Kino
Schauspieler Jeff Bridges: «Die Coens sind Genies»

Die 61. Berlinale eröffnete gestern mit dem Western «True Grit» von Ethan und Joel Coen. Die Neuverfilmung ist in den USA bereits ein grosser Erfolg und noiminiert für Oscars.

Annette Scharnberg, Berlin
Drucken
Teilen

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Mit «True Grit» stellt Hollywood einmal mehr unter Beweis, wie gern es sich selbst wiederholt: Für die erste Verfilmung des Romans von Charles Portis erhielt John Wayne (1907–1979) 1970 den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Nun schlüpft Jeff Bridges in Waynes Cowboystiefel und wurde für die Rolle des abgehalfterten Marshal Rooster Cogburn selbstredend ebenfalls nominiert.

Die Neuverfilmung von «True Grit» unter der Regie der Brüder Ethan und Joel Coen («Fargo»/ «No Country For Old Men») ist in den USA bereits ein Erfolg und neben der Kategorie «Bester Hauptdarsteller» für neun weitere Oscars nominiert.

Erstverfilmung war nebensächlich

Die Internationalen Festspiele Berlin eröffneten ihre 61. Ausgabe gestern also mit einem Schwergewicht, zumindest, was den Erfolg angeht. In der Inszenierung jedoch kommt «True Grit» äusserst leichtfüssig daher. Die Coen-Brüder hielten sich weitgehend an die literarische Vorlage. Und doch ist «True Grit» ein unverkennbarer Coen-Film – schwarzhumorig, lakonisch, klug –, der sich Abwandlungen nicht nur zugunsten von Zeitökonomie und filmischen Gesetzmässigkeiten erlaubt.

Es bleibt aber unverkennbar, was die Brüder in der gestrigen Pressekonferenz bestätigen: Einzig die Freude an der Geschichte brachte die zwei auf die Idee, das Buch zu verfilmen. Und so hielt man sich weitaus dichter an der Vorlage als die Erstverfilmung. Diese spielte, laut Ethan Coen, keine Rolle für ihre Arbeit.

Auch Jeff Bridges, der bei seinem Berliner Besuch im Vergleich zu seiner Figur auf der Leinwand auffällig gepflegt und ausgeschlafen wirkte, bestätigte gegenüber den Journalisten, dass er sich für die Erarbeitung der Figur des Cogburn nicht von John Wayne hat inspirieren lassen.

Dass Wayne aber nicht wegzudenken ist, wurde an den Fragen der Journalisten jedoch überdeutlich. Die 14-jährige Hailee Steinfeld, die Mattie Ross in «True Grit» spielt und dafür ebenfalls für einen Oscar nominiert ist, gestand, dass ihr Wayne zuvor gar kein Begriff war. Aber auch der Coen-Film, sagte Steinfeld, ist nicht «wirklich für meine Altersgruppe gemacht».

Ritt in die Moderne

Die Geschichte: Es geht um ein seltsames Trio, das sich im Jahre 1870 in Arkansas aufmacht, einem Verbrecher das Handwerk zu legen. Die Geschehnisse werden aus der Perspektive der 14-jährigen Mattie Ross berichtet, die den Mörder ihres Vaters rächen will. Sie heuert Marshal Rooster Cogburn an, um mit ihm den Feigling Tom Chaney (Josh Brolin) zu schnappen.

Der Wilde Westen hat seine glanzvollen Zeiten hinter sich. Rooster als saufender Einzelgänger, der für jede dollarzahlende Seite kämpft; LaBoeuf als eitler Draufgänger aus dem noch jungen Bundesstaat Texas und die halbwüchsige Mattie, die sich mithilfe ihres Verstandes und Mundwerks in der Männerwelt durchzuschlagen weiss, sind alles andere als klassische Westernhelden, symbolisieren vielmehr eine Zeit des Umbruchs, durch die sich das Gespann schlägt: zwischen Selbstjustiz und Recht, Wildnis und Zivilisation, Neuanfang und Tradition, Anarchie und Demokratie.

Drei Glorreiche auf ihrem Ritt in die Moderne. Der Mythos Western schwingt mit. Und selbst, wenn «True Grit» eher ein Abgesang auf diesen Mythos ist, bleiben die einfachen Regeln von gut und böse einstweilen bestehen.

Das, so bemerkte Josh Brolin gestern in Berlin, sei es dann wahrscheinlich auch, was diesen Film so erfolgreich mache: «In unserer gegenwärtigen Welt, die immer komplexer wird und in der drei Viertel aller Bücher Ratgeber sind, sehnt man sich nach Einfachheit.»

Bei aller Einfachheit und Bescheidenheit, die die Regiebrüder und ihre Schauspieler in Berlin postulierten – ein wenig Glamour war doch zu spüren. Denn schliesslich, so Jeff Bridges, begreifen es die Leute nun endlich: «Die Coens sind Genies.»

True Grit (USA 2011) 110Min. Regie: Joel und Ethan Coen. Ab 24. Februar im Kino.

Aktuelle Nachrichten