Solothurner Filmtage

Regieassistentin für einmal im Rampenlicht: «Zuerst einmal wurde ich bleich»

Mit ihrem Beruf steht Giorgia de Coppi selten im Rampenlicht. Die Vergabe des «Prix d’Honneur» rückt die schweizer-italienische Regieassistentin jedoch für einmal ins Scheinwerferlicht. Giorgia de Coppi berichtet über ihre Arbeit und wie sie regaiert hat, als sie von der Preisvergabe erfuhr.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Filmrechte-Organisation «Swissimage» lädt seit einigen Jahren ab 10 Uhr morgens zu einem Talk mit einer interessanten Film-Persönlichkeit ins Barock Café & Bar ein. Am Montagmorgen war es Giorgia de Coppi. Ein Name, den bisher nur Film-Insiders kennen. Oder Filmfans, die bis zum Abspann aufmerksam bleiben und alle Namen einer Filmproduktion durchlesen. Denn dort taucht ihr Name auf: Regieassistenz Giorgia de Coppi.

Mit ihrem Beruf stehe sie deshalb auch selten im Rampenlicht, erzählt sie und berichtet, dass sie zuerst einmal sehr bleich geworden sei, als der Anruf aus Solothurn kam, sie sei die diesjährige Trägerin des Prix d’Honneur. Der Preis, der von den Gemeinden des Wasseramts gesponsert wird. Er geht jeweils an eine Person, die sich abseits des Rampenlichts für den Schweizer Film einsetzt und ist mit 10'000 Franken dotiert. Am Montagabend wurde er im Landhaus verliehen.

V.l.: Seraina Rohrer, Simon Wiedmer als Vertreter des Wasseramts (Gemeindepräsident Kriegstetten), Giorgia de Coppi und Michela Pini (Produzentin).

V.l.: Seraina Rohrer, Simon Wiedmer als Vertreter des Wasseramts (Gemeindepräsident Kriegstetten), Giorgia de Coppi und Michela Pini (Produzentin).

Ilja Tschanen

Das Gespräch am Morgen leitete die Filmjournalistin Catherine Halter. De Coppi, Kind, italienischer Migranten, ist in Baden aufgewachsen und lebt heute mit ihrer Familie in Rom.

Nach den Eigenschaften befragt, welche eine erfolgreiche Regieassistentin ausmachen, sagt sie. «Mediation ist in diesem Beruf sehr wichtig. Sich auf das Gefüge von Regie, Schauspieler und deren unterschiedliche Charaktere, auf die Geschichte und die Technik beim Film einzulassen; immer flexibel zu bleiben und die Prioritäten richtig zu setzen. Die Filmcrew auch mal anzutreiben, die Kosten und Termine im Griff zu behalten – all das seien die Kernpunkte ihrer Arbeit. Wichtig sei, so de Coppi, dass ein Film gut vorbereitet, gut recherchiert sei, bevor man mit dem Dreh beginne. «Und es wäre schön, man hätte für einen 110-minütigen Streifen auch noch ganze acht Wochen Drehzeit». Heute müssten oft fünf bis sechs Wochen reichen.

«Den Humor behalten»

«Ich versuche stets, zwischen allen Fachleuten am Filmset zu vermitteln, um das beste Resultat zu erreichen.» Da sei manchmal auch Schlichtungsarbeit notwendig; oder Männer- und Frauengrüppchen verbinden sich untereinander, machen schon mal Jokes über die andern. «Wichtig ist auch immer, den Humor zu behalten», hat de Coppi in all den Jahren erfahren. Viele Regisseure schätzen ihre Arbeit, weil sie sich auch sehr um die künstlerischen Belange der jeweiligen Filme kümmert, und nicht bloss die technischen oder administrativen Abläufe im Auge behält. «Aber es ist wichtig, mit der Zeit und dem Geld vernünftig umzugehen. Vielleicht auch mal einem Regisseur zu sagen: Stopp! Das geht jetzt nicht mehr.»
Sie arbeitet als Regieassistentin für Spielfilme und für Dok-Filme und ihre Aufträge bekommt de Coppi in der Regel von den Produktionsfirmen. Bei den Dok-Filmen könne sie oft selbst auch Recherche-Arbeit machen, was ihr sehr gefalle.

«Der Regisseur ist der Dirigent»

Im Unterschied zur Filmarbeit im Ausland, herrsche in der Schweiz vielfach noch die Vorstellung vor, dass ein Regisseur (fast) alles alleine machen muss. «Das ist aber nicht so. Der Regisseur ist wie ein Dirigent, der die Richtung vorgibt. Dann gibt die Fachleute rund um den Filmdreh, die für ihre Disziplinen verantwortlich sind. «Doch alles hier ist hochprofessionell und die Filmleute extrem engagiert, schätzt de Coppi ein. Ihr sei wichtig, dass während der Arbeit die Magie des Filmemachens bewahrt werden kann. «Dies trotz Digitalisierung, die es heute eben erlaubt, sehr schnell und sehr mobil unterwegs zu sein», was sogar sie mit Jahrgang 1963 nutze.

Laudatio für Giorgia de Coppi von Filmproduzentin Michela Pini

"Kurz vor Weihnachten rief mich Giorgia an. Sie klang gerührt und fragte mich ungläubig: „Hast du das gewusst!?“. Ich wusste nicht, wovon sie sprach. „Ich bekomme einen Preis! Ich, einen Preis, stell dir das vor! Ich kann es kaum glauben”. Ich wusste immer noch nicht, worum es ging, dann erklärte sie mir, dass sie in Solothurn den Prix d’honneur erhalte würde. Das Gespräch endete mit ihren Worten: „Ich habe doch gar nichts Spezielles gemacht!“

Liebe Giorgia, du hast diesen Preis mehr als verdient! Und dies aus vielen Gründen, von denen ich dir hier kurz einige aufzähle. Es ist mir eine Ehre, dir diese Laudatio widmen zu dürfen. Zu Beginn meiner Arbeit beim Film träumte ich davon, Regieassistentin zu werden. Ich kannte dich noch nicht, liebe Giorgia, aber du warst für mich schon damals ein wenig mein „Vorbild“. Im Ernst! So wie angehende Rockmusiker diesen oder jenen Rockstar bewundern, warst auch du für mich so etwas wie ein „Star“. Ich hatte schon viel von dir gehört, und immer nur Gutes. Oft dachte ich, wie gerne ich dich kennenlernen und mit dir arbeiten möchte. Viel Zeit ging ins Land. Ich habe nicht das Zeug dazu, Cast und Crew zu managen, wie du das machst und ich wurde auch nicht Regieassistentin. Trotzdem hatte ich mehrmals Gelegenheit, mit dir zusammenzuarbeiten, weshalb ich heute bestätigen kann, dass alles, was man damals über dich sagte, absolut stimmt: Du bist ein Star der Regieassistenz.

Man sagt, die Regieassistentin/ der Regieassistent sei die rechte Hand der Regie. Im Falle von Giorgia wäre die Bezeichnung zu einschränkend. Sie ist sozusagen die Seele des Filmsets. Sie ist achtsam, grosszügig, feinfühlig, gewissenhaft und diplomatisch, sie ist allen immer ein Schritt voraus. Nicht nur für die Regie, sondern auch für andere ist sie DER Bezugspunkt: für die Produktion, die Kamera, die Organisation. Alle hören auf ihren Rat und vertrauen auf ihre Präzision und ihre Lösungen.

Im Jahr 2000 verliess sie die Schweiz und liess sich in Rom nieder, wo sie heute mit ihrer Familie lebt. Die Liebe hat sie nach Rom verschlagen, doch die Arbeit holt sie immer wieder nach Hause zurück. Mit der Zeit brachte sie etwas Italianità an die Schweizer Drehorte und prägte südliche Produktionen mit einem Hauch „Schweizertum“.

Giorgia verfügt über eine ganze Reihe von „rechten Händen“, die sie andern reichen kann. Vielleicht hat sie auch noch ein paar linke Hände und da und dort einen versteckten Fuss.

Giorgia kann vieles in einem sein: Vermittlerin, Boss, Freundin, Psychologin und manchmal, wie sie selbst sagt, auch Mama.

Ihre wichtigsten Eigenschaften sind ihre Liebe und Leidenschaft für ihre Arbeit und für die Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet. Verliebt sie sich in ein Projekt, bleibt sie ihm bis zum Ende treu, egal ob der Film von einem bekannten Regisseur oder von einem Neuling gedreht wird. Sie scheut keine Mühen, um ihm alles zu geben, wozu sie fähig ist. Und das ist wirklich selten.

Ich habe Giorgia einmal gefragt, welcher Aspekt ihrer Arbeit ihr am besten gefällt. Sie antwortete: „Die Möglichkeit, ständig neue Menschen kennenzulernen und gleichzeitig immer wieder auf Personen zu stossen, die ich seit Jahren kenne. Dabei mag ich vor allem das Geheimnisvolle und die Überraschungen. Und davon gibt es genug!! Mein Beruf gibt mir die Freiheit, immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen!”.

Giorgia zeichnet sich vor allem durch ihre grosse Bescheidenheit und ihre einzigartige Menschlichkeit aus. Mit ihr wird jedes Projekt zu einem Abenteuer, das sich durch ihr Zutun in eine angenehme Herausforderung verwandelt. Sie selbst sagt oft: „Kaum fällt die Klappe, beginnt die Magie“.

Liebe Giorgia, ich danke dir dafür, dass du jeden Film zu einem ergreifenden Abenteuer machst und uns immer wieder daran erinnerst, welch Glück wir haben, diesen zauberhaften Beruf ausüben zu dürfen.""