Interview
Bruce Willis: «Ich bin bereit, den Hampelmann zu spielen»

Die Action-Komödie «Red 2» kommt in diesen Tagen in die Schweizer Kinos. «Die Nordwestschweiz» konnte mit Schauspieler Bruce Willis in einem exklusiven Interview über seinen neusten Film, Geld, Familie und das ewig Gleiche in seinem Beruf sprechen.

Marlène von Arx
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«Ich bereue überhaupt nichts. Ich habe in meinem Leben keinen Platz dafür»: Kinoheld Bruce Willis.

«Ich bereue überhaupt nichts. Ich habe in meinem Leben keinen Platz dafür»: Kinoheld Bruce Willis.

Keystone

Herr Willis, wer hätte das gedacht: Ein paar in die Jahre gekommene Schauspieler drehen zusammen eine Action-Komödie, und die ist so erfolgreich, dass eine Fortsetzung vonnöten ist.

Bruce Willis: Und «Red 2» ist noch besser als der erste: Wir bringen Action, Komödie und Romanze alles schön unter einen Hut. Nichts musste über die Klinge springen. Im Gegenteil: Es hat von allem mehr.

Das ist ja Ihre Spezialität – mehr vom Gleichen. Dieses Jahr haben Sie «Die Hard 5», «Red 2», G.I. Joe 2», «Sin City 2» im Angebot. Früher beklagten Sie sich darüber, Fortsetzungen machen zu müssen.

Das Film-Business ist ja auch nicht mehr das Gleiche. Nach dem ersten «Die Hard» schien es eine gute Idee zu sein, noch einen zu machen. Von Sequels sprach damals noch gar keiner. Wenn heute etwas Geld eingespielt hat, versucht man es halt gleich nochmals. Ich werde auch gut bezahlt dafür, aber die meisten von uns würden auch für weniger Geld vor die Kamera. Einfach, weil wir Freude an der Arbeit haben.

In «Red 2» sehnen Sie sich den Ruhestand herbei. Schauspieler wie Gene Hackman, Sean Connery und angeblich auch Jack Nicholson sind in Pension gegangen. Machen Sie sich darüber als Action-Star, der nicht jünger wird, auch Gedanken?

Nur, wenn ich danach gefragt werde. Ich habe immer noch Spass in Hollywood, arbeite immer noch gerne mit so tollen Profis zusammen wie in diesem Film. Solange man mich als anschaubar einstuft, solange ich die Leute noch unterhalten kann, werde ich das tun. Wenn ich da meinen Teil nicht mehr leiste, wird mir schon jemand Bescheid sagen. Das Ganze ist ja vor allem auch ein grosses Geschäft, das sich lohnen muss.

Wird das nie fad?

Nein, denn ich bin bereit, den Hampelmann zu spielen. Nicht nur vor der Kamera, auch zu Hause. Ich stolpere absichtlich, lasse mir das Wasser aus den Mundwinkeln das Kinn runterfliessen – vor allem meine eineinhalbjährige Tochter Mabel findet das ganz lustig.

Sie würden also nichts anders machen, wenn Sie nochmals anfangen könnten?

Nein, ich musste mich ja von Anfang an nicht sonderlich abquälen: Ich hatte Spass im Theater und in der TV-Serie «Moonlighting». Ich bereue überhaupt nichts. Ich habe in meinem Leben keinen Platz dafür. Ein erwachsener Mensch sollte sich ausleben und seine Entscheide auch akzeptieren können.

Wenn wir von Entscheiden sprechen: Sie haben damals als Republikaner den Entschluss unterstützt, dass die US-Truppen im Irak einmarschieren. Sind Sie jetzt auch für einen Eingriff in Syrien?

Ich habe den Irak-Krieg nie wirklich unterstützt, nur immer die Truppen. Krieg findet niemand gut. Man kann Krieg höchstens in einem Bürgerkrieg unterstützen, wenn man eine Seite wählen muss. Ich musste das nie. Wir leben in einer streitbaren Welt. Mehr habe ich zu Syrien an dieser Stelle nicht zu sagen.

Also reden wir wieder von «Red 2». Da tritt Catherine Zeta-Jones neu als Ihr Kryptonite – Ihre gehirnausschaltende Schwachstelle sozusagen – auf? Haben Sie auch so was?

Über Kryptonite weiss Superman besser Bescheid. Aber meine vier Töchter sind sicher meine Schwachstelle. Die kriegen von mir, was immer sie wollen – egal, wie standhaft ich bleiben will. «Papa machst du mir dies? Kaufst du mir das?» Da werde ich jedes Mal schwach.

Dabei erzählten Sie doch früher, wie hart Sie durchgreifen würden – vor allem wenn Ihre Mädchen mal Jungs nach Hause bringen.

Ich war mir eine Weile nicht sicher, ob meine Girls gut rauskommen werden, aber das sind sie zum Glück und ich bin sehr stolz auf sie. Und ja: Ich hätte gedacht, dass ich strenger mit ihren Boyfriends sein müsste, aber ich komme mit ihnen eigentlich gut aus. Ich musste nie einem den Marsch blasen. Meine Tochter Tallulah hatte zwar vor kurzem Knatsch mit ihrem Typen. Da sagte ich zu ihr, sie soll das alles nicht zu ernst nehmen, es werde sich schon einrenken. Viel mehr in die Details bin ich nicht gegangen, ich will ja auch nichts Falsches sagen.

Haben Sie selber auch einen Beziehungsberater, der Ihnen für Ihre Ehe mit einer 23 Jahre jüngeren Frau Tipps gibt?

Nein, meine Frau ist meine Beraterin. Ich frage sie sehr oft nach einem Ratschlag. Was ich anziehen soll oder nicht. Was wir essen sollen und was nicht. Wann Zeit für den Swimmingpool ist und wann nicht. Eigentlich frage ich sie bei allem um Rat. So kommen wir prima zusammen aus.

Von harter Kerl zu Hause also keine Spur?

Nein, meine Frau ist der Boss. Und je älter ich werde, desto emotionaler werde ich. Ich bin mittlerweile ziemlich nahe am Wasser gebaut. Es reicht schon, wenn etwas Berührendes im Fernsehen läuft. Wie die Olympiade zum Beispiel. Aber ich finde das nicht problematisch.

Sie wirken happy. Das war nicht immer so. Haben Sie inzwischen das Geheimnis eines glücklichen Lebens entdeckt?

Meine Frau hat viel mit diesem Geheimnis zu tun. Darüber hinaus habe ich lange nicht gewusst, wie ich damit umgehen soll, dass ich berühmt bin. Aber inzwischen habe ich gemerkt: Man darf sich einfach selber nicht zu ernst nehmen. Nett sein mit den Leuten, das Gegenüber mit Respekt behandeln und ein bisschen angewandte Bescheidenheit. Dann sieht die Welt doch gleich wieder viel besser aus.