rist und Diana Dodson stammen. Letztere stellt im Schaufenster des Gourmet-Warenhändler Globus aus. Dort sieht man 11 Kleiderpuppen, eng gruppiert zur Wand gerichtet, allesamt mit Jeanshosen, Sommerröcken oder Schals in Blautönen versehen. Davor hängt ein Bildschirm, der eine Slow-Motion-Aufnahme von Synchronschwimmerinnen abspielt. Das Bild steht auf dem Kopf und ist ebenfalls blau gefärbt. Die wunderschöne Unterwasseraufnahme könnte als Anspielung auf die Bademode gesehen werden. Denn wo jetzt Bikinis und Badehosen ausgestellt sein könnten, bewegen sich grazile Schwimmerinnen durchs Bild.

Panzerknacker in der Mitte

Der zweite grosse Bestandteil des Videorundgangs besteht aus Arbeiten von Studenten und Absolventen der Genfer Hochschule für Kunst und Design. Im Kaffee- und Kulturhaus Mitte zeigen die Studenten Arbeiten, die einen speziellen Bezug zum Ort nehmen. Die Studentin Manon Lecrinier hat zum Beispiel das Augenmerk auf die ehemalige Volksbank gelegt und lässt einen Panzerknacker sprechen. Die Studentin Valentine Franc liess sich von der marmornen Treppe und der holzgetäfelten Räumlichkeiten zur Erzählung einer dramatischen Dreiecksbeziehung inspirieren. So eindeutig wie in diesen beiden Fällen ist die Verbindung zwischen Video und Standort nicht immer zu sehen. Manche Bezüge lassen sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschliessen - sehen Sie selbst.

Weitere Informationen finden Sie unter www.videocitybs.ch.

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