TV-Kritik
«Kassensturz»: Eher verbissen als augenzwinkernd

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

Merken
Drucken
Teilen
«Kassensturz»-Moderator Ueli Schmezer im Studio

«Kassensturz»-Moderator Ueli Schmezer im Studio

Schweizer Fernsehen

Bauer Robert Rüegg aus Hinwil ist auf einen Betrüger hereingefallen. Auf einer Internetauktionsplattform hat er ein vierrädriges Motorrad ersteigert und knapp 3500 Franken auf ein deutsches Konto einbezahlt. Den Töff hat er - selbstverständlich – nie erhalten.

Einen sechsminütigen Beitrag hat das Konsumentenmagazin «Kassensturz» am vergangenen Dienstag dem Fall eines von Thailand aus operierenden deutschen «Internet-Gauners» gewidmet, der Dutzende Kunden um mehrere hunderttausend Franken betrogen haben soll.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

AZ

Die Opfer kamen in dem Bericht ausführlich zu Wort. Nur eine entscheidende Frage wurde ihnen nicht gestellt. Nämlich die, ob es nicht auch wahnsinnig naiv ist, einem völlig Unbekannten ohne jegliche Rückversicherung und ohne die Ware je begutachtet zu haben, einen so hohen Geldbetrag zu überweisen.

Der «Kassensturz» stellt sich bedingungslos auf die Seite der Konsumentinnen und Konsumenten - und das ist nicht nur sein gutes Recht, sondern wohl auch seine Aufgabe. Nur wirkt er in seinem heldenhaften Kampf gegen all die miesen Abzocker und Betrüger vielfach wahnsinnig verbissen.

Von der im Sendekonzept gleich mehrmals erwähnten «augenzwinkernden Erzählweise» spürt der Zuschauer - zumindest in der jüngsten Folge - nur wenig. Und darüber kann auch die betont locker gehaltene Moderation von Ueli Schmezer nicht hinwegtäuschen.

Löblicherweise nimmt sich der «Kassensturz» aber auch immer einiger gewichtiger Themen an. Am Dienstag enthüllte er beispielsweise, dass durch die Einführung der Fallpauschale für Spitalbehandlungen die Steuerzahler und Grundversicherten «massiv zur Kasse gebeten werden». Verstanden hat das allerdings nur, wer ganz aufmerksam zugehört hat.

Der komplexe Beitrag - eigentlich vorbildlich mit zahlreichen Infografiken und Experten-Interviews angereichert - dürfte etliche Zuschauerinnen und Zuschauer überfordert haben. Schade eigentlich. (bau)