TV-Kritik
«ECO»: Anschaulich, überraschend und relevant

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

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Moderator Reto Lipp während den Dreharbeiten zu «ECO»

Moderator Reto Lipp während den Dreharbeiten zu «ECO»

Schweizer Fernsehen

Dass Wirtschaft wichtig ist, wissen mittlerweile die meisten Schweizer Bürger. Dennoch ist für viele nicht recht durchschaubar, was unter diesem Titel alles läuft. «Wirtschaft» lässt sich nicht - oder sicher nicht so leicht - am Bildschirm erklären. Man muss den Leuten Häppchen bieten. Das ist für ein Gebiet, das wohl so vernetzt und komplex ist wie kaum ein zweites, gar nicht so einfach. Die journalistische Herausforderung ist gegeben.

Häppchen müssen die Eigenschaft haben, leicht verdaulich zu sein. Fürs Fernsehen heisst das, dass man etwas anschauen können muss. Begrifflich darf man nicht allzu viel voraussetzen. Allerdings will der interessierte Zuschauer natürlich nicht nur Bilder sehen, sondern auch etwas lernen. Oder etwas Neues erfahren. Beides muss sich dann in eine Begrifflichkeit übersetzen lassen, die anschaulich genug bleibt.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

AZ

Wie haben die Macher von «ECO» am letzten Montagabend diese Vorgaben umgesetzt? Im Allgemeinen ziemlich gut. Der aktuelle Beitrag, wie der Rückversicherer Swiss Re die Schäden in Japan betrachtet, war gut gemacht. Man zeigte die teilweise schockierenden Bilder und liess den Leiter der Risikoabteilung, Andreas Schafter, erklären, wie man überhaupt im Voraus wissen kann, wie viel etwas kosten wird, was in dieser Art noch nie stattgefunden hat. Schafter konnte das. So viel Glück wird man nicht immer haben, dass man die Fachleute einfach reden lassen kann.

Weitere Erklärungen und nachvollziehbare Einschätzungen lieferte der Ökonom Klaus Wellershoff. Er durfte auch noch zur Euro-Krise etwas sagen. Der Beitrag zum Währungstheoretiker, Euro-Erfinder und Nobelpreisträger Robert Mundell hing trotzdem etwas in der Luft. Der schwächste Teil der Sendung. Nicht wegen Mundell und dem Euro.

Stark dann wieder der Beitrag zum Immobilienbesitz der Schweizer Armee. Bundesrat Maurer jammert über finanzielle Engpässe, dabei ist die Schweizer Armee der grösste Immobilienbesitzer in der Schweiz. Sie braucht längst nicht mehr alle Liegenschaften. Bilanziert sind sie zum Anschaffungswert, können sie genutzt werden, wird das Milliarden in die Kasse spülen. Anschaulich, überraschend, relevant - was kann man von Journalismus mehr erwarten? (chb)