Film
Hollywoodstar Tommy Lee Jones: «Mir ist eigentlich nichts peinlich»

Als Pantoffelheld lässt sich Tommy Lee Jones von Meryl Streep im Streifen «Hope Springs» in die Paar-Therapie schleppen. Im Interview sagt er, weshalb ihm auch der Dreh der intimen Szenen des Films nicht unangenehm war.

Marlène von Arx
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In «Hope Springs» verbringen Sie die meiste Zeit in emotional entblössender Paar-Therapie. Haben Sie sich trotzdem gefreut, zur Arbeit zu gehen?

Tommy Lee Jones: Wenn man mit Meryl Streep zur Arbeit gehen kann: auf jeden Fall. Sie war meine Motivation. Das Drehbuch ist ziemlich gut und originell und handelt von realen Leuten mit realen Problemen. Aber Meryl alleine hätte mir schon gereicht, um beim Film mitmachen zu wollen.

Der Pas de deux mit Meryl Streep muss mal eine schöne Abwechslung gewesen sein, kennt man Sie doch vor allem als harter Kerl in Action-Filmen ...

Nach «Captain America» war «Hope Springs» ganz klar eine Luftveränderung. Und Meryl ist nicht nur eine Luftveränderung, sie ist eine neue Welt. Prinzipiell geht es mir jedoch nicht darum, wie sehr mir eine Rolle gefällt, sondern wie gut kann ich sie rüberbringen.

Sie müssen sich nicht mit einer Rolle identifizieren können?

Nein, die Rollen haben nichts mit mir zu tun. Ich erfinde sie nicht, ich lerne nur ihren Text auswendig und spiele sie. Es geht dabei nicht um mich.

Es gab also keine intimen Szenen in «Hope Springs», die Ihnen nahegingen und unangenehm oder peinlich waren?

Sich wegen Sex zu schämen, ist ein Grundpfeiler der judeo-christlichen Tradition. Aber mir ist eigentlich nichts peinlich. Jede Szene, die funktioniert, macht mir Spass. Mein Job ist es ja nicht, mich zu schämen, sondern etwas realistisch darzustellen.

Die «realen Probleme» – zum Beispiel von einem flotten Dreier zu träumen – können Sie also doch nachvollziehen?

(lacht) Nicht, dass ich mich daran erinnern würde. Und wenn ich mich erinnern täte, wäre ich nicht da gewesen. Ich bin unschuldig.

Spass beiseite: Denken Sie, dass ein Film wie «Hope Springs» eingeschlafene Ehen wieder auf Vordermann bringen kann?

Wir sind in erster Linie Filmemacher, nicht Therapeuten oder Sozialarbeiter. Aber ich hoffe, dass sich die Zuschauer in Kay und Arnold wiedererkennen und nun darüber lachen können, was sie ursprünglich zum Heulen brachte. Das ist Unterhaltung, und das ist unsere Aufgabe – nicht Ehen zu therapieren.

Glauben Sie, dass Paar-Therapie etwas nützt?

Ich weiss es nicht. Ich habs nie ausprobiert. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich es nötig hätte. Und meine Frau hat das Thema auch nie aufs Tapet gebracht.

Auch Ihre ersten beiden Ehefrauen nicht?

Oh, ich habe die ersten zwei Ehen vergessen.

Was tun Sie also, damit Ihre Frau glücklich und zufrieden bleibt?

Sie darf auf die Jagd und zum Fischen mitkommen und ab und zu das Vieh eintreiben (grinst). Und da sie gut fotografiert und sich momentan am Brooks Institut für Fotografie in Santa Barbara weiterbildet, kaufe ich ihr viele Kameras und Linsen. Das macht sie auch glücklich. Dazu bekommt sie als engagierte Fashionista ein praktisch unlimitiertes Kleiderbudget. Und dann sind da natürlich noch die erstklassigen Pferde.

Ihre Frau ist ja erfolgreiche Pferdesportlerin.

Ich verbringe viel Zeit auf Pferden, und als wir vor 18 Jahren zusammenkamen, begann sie sich für Polo zu interessieren. Ich habe ihr gute Pferde organisiert und sie konnte mit den besten Spielern trainieren. Dieses Jahr gewann sie das United States Women’s Open. Auch das machte sie glücklich.

Und was macht Sie glücklich?

Die Viehzucht und die Pferde. Wir züchten und trainieren Polo-Pferde. Wir haben auch auf unserem Grundstück in Argentinien noch zwei Polofelder errichtet und verbringen da je länger, je mehr Zeit.

Sie haben an der Elite-Uni Harvard studiert und teilten sich da ein Zimmer mit Al Gore. Wieso ist dann aus Ihnen «nur» ein Schauspieler geworden?

Weil es Spass macht und es wohl meine einzige Chance ist, nützlich zu sein. Leute zu unterhalten, ist in meinen Augen ein sehr dankbarer Job. Wenn sie gelacht, geweint und die Hände zusammengeschlagen haben, ist das ein Zeichen, dass sich für ein paar Augenblicke etwas verbessert hat. Ich schätze mich glücklich, damit meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Ich hatte nie einen richtigen Job und wüsste auch nicht, was ich jetzt noch werden sollte, wenn ich mal erwachsen bin.

Zumindest im Film schlagen Sie nun auch eine politische Laufbahn ein: In Steven Spielbergs «Lincoln» verkörpern sie den Bürgerkriegs-Politiker Thaddeus Stevens und in «Emperor» spielen Sie General Douglas MacArthur. Was fasziniert Sie an den beiden historischen Persönlichkeiten?

Stevens war ein radikaler Abgeordneter zu einer politisch interessanten Zeit, als die Sklaverei abgeschafft werden sollte. Zudem hatte er einen Klumpfuss und Haarausfall, zwei reizvolle Attribute für einen Schauspieler: Man kriegt einen Stock zum Herumhumpeln und eine verrückte Perücke. Bei MacArthur war es eine Pfeife und eine Pilotenbrille. Er hatte die weise Voraussicht, den japanischen Kaiser nicht hinrichten zu lassen, obwohl das amerikanische Volk nach dem 2. Weltkrieg jemanden hängen sehen wollte. Hätte er aber Japan das Herz rausgeschnitten, wären Joe Stalin und seine Kommunisten sofort bereitgestanden. Ich bewundere, dass er das kapiert hat, obwohl es keine populäre Ansicht im Kongress war.

Hope Springs (USA, 2012) 100 Min. Regie David Frankel. Mit Meryl Streep, Tommy Lee Jones, Steve Carell, u.a.

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