Nachruf
Bud Spencer ist tot (†86): Ruhe in Frieden, Dampfhammer!

Mit Bud Spencer ist einer der grossen Stars des Spaghettiwesterns verstorben.

Nicolas Drechsler
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Carlo Pedersoli, Künstlername Bud Spencer oder eben «Piedone», der Plattfuss, ist tot.

Carlo Pedersoli, Künstlername Bud Spencer oder eben «Piedone», der Plattfuss, ist tot.

Mondadori/Getty Images

«Komm wieder zu dir, sonst dreh ich dir die Murmel um!» Das ist mal ein Satz. Die Sprüche, die Bud Spencer seinen Filmgegnern entgegenschleuderte, sie waren mindestens so legendär wie die Prügel, die er austeilte. Carlo Pedersoli, wie er mit bürgerlichem Namen hiess, konnte draufhauen wie kein Zweiter. Die Sprüche, die in den deutschen Fassungen seiner Filme meist von Dialogautor Rainer Brandt stammen, zeichnen sich durch absolut schräge Bilder aus. «Ich glaub, mein Tintenfisch kleckert!» macht zwar nicht wirklich Sinn, lässt aber dennoch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Und dann diese aussergewöhnlichen Schlagtechniken, die bald schon eigene Namen trugen: die «Doppelbackpfeife», also das Zusammenklatschen der riesigen Hände, wobei sich zwischen den Pranken der Kopf des Gegners befindet. Oder der «Dampfhammer», bei dem die melonengrosse Faust schwungvoll und gerade von oben auf den Scheitel des Opfers geknallt wird. Dazu gehören natürlich auch die ad absurdum übertriebenen Soundeffekte. Und eben, vor und nach der Watsche gibt der 196-Zentimeter-Mann seinem Gegenüber noch einen lockeren Spruch mit auf den Weg ins Wachkoma.

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Bud Spencer

Keystone

So kannten und liebten wir Bud Spencer, ein Künstlername übrigens, der sich zusammensetzt aus Pedersolis Lieblingsschauspieler Spencer Tracy und dem Bier, das er gerade trank, als er den Namen erfand: Budweiser.

Vielschichtiger als gedacht

Nun ist Bud Spencer im Alter von 86 Jahren verstorben. Und nur die wenigsten wissen wohl noch, dass er einst Carlo Pedersoli hiess. Nun wird uns in Nachrufen in Erinnerung gerufen, dass er einst als Fabrikarbeiter, Bauarbeiter und Erfinder arbeitete. Er komponierte neapolitanische Lieder, schwamm an Olympischen Spielen die 100-Meter-Strecke und erfand eine dreiläufige Jagdflinte. Ach ja, ein Jurastudium schloss er auch mal ab, und seine erste Statistenrolle hatte er im Monumentalfilm «Quo vadis?». Aber seien wir ehrlich, nichts davon wird so nachhaltig in Erinnerung bleiben wie die Prügelei auf der Bowlingbahn in «Zwei ausser Rand und Band».

Bud Spencer stieg nicht als Einzelmaske zum Helden unserer Kindheit auf. Sondern zusammen mit seinem Film-Partner Terrence Hill, dem blauäugigsten, blondesten Italiener, der je gelebt hat. Hill, der meist den Part des Schlauen, Charmanten übernahm, ergänzte den ewig hungrigen, meist reizbaren, aber liebenswürdigen Riesen perfekt. Sie waren Asterix und Obelix ohne die Römer. Zu Anfang spielten die Filme meist im Wilden Westen, waren hart und weniger witzig. «Gott vergibt, Django nie» oder «Hügel der blutigen Stiefel» wurden beide in späteren Jahren neu vertont und teilweise neu geschnitten. Denn das Publikum kam durch nachfolgende Werke auf den Geschmack: Ja, man wollte Schlägereien und Brutalität, aber bitte völlig überzeichnet und vor allem: witzig.

Lektionen für das ganze Leben

Spencer war der Held unserer Kindheit, auch weil ihn unsere Mütter nicht mochten. Ein Filmnachmittag auf dem Sofa bei einem Schulkollegen war nicht vollständig ohne den durch die Türe gerufenen Satz: «Bud Spencer, wieso müsst ihr so was schauen?!» Bud war nicht nur gewaltbereit, er war auch ein Flegel. Man konnte bei ihm wichtige Dinge lernen, etwa über die Wichtigkeit des gründlichen Garens von Hülsenfrüchten: «Wenn die Bohnen nicht gar sind, dann ist nachher dein Sattel perforiert!» Oder wie man nach der Beichte der Aufforderung des Priesters nachkommt, in sich zu gehen und zu bereuen: «Mach ich, bin betroffen, und jetzt erteil mir die Absolution, sonst dreh’ ich dir den Riechpriemen weg!»

Die Kunst des poetischen Androhens von Prügeln aller Art, hier lief Bud Spencer jeweils zur Hochform auf. Ob er nun einen Polizisten in Miami spielte, ein Millionärs-Double in Rio de Janeiro oder einen Ganoven im Wilden Westen, Sätze wie «Dem beiss ich ’ne Beule in den Bart, dass ihm die Hose wegfliegt!» lehrten seine Gegner auf allen Kontinenten und in allen Epochen das Fürchten. Und begeisterten das Publikum. Da konnten sich unsere Mütter noch so lange darüber empören, dass wir nun Hosen auch mal als «Kackstelzen» bezeichneten oder uns liebevoll Sätze der Güteklasse «Bud» zuwarfen, wie etwa der gerne verwendete: «Wenn du mich nochmal duzt, hau ich dir ’ne Delle in die Gewürzgurke!»

Nun ist Carlo Pedersoli tot. Und wir würden ihm gerne zurufen, der Herr möge mit ihm gehen. Doch wie antwortete er schon in «Vier Fäuste für ein Halleluja» auf diesen frommen Wunsch: «Wir wollen keine Begleitung, wir gehen allein.»