Kino
«Ich habe mehr zu sagen als eine TV-Figur»

Der US-Schauspieler Adrian Grenier, bekannt aus der Serie «Entourage», stellte am letzten Tag des Zurich Film Festival seinen Dokumentarfilm «Teenage Paparazzo» vor: eine intelligente Untersuchung der Mechanismen der Starfabrik.

Evelyne Baumberger
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Er wurde berühmt, indem er als noch unbekannter Schauspieler in der TV-Serie «Entourage» einen Star verkörperte, und nun untersucht er in einem eigenen Dokumentarfilm die Mechanismen des Star-Systems. Im Leben von Adrian Grenier («The Devil Wears Prada») vermischen sich Leben und Arbeit, Realität und Fiktion mehr als bei jedem anderen Hollywoodstar. Grenier spielte in der von Mark Wahlberg produzierten «Entourage» den Schauspieler Vincent
Chase, der von einem Tag auf den anderen zum Star wird und lernen muss, mit dem plötzlichen Reichtum und dem Leben als Berühmtheit umzugehen. Grenier selbst wurde mit der Rolle einem breiten Publikum bekannt, sein eigenes Leben wurde dem seiner Figur Vincent immer ähnlicher, wo er auftaucht, wird er von Paparazzi belagert.

In «Teenage Paparazzo», seinem zweiten Dokumentarfilm, geht Grenier der gegenseitigen Abhängigkeit von Stars und People-Medien auf die Spur. «Mit dem Film habe ich auch hinterfragt, wer ich bin», erzählte der smarte 34-Jährige am Zurich Film Festival im Rahmen einer Master Class. «Mein Selbstvertrauen kommt nicht aus meinem Status als Berühmtheit. Ich habe mehr zu sagen als eine Figur in einer TV-Serie.»

13-jähriger Paparazzo

Der Film fängt beim zu Drehbeginn 13 Jahre alten Austin Visschedyk an, der in Los Angeles als Paparazzo unterwegs ist. Er plaudert um ein Uhr nachts mit Stars, wenn sie aus dem Club kommen, nimmt am Handy Tipps entgegen, wo sich Paris Hilton oder Lindsay Lohan gerade aufhalten, und rennt danach mit
seinem teuren Kameraequipment deren Limousinen nach, um einen Schnappschuss zu erhaschen.

Ausgehend von Austin, der ihn sofort faszinierte, dreht Adrian Grenier den Spiess um: «Ich wollte die Paparazzi verstehen», erzählt er, er wollte wissen, was das für Menschen sind und weshalb sie die Stars mit ihren Fotos einerseits berühmt machen, andererseits aber mit Bildern von betrunkenen Eskapaden oder Cellulite-Problemen auch demontieren. Grenier zeigte sich absichtlich öfter mit Paris Hilton, was Celebrity-Blogs sofort zu Spekulationen über eine Beziehung zwischen den beiden anstachelt. «Paris Hilton hat ein Verständnis der Massenmedien, auf das Andy Warhol stolz gewesen wäre», sagte Grenier in Zürich über seine Kollegin.

Und in einer Szene kauft er sich selbst eine Kamera und macht sich zusammen mit Austin und der ganzen Paparazzi-Herde, die ihn erst gar nicht erkennt, auf die Jagd nach Britney Spears. «Es ist eine Bestätigung, wenn man fotografiert wird», sagt Grenier, «doch wenn dies einmal seltener geschieht, fragt man sich schnell, mache ich etwas falsch?»

Selbstreflexiver Star

«Teenage Paparazzo» (DVD-Erscheinungsdatum noch nicht bekannt) ist ein intelligenter, rasant, manchmal sogar chaotisch gedrehter Film über das Bedürfnis von Stars nach Anerkennung und das Bedürfnis des Publikums nach Menschen, zu denen es aufschauen, über die es aber auch lachen kann. Eindrücklich: Grenier hat es geschafft, dass man im Film über ihn selbst rein gar nichts erfährt. Auch sonst hausiert er nicht mit seinem Privatleben, sondern nutzt seine Berühmtheit zum Beispiel für Öko-Projekte. «Ich will weiterhin schauspielern, denn es erlaubt mir, bei eigenen Ideen mehr Risiken einzugehen.» Adrian Grenier – ein Träumer, der Nägel mit Köpfen macht, ein Star, der sich selber reflektiert und der zu klug ist, um sich auf seiner Jugend und seinem Erfolg auszuruhen.

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