Kino
LaKeith Stanfield in «Judas and the Black Messiah»: Dieser Judas ist dem Messias ebenbürtig

Wer ist dieser LaKeith Stanfield, der für seine Rolle in «Judas and the Black Messiah» einen Oscar verdient hätte?

Regina Grüter
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LaKeith Stanfield als FBI-Informant Bill O’Neal.

LaKeith Stanfield als FBI-Informant Bill O’Neal.

Bild: Warner Bros.

«Entweder verdienst du für deine Vorstellung einen Academy Award, oder du glaubst diesen Scheiss wirklich», sagt der FBI-Agent. «Nein, Mann, ich habe nur die Rolle gespielt», entgegnet der Informant. Der Kleinganove, der sich im Oscarfilm «Judas and the Black Messiah» im Auftrag der Staatssicherheit 1968 an den Vorsitzenden der Black Panther Party von Illinois anschleicht, wird gespielt von LaKeith Stanfield. Sein Gesicht vergisst man nicht, vor allem nicht seine Augen.

Mit diesen Augen kann er alles spielen: den dauerbekifften Darius in der Serie «Atlanta», den Bürgerrechtsaktivisten Jimmie Lee Jackson in «Selma». Oder eben jetzt den «Judas» Bill O’Neal.

Im Indie-Hit «Sorry To Bother You» ist er als intelligenter Underdog verschmitzt und liebenswert.

Angst, Traurigkeit und Verletzlichkeit kann er genauso gut ausdrücken. Am verstörendsten ist seine Interpretation des gebrainwashden Andre in «Get Out».

Was seine Rollen angeht, hat der 29-Jährige ein gutes Händchen. Er wählt sie mit Bedacht aus und hat Talent fürs Komödiantische wie fürs Dramatische.

Der Durchbruch gelang ihm als «schwieriger» Teenager vor acht Jahren in «Short Term 12».

Im grandiosen Sozialdrama zeigte er schon sein ganzes Potenzial. Auch eine untergründige Wut, die plötzlich in unkontrollierte Gewalt umschlagen kann. Und er rappte.

Aufgewachsen ist LaKeith Stanfield in der Wüste, in Victorville unweit von Los Angeles in einer dysfunktionalen Familie, wie er sagt. Ein gewalttätiger, aber schöner und ruhiger Ort sei es. Seine Energie zu kanalisieren, das müsse man lernen. Stanfield wandelt sie in Kunst um. Er schauspielert nicht nur, er rappt, tanzt und fotografiert auch.

Er hat Schiss und will ­ seinen Arsch retten

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Für die Rolle des innerlich zerrissenen Bill O’Neal in «Judas and the Black Messiah» erhielt der Kalifornier seine erste Oscarnominierung. Bill hat Schiss und will seinen eigenen Arsch retten, findet im Black Panther Fred Hampton aber unerwartet ein Vorbild. Die Trophäe bekommen hat schliesslich der «Messiah» Daniel Kaluuya, schon Stanfields Kollege in «Get Out». Man war ein bisschen zerknirscht.

Nicht, weil Kaluuya nicht gut wäre, sondern weil er in der Hauptdarstellerkategorie hätte nominiert werden sollen und Stanfield dann den Nebenrollen-Oscar gewonnen hätte.

Es bleibt das Bild, wie er an der Verleihung mit stoischer Miene dasitzt. So wirken die Augen immer traurig. Entweder er spielt neben der Kamera nicht gern eine Rolle, oder die Show ging ihm ziemlich am Allerwertesten vorbei. Wahrscheinlich beides.

«Judas and the Black Messiah» (USA 2021), 126 Min., R: Shaka King, ab 1. Juli in den Kinos.