«Amen Saleikum»: Warum es sich für die SRF-Komödie mit dem einfältigen Titel heute Abend einzuschalten lohnt

Im Gegensatz zu «Le jeune Ahmed», dem preisgekrönten neuen Kinofilm über einen radikalisierten jungen Belgier, setzt das Schweizer Fernsehen mit seiner neuen Komödie «Amen Saleikum» auf Klamauk beim Islam-Thema. Warum man sich beides anschauen sollte.

Daniel Fuchs
Hören
Drucken
Teilen
Sieht so Kulturverständigung aus? Pfarrer Martin (rechts) und Imam Hamid (links) können nicht alle Fettnäpfchen umgehen.

Sieht so Kulturverständigung aus? Pfarrer Martin (rechts) und Imam Hamid (links) können nicht alle Fettnäpfchen umgehen.

BIld: SRF

Wie begegnet man dem Thema Islam im Film? SRF versucht es heute Abend mit einer Fernsehkomödie. «Amen Saleikum» thematisiert auf muntere Weise das Aufeinanderprallen einer darbenden katholischen Kirchgemeinde mit einem wachsenden Moscheeverein.

Wer es lieber ohne Komik will, der kann jetzt im Kino «Le jeune Ahmed» sehen, die Geschichte eines 13-jährigen Täters, an dem jedes Hilfsangebot abprallt. Verzweifelt sieht man Ahmed – eigentlich ist der Schauspieler Iddir Ben Addi noch ein Kind – dabei zu, wie er sich immer weiter in eine Sackgasse manövriert. Vom Imam angestachelt, fühlt er sich von Allah dazu berufen, seine eigene Lehrerin zu töten, weil sie den Arabern in der Schule Arabischunterricht ausserhalb der Moschee geben will. Und das sei Gotteslästerung, so der Imam.

Stets schüchtern und freundlich, doch Ahmed will seine «ungläubige» Lehrerin Inès töten.

Stets schüchtern und freundlich, doch Ahmed will seine «ungläubige» Lehrerin Inès töten.

Bild: Xenix

Der Angriff misslingt und Ahmed landet im Gefängnis. Alle sind wahnsinnig bemüht, den Jungen doch noch zu retten vor einer gefährlichen Ideologie. Ahmed beginnt zu kooperieren und spielt Fortschritte vor. Insgeheim aber schmiedet er weiter an seinem tödlichen Plan.

Radikalisierung des jungen Ahmed ausgespart

In einer Schlüsselszene erhält Ahmed Besuch von seiner Mutter. Aus ihr spricht die pure Verzweiflung, als sie sagt: «Ich wünschte, du wärst wieder so wie du früher warst.» Der Zuschauer ist ahnungslos über die Vorgeschichte, weiss nicht, was den jungen Ahmed so weit abdriften liess. Doch er möchte eingreifen, Ahmed kräftig schütteln und weiss doch, es wird nichts mehr nützen, Ahmed kann sich nur noch selbst helfen.

Niemand dringt zu Ahmed vor, ja, selbst die Autoren und Regisseure waren überrascht, welche Richtung ihre Figur im Drehbuch einschlug. «Als wir mit Schreiben begannen, konnten wir uns noch nicht vorstellen, dass wir dabei waren, eine so verschlossene Figur zu erschaffen, die uns so sehr entgleitet, uns keine Möglichkeit lassen würde, sie durch eine dramatische Konstruktion wieder einzufangen und aus ihrem mörderischen Wahn zu befreien», sagten die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne.

Ob sich «Le jeune Ahmed» am Schluss noch aus der Sackgasse manövriert, sei hier nicht verraten. Sehr wohl aber, dass die Dardenne-Brüder mit ihrem Drama abermals in Cannes gewonnen haben – für die beste Regie. Zum Thema Islam im Film muss auch gesagt sein, dass die Debatte in Belgien eine ganz andere Dringlichkeit hat als in der Schweiz, weil es dort Anschläge gab und unter den Dschihadisten im Syrienkrieg belgische IS-Kämpfer überproportional vertreten waren.

Muslimen-Klamauk als SRF-Weihnachts-Auftakt

In «Amen Saleikum» (wer verantwortet bei SRF eigentlich solch einfältige Titel?) versucht ein Grüppchen Katholiken um Pfarrer Martin (Dietrich Siegl) ihre örtliche Kirche vor dem Untergang zu retten. Und gerät dabei in einen Kulturclash mit Muslimen, die aus der Hinterhofmoschee nebenan mit Hilfe aus dem Ausland eine Prachtsmoschee bauen wollen.

Welten prallen aufeinander, Rollen werden beliebig vertauscht. Pfarrer Martin dabei zuzuschauen, wie er Abfall im Container der Moschee entsorgen will und vom albanischen Moscheeverwalter auf die örtlichen Abfalltrennregeln hingewiesen wird, macht Spass. Sinnbildlich ist fast schon, wenn der desillusionierte Martin samt Beichttafel durch die Kirche schlurft, um sich im Beichtstuhl ein Nickerchen zu gönnen – weil ohnehin niemand kommt.

SRF versteht «Amen Saleikum» (Regie Katalin Gödrös) als Weihnachtsfilm. Er zeige, «Toleranz und Verständigung sind nicht einfach zu haben. Jeder der Beteiligten muss – manchmal auf ausgesprochen bizarre Weise – über seinen Schatten springen». Und das tun die Akteure bis zum furiosen Finale.

«Amen Saleikum» (CH 2019, 100 Min.), R: Katalin Gödrös, Sonntagabend auf SRF1. «Le jeune Ahmed» (B/F 2019, 84Min.), R:Jean-Pierre und Luc Dardenne, jetzt im Kino.