TV-Krimi
«Tatort» fällt durch: «Spannung und Humor sucht man vergeblich»

Die neuste Folge des Schweizer Tatorts bekommt in Deutschland wiederum schlechte Kritik. Noch schlimmer: So tief wie gestern Sonntagabend waren die Einschaltquoten beim Tatort dieses Jahr noch nie.

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Zwei tote Zünfter, Kommissar Reto Flückiger als Fasnachtshasser und Kommissarin Liz Ritschard, die sich in eine Frau verliebt: Mit diesen Elementen versucht die neuste «Tatort»-Folge aus Luzern zu punkten. Es sind stimmige und schöne Fasnachtsbilder zu sehen, viel Chaos und Durcheinander auf dem Kommissariat. Und am Schluss taucht ein Mörder auf, den eigentlich alle für tot hielten.

Im Vorfeld weibelte Regisseuer Dani Levy in fast allen Blättern für den Streifen. Die bisherigen Kritikpunkte (schlechte Synchronisation, schleppende Handlung) sah der in Berlin lebende Basler ausgemerzt. Das deutsche Publikum und die deutsche Presse sehen es anders. Sie lassen kaum ein gutes Haar an der «Tatort»-Folge.

Zuschauertief

Und auch die Zahlen sind nicht gut: Der Fasnachts-«Tatort» war der bis dato am wenigsten gesehene im Jahr 2013. 7,78 Millionen Deutsche wollten «Schmutziger Donnerstag» sehen. Bisher lag die niedrigste «Tatort»-Reichweite 2013 bei 8,01 Millionen. Eine tiefere Quote gab es zuletzt im September 2012.

Fazit: Selbst die Aufregung über eine Lesben-Szene, die das Boulevard-Blatt «Bild» im Vorfeld seitenweise inszenierte, half nichts.

Mieses Drehbuch

Der Levy«Tatort» weist in den Augen der Kritiker zu viele Mängel auf. «Bei der Ästhetik hat sich der Regisseur an den US-Krimis der 60er- und 70er-Jahre orientiert. Leider bleibt er in diesem Tatort unter seinen Möglichkeiten, viele Verästelungen der Geschichte führen am Ende ins Nichts und ergeben auch keinen handlungstreibenden Sinn. Das ist vor allem eine Schwäche des Drehbuchs (Petra Lüschow), die Levy nicht auffangen kann», schreibt «Die Welt». Das Blatt kritisiert auch die Synchronisation, die einmal mehr nicht genügt und den Film schwerfällig macht. «Offenbar ist es leichter, aus dem Amerikanischen ins Deutsche zu synchronisieren als aus dem Schwyzerdütschen.»

«Spannung such man vergeblich»

Ins gleiche Horn stösst die Online-Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Auch DJ Bobo kann nichts mehr retten. Trotz alemannischer Fasnacht und viel Alkohol bleibt der Schweizer ‹Tatort› kreuzbrav. Spannung und Humor sucht man unter der Verkleidung vergeblich.»

Als viel zu schwere Kost für einen Sonntagabend qualifiziert «stern.de» den Streifen. Er sei erst beim zweiten oder dritten Mal schauen geniessbar. Das Magazin kritisiert vor allem Regisseur Dani Levy: «Levy hat statt auf Verständlichkeit und Logik eher auf Authentizität und Lebendigkeit gesetzt.»

Etwas gnädiger ist von den grossen deutschen Blättern einzig «Spiegel Online». «Der Plot schwächelt zwar, aber als flotter Ritt durch die Luzerner Fasnacht ist dieser ‹Tatort› recht kurzweilig.»

Flückiger und Ritschard nehmen Zünfter Moser in die Zange. Der Anwalt schweigt aber.
4 Bilder
Die Kommissare Flückiger (Stefan Gubser, 2.v.r.) und Ritschard (Delia Mayer, r.) mit drei jugendlichen Zeugen im Krimi «Schmutziger Donnerstag», der "Tatort"-Premiere von Regisseur Dani Levy
Zwei Zünfter im Streit.
Szene aus dem Fasnachts-«Tatort».

Flückiger und Ritschard nehmen Zünfter Moser in die Zange. Der Anwalt schweigt aber.

zvg/SRF