Kino
Versuchskaninchen im Sägemehl - Beat Schlatter gibt den Schwinger

Jetzt aber hopp: Von Trubschachen gehts nach Tokio, aus dem Übungskeller rauf aufs Hochhausdach und vom Brünigschwinget ans Eidgenössische in Frauenfeld. Turbulent geht es zu und her im Dokumentarfilm «Hosenlupf» mit Beat Schlatter.

Hans Jürg Zinsli
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Beat Schlatter kämpft in «Hoselupf» im Sägemehl um seine 3. Säule. Ascot Elite

Beat Schlatter kämpft in «Hoselupf» im Sägemehl um seine 3. Säule. Ascot Elite

Im Dokumentarfilm «Hoselupf – Oder wie man ein Böser wird» ist man, kaum angekommen, immer schon woanders. Dazu dröhnen die Gitarren, es spannen die Muskeln, es knacken die Sehnen – willkommen in einer künstlich aufgepeppten Welt des Schwingens.

Ein Regisseur geistert herum

Moment mal, ein Dokumentarfilm? Ja, wenn sich Komiker Beat Schlatter mit ländlichen Gepflogenheiten befasst, gehört städtische Rastlosigkeit mit zum Proviant, denn Schlatters Stammregisseur This Lüscher («Ferienfieber», «Alp-Traum») drängts weg vom Spielfilm, hin zur modernen Pop-Dokumentation, weg von betulicher Ordnung, ab ins Sägemehl. Kurz: Dahin, wo «der Burner» ist. So drückt es der im eigenen Film mal optisch, mal akustisch herumgeisternde Regisseur aus. Na, das kann ja heiter werden.

Trotzdem ist Methode im Film, wenigstens ein bisschen: Schlatter, der gedrungene Hansdampf in allen Phrasen, schlüpft in «Hoselupf» in die Rolle des rasenden Reporters, des Nachhilfelehrers und des Versuchskaninchens. Er erklärt das Schwinger-Abc anhand einer Übungspuppe, lädt zu historischen Exkursen von durchaus erschütternder Tragweite, besucht Exoten ennet dem Röstigraben (Nationalsport? Von wegen!) und lässt auch über schwingende Frauen sowie den fast schon sakrosankten Amateurzwang dieser Disziplin referieren.

Vor allem aber wettet der ebenso grossspurige wie engagierte Stadtzürcher, dass er den 16-jährigen Emmentaler Nachwuchsschwinger Martin Aeschlimann aufs Kreuz lege. Doch oha lätz! Aeschlimann nimmt die Wette an, Schlatter muss in den Übungskeller und verletzt sich prompt im ersten Training. Darauf holt sich der Neo-Schwinger Fitnesstipps von Ex-Skirennfahrerin Zoë Haas, besucht mit dem Seeländer Kraftpaket Christian Stucki japanische Sumoringer und lockt vor Eidgenössischen Schwingfesten wie ein Rattenfänger weitere Sport- und Politprominenz vor die Kamera. Mit Bundesrat Ueli Maurer wettet Schlatter gar um seine 3. Säule.

Subtilität ist Schlatter fremd

Phu, was für ein Vollprogramm! «Hoselupf» hat denn auch mit einem klassischen Dokumentarfilm etwa so viel zu tun wie ein ausgewachsener Muni mit einem Ziervogel. Subtilität ist Schlatters Sache nicht. Und Lüscher hechelt lieber den «Burnern» hinterher, als echte Geschichten aufzuspüren. So erscheinen die «Bösen», wie die Spitzenschwinger genannt werden, mal exotisch, mal unterhaltsam, mal banal. Dass ausgerechnet deren angebliche Natürlichkeit mit künstlichen Bild- und Toneffekten zugekleistert wird, passt dazu wie die Faust aufs Auge.

Hoselupf (CH 2010) 93 Min. Regie: This Lüscher. Mit: Beat Schlatter. Ab 17. März im Kino.