Starbuck
Fruchtbarer Samenspender: «El Masturbator» hat auf einmal 533 Kinder

Die Komödie «Starbuck» des kanadischen Regisseurs Ken Scott setzt stark auf absurde Momente. Ein Samenspender wird dabei unverhofft zum 533-fachen Vater.

Stefan Volk
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Der chaotische Pechvogel David Wosniak (Patrick Huard) ist auch mit 42 Jahren noch das personifizierte Kind im Manne. ho

Der chaotische Pechvogel David Wosniak (Patrick Huard) ist auch mit 42 Jahren noch das personifizierte Kind im Manne. ho

Auf David Wosniak (Patrick Huard) ist einfach kein Verlass. Seine Brüder und sein Vater wissen das. Einer nach dem anderen fragen sie ihn, ob er die Fussballtrikots für das geplante Mannschaftsfoto ihres Freizeitteams organisiert habe. «Ja, natürlich», beteuert er, jedes Mal noch ein wenig genervter. Am Ende schauen sich alle an, schütteln die Köpfe und wissen, dass er lügt. Zwar schafft David es gerade noch rechtzeitig, die Trikots abzuholen. Aber kurz nachdem er sie stolz und selbstzufrieden in den Lieferwagen verfrachtet hat, mit dem er normalerweise das Fleisch der Familienmetzgerei ausfährt, wird dieser abgeschleppt, und David steht mit leeren Händen da.

533-facher Vater

42 Jahre ist der chaotische Pechvogel und Tunichtgut mittlerweile alt, aber noch immer das personifizierte Kind im Manne. Auch Davids Freundin Valérie (Julie LeBreton) ahnt das. Als sie ihm eröffnet, dass sie schwanger ist, und er so entgeistert reagiert, wie sie befürchtete, setzt sie ihn kurzerhand vor die Tür. Das allerdings ist noch Davids kleinstes Problem. Denn kurz darauf erhält er Besuch von einem Anwalt, der ihm mitteilt, dass er ohnehin schon 533-facher Vater sei. So viele Kinder kamen nämlich dank der Samenspenden auf die Welt, mit denen David sich als junger Mann unter dem Pseudonym «Starbuck» ein wenig Geld dazuverdiente. 142 seiner Sprösslinge wollen nun unbedingt erfahren, wer sich hinter dem Decknamen aus «Moby Dick» verbirgt, notfalls mithilfe einer Sammelklage vor Gericht.

Die Situation, in die der kanadische Regisseur und Drehbuchautor («La grande séduction») Ken Scott den (Anti-)Helden dieser in Montreal angesiedelten «Familienkomödie» hineinkatapultiert, klingt zunächst so abwegig, dass man sich als Zuschauer bequem zurücklehnen und über die Nöte «Starbucks» genüsslich amüsieren kann. Jedenfalls so lange, bis unter der schrill-komischen Oberfläche immer deutlicher Konflikte herauslugen, die man auch aus dem eigenen Leben kennt. Wenn auch natürlich in anderer Gestalt.

Im Grunde kreist der Plot um Themen wie Verantwortung und innerliche Reife; ein Coming-of-Age mit gut zwanzigjähriger Verzögerung. «Starbuck», der in den Medien bald als «El Masturbator» verunglimpft wird, muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist: sein persönlicher Friede, das Geld, das sein bester Kumpel mit einer Gegenklage auf Schadensersatz für ihn herausschlagen möchte, oder seine längst erwachsenen Kinder, deren Biografien er liest und in deren Leben er sich heimlich einzumischen beginnt.

Bizarres und sentimentales Ende

Hinter der schrägen Grundidee verbirgt sich letztlich eine recht konventionelle, schauspielerisch solide Komödie voller klischeehaft überzeichneter Figuren. Allerdings auch eine munter inszenierte und eine, die, je länger sie dauert, immer weniger auf Klamauk und immer mehr auf nachdenkliche Momente setzt. Die Balance zwischen grotesken Einfällen und der liebenswert naiven Botschaft bleibt dabei gewahrt; bis zum ebenso bizarren wie sentimentalen Ende des Films und seiner (auch) visuell einzigartigen Schlusspointe.