Kino
Russel Crowe: «Väter haben auch eine Intuition»

Russell Crowe spricht über sein erstes Mal im Regiestuhl, den Dreh in der Türkei und seine Söhne.

Marlène von Arx
Drucken
Teilen
«Niemand konnte die Geschichte so umsetzen, wie ich sie sah», sagt Hollywoodstar Russell Crowe, der bei «The Water Diviner» erstmals auch Regie führte.Universal

«Niemand konnte die Geschichte so umsetzen, wie ich sie sah», sagt Hollywoodstar Russell Crowe, der bei «The Water Diviner» erstmals auch Regie führte.Universal

Russell Crowe, Sie haben bei Musik-Videos und Dokumentarfilmen schon Regie geführt, «The Water Diviner» ist nun Ihr erster Spielfilm. Wie gefällt Ihnen der Job als Regisseur?

Russell Crowe: Ich dachte, ich hätte als Schauspieler bereits den besten Job, den es gibt. Aber in meinem Alter und bei meinem Erfahrungsschatz – ich stand mit sechs das erste Mal vor der Kamera – sind die täglichen Herausforderungen als Regisseur für mich viel interessanter als jene des Schauspielers.

In Australien haben Sie bereits einige Preise für den Film gewonnen.

Ja, sogar von den Filmkritikern. Das freut mich besonders, weil diese Mistkerle meinen Namen in den letzten 15 Jahren nicht mal geflüstert haben (lacht).

Wieso haben Sie die Geschichte eines Vaters gewählt, der nach dem Ersten Weltkrieg die sterblichen Überreste seiner gefallenen Söhne in der Türkei suchen geht?

Wenn ich keine tiefe Leidenschaft für meine Tätigkeit habe, rolle ich nicht um 4 Uhr morgens aus dem Bett. Ich hätte schon früher Spielfilme inszenieren können und war auch schon nahe dran. Erst dieses Drehbuch hat aber die Stimme des Regisseurs in mir geweckt. Ein Regisseur muss für mich klar wissen, was er will, und dass nur er diese Geschichte erzählen kann. Peter Weir, Ron Howard und sicherlich Darren Aronofsky vermitteln mir das, auch Tom Hooper und Michael Mann. Der kulturelle Hintergrund, die Erzählweise, der Vaterbezug: Niemand konnte die Geschichte so umsetzen, wie ich sie sah.

Mit welchen Hürden hatten Sie zu kämpfen?

«The Water Diviner» ist ein Indie-Film; da habe ich angefangen und ich weiss, dass man immer etwas Schlaues versuchen muss, um Geld zu sparen. Zum Beispiel: Ich wollte den Look des goldenen Zeitalters des australischen Films und in 35mm drehen. Aber das letzte Farbfilm-Labor in Australien ist mittlerweile geschlossen, wir hätten wieder eines eröffnen müssen. Mein Kameramann Andrew Lesnie wusste aber, wie man meine Lichtvorstellung digital umsetzen konnte und gleichzeitig sparten wir so einen Beleuchtungs-Wagen.

Sie haben auch in der Türkei gedreht. Welche Erfahrungen haben Sie vor Ort gemacht?

Ein Melodrama alter Schule

Ein durch die weite Wüste fegender Sandsturm, hautnahes Kriegs-Gemetzel, Action-Szenen auf Zügen, Vater-Sohn-Flashback-Idylle und romantische Zweisamkeit bei Kerzenlicht: Russell Crowe hat ein grosses Angebot an Genre-Inventar auf seine neue Visitenkarte als Regisseur gepfercht. Das Zusammenspiel aller Elemente ist auf dem rechten Weg, wenn auch noch nicht ganz am Ziel: Vier Jahre nach der Schlacht von Gallipoli reist der australische Farmer Joshua Connor (Crowe) in die Türkei, um die sterblichen Überreste seiner drei gefallenen Söhne zu finden und nach Hause zu holen. In Konstantinopel kommt er im Hotel der ebenfalls trauernden Ayshe (Olga Kurylenko) und ihrem Sohn unter. Die Suche stösst auf Widerstand bei verschiedene Interessengruppen, aber Connor lässt sich natürlich nicht so einfach von seinem Vorhaben abbringen. «The Water Diviner» ist ein Melodrama alter Schule und das imposante Schlusswerk von Kameramann Andrew Lesnie («The Lord of the Rings»- und «The Hobbit»-Trilogien), der am 27. April im Alter von 59 Jahren an einem Herzinfarkt starb.
The Water Diviner (AUS/TÜR/USA 2014) 112 Min. Regie: Russell Crowe. Mit Russell Crowe, Olga Kurylenko u.a. ***

Sie haben den Vaterbezug angesprochen. Können Sie das noch ein bisschen genauer erklären?

Mein Vater hat mit einem Drahtkleiderbügel die Stelle einer gebrochenen Wasserleitung gefunden. Connor im Film spürt das Wasser auch und er ist spirituell offen. Wir reden immer von weiblicher Intuition, aber Väter haben auch eine Intuition. Manchmal spüre ich doch, wenn mit einem meiner Söhne in der Schule etwas los ist. Das ist nicht Magie, das ist real.

Sie haben selber zwei Söhne. Wie zieht man gute junge Männer heran?

Ich bin durch meinen Job viel weg und das macht es schwieriger. Die Kinder mitzunehmen war nicht ideal. Immer die Schule zu wechseln und neue Freunde machen zu müssen, war nicht gut für sie. Ich und meine Frau – wir sind getrennt und diskutieren, was das genau bedeutet – haben entschieden, dass es besser ist, sie sind an einem Ort. Ich versuche, mein Leben nun so zu gestalten, dass ich mehr Zeit in Australien verbringen kann. Andererseits sollen sie nicht zuschauen müssen, dass ich Leidenschaft und Arbeitsethos aufgebe. Der Unterschied zwischen Erfolg haben und nur davon träumen liegt in der Einstellung zur Arbeit. Wir reden viel darüber, wenn wir über ihre künftigen Berufe sprechen.

In welche Richtung geht es da?

Mein Jüngster, Tennyson, ist acht Jahre alt und erklärte vor kurzem, er würde nach der Uni in ein paar Schlachten kämpfen und danach einen kreativen Beruf wählen (lacht). Ich wollte wissen, was es mit den Schlachten auf sich hatte. «Um Geld zu verdienen», meinte er. Ich habe ihm gesagt, dass ausser einigen Steuererleichterungen ein Armee-Job nicht sonderlich gut bezahlt sei. Er rechnete mit einem Millionen-Salär pro Schlacht. Dann sah er «The Water Diviner» zusammen mit seinem besten Freund – und die beiden entschieden sich gegen eine Militär-Karriere.

Aktuelle Nachrichten