Film
Leinwandstar einer Geschichte im Hiphop-Milieu

Mundartist Hans-Jakob Mühlethaler gibt im neuen Film «Off Beat» von Jan Gassmann sein Schauspieldebut. Er hat das Zeug, ein grosser Schauspieler zu werden, und dies, ohne eine schauspielerische Ausbildung absolviert zu haben.

Urs Byland
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az Langenthaler Tagblatt

Hans-Jakob Mühlethaler hat das Zeug, ein grosser Schauspieler zu werden. Dies ohne eine schauspielerische Ausbildung absolviert zu haben oder auch nur Interesse daran zu haben. «Ich würde nie auf einer Bühne stehen können. Ich könnte mich nie mit ausgebildeten Schauspielern messen.» Die Bühne ist nicht sein Ziel. Beim Film will er landen, der hübsche, junge Mann. Hier liegt sein Talent. Zu sehen im ersten Spielfilm «Off Beat» von Jan Gassmann, dem Regisseur des Dokumentarfilmes «Chrigu».

Mühlethaler erscheint mit einem Fellmantel aus den 1980er-Jahren zum Treffen in der Beiz. Der 29-Jährige grüsst im Fumoir den Lehrer vom Gymnasium. Mit dieser Schule war er seinerzeit nicht mehr klar gekommen. Der 17-jährige Diplomatensohn blieb in Langenthal, als der Vater den nächsten Botschaftsposten anpeilte. Die plötzliche Freiheit sei zu viel gewesen, sagt er im Rückblick. Dennoch schaffte er später die Matura an einer Privatschule. Da war er schon angesteckt vom Virus Musik. Er ist als einer der Mundartisten bekannt und trägt den Künstlernamen Chocolococolo. «Wir suchten damals einen Künstlernamen für mich. Als Master of Ceremony, als Rapper trägt man einen coolen Namen. Ich biss in einen Schoggigipfel und wollte zum Spass MC Schoggigipfel sagen. Da verschluckte ich mich. Chocolococolo kam raus.»

Die Langenthaler Mundartisten machen sich auf, die Welt zu erobern. Der wohl Bekannteste von ihnen ist David Kohler («Knackeboul»), der auch als Moderator im Fernsehen zu sehen ist. Nun überrascht Hans-Jakob Mühlethaler mit der Hauptrolle in «Off Beat». Zusammen mit Schlagzeuger und Beatproduzent Jonas Kwest Leuenberger, ebenfalls Mitglied der Produktionsgemeinschaft Mundartisten, hat er für diesen Film auch die Musik geschrieben. «Wir zeichnen für die Musik verantwortlich, aber das Ganze entstand im Umfeld der Mundartisten.»

«Chrigu», der Dokumentarfilm von Jan Gassmann über einen krebskranken, sterbenden, jungen Menschen, vertiefte den schon früher geknüpften Kontakt zwischen Mühlethaler und dem Regisseur. Gassmann hatte beispielsweise einen Videoclip für die Mundartisten gedreht. In «Off Beat» spielt Mühlethaler einen bisexuellen Rapper. «Eine eigenwillige stimmungsstarke Schweizer Geschichte ums Älterwerden der Rap-Generation», lautete die Beschreibung an der Berlinale. Der Film startet mit einer mutigen Szene, einer Bettszene des Rappers mit seinem viel älteren Produzenten.

Erfolgreiches Casting

Doch wie kommt Mühlethaler zu dieser Filmrolle, ohne eine Schauspielausbildung gemacht zu haben. «Über ein Casting. Ich musste. Jan wollte nicht in solch einem Projekt die Hauptrolle einfach mit einem guten Kollegen besetzen.» Mühlethaler hat schon zwei Jahre zuvor Auszüge aus dem Drehbuch gelesen. Damals handelte die Geschichte von einem Rapper, der durch die Jugendhäuser tingelt und am Scheitelpunkt seiner Karriere steht. «Ich hatte das Gefühl, ich lese meinen Lebenslauf. Ich habe Jan gesagt, ich spiele die Rolle, Du wirst so oder so keinen Besseren finden.» Das Casting machte die Regieassistentin Lisa Blatter. «Ich ging, wurde gefilmt und habe mich gegen Konkurrenten durchgesetzt.» Er habe es als grosse Chance empfunden, auch weil er sich in der Thematik heimisch fühlte, begründet er sein damaliges Wagnis. Weil die Figur und das ganze Umfeld auch seine eigene Welt spiegeln, «konnte ich aus dem Vollen schöpfen». Dazu gehört auch eine Portion Eitelkeit, so der feingliedrige junge Mann mit dem melancholischen Blick. «Es hat etwas von auf der Bühne im Scheinwerferlicht stehen. Dieses Gefühl kannte ich bereits.»

Nach Zürich sei er gegangen, um musikalisch vorwärts zu kommen. «Es hat dort viele interessante Leute.» Etwa die Sängerin der Frauenband «Cock to cock», mit der er ein Projekt realisieren will. Auch mit Jonas Leuenberger macht er weiter Musik. «Wir wollen im nächsten Frühling etwas veröffentlichen. Im Internet, CD ist ein aussterbendes Geschäft.» Er will zudem seine musikalischen und schauspielerischen Talente in Filmen beweisen. Eine Rolle hat er bereits auf sicher in Lisa Blatters («Nachglühen») neustem Film, einer Liebesgeschichte mit dem Arbeitstitel «Off Season». «Da werde ich schauspielerisch sicher stärker gefordert sein.» Er habe das Glück gehabt, in das Filmgeschäft hineinwachsen zu dürfen. Auf der Bühne würde er niemals bestehen, sagt er heute. «Aber vor der Kamera habe ich schon ein gewisses Talent.» Wer «Off Beat», der am 3. November in Zürich und Bern startet, schauen geht, wird Hans-Jakob Mühlethaler recht geben. Im Film verblassen neben ihm gelernte Schauspieler.

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