Film
Brad Pitt kämpft gegen die Zombieplage, und sieht dabei grandios aus

Der Zombie-Apokalypse-Thriller «World War Z» hatte eine schwierige und teure Geburt – sehenswert ist er trotzdem. Und das liegt nicht nur an Brad Pitt.

Georges Wyrsch
Merken
Drucken
Teilen
UNO-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) rettet Ehefrau Karen (Mireille Enos) und seine Kinder vor einer Horde rasender Untoter. Paramount Pictures

UNO-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) rettet Ehefrau Karen (Mireille Enos) und seine Kinder vor einer Horde rasender Untoter. Paramount Pictures

Lange wurde gemunkelt, die eigentliche Katastrophe des epischen Zombiemassakers «World War Z» würde sich hinter den Kameras abspielen:

Zwischen dem Produzenten und Hauptdarsteller Brad Pitt und dem angeheuerten Schweizer Regisseur Marc Forster soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein, die Dreharbeiten verzögerten sich, zusätzliche Drehbuchautoren schrieben das Script um, die Kosten stiegen ins Unermessliche.

Zeitweise schien es, als stünden alle Beteiligten – nicht zuletzt die Paramount-Studios – schon vor dem Filmstart vor einem Scherbenhaufen.

Überraschend gut angelaufen

Doch die Schadenfreude der Schwarzmaler war verfrüht: «World War Z» hat nach einer langen Serie von internationalen Vorpremieren und einer aufwendigen Promotionskampagne dieses Wochenende an den amerikanischen und asiatischen Kinokassen überraschend gut abgeschnitten, und nach dem europäischen Start diese Woche dürften die Felle endgültig im Trockenen sein.

Kaum haben die Macher ihren Schweiss von der Stirn gewischt, kündigen sie auch bereits eine Fortsetzung des Stoffes an.

So bleibt die Frage, was dieser fertige Zombiefilm nun auf der künstlerischen Ebene taugt, und das ist angesichts der Umstände überraschend viel. Natürlich sieht man dem Endprodukt an, dass es zigfach überarbeitet wurde:

Etliche Handlungsstränge führen ins Nichts, vieles scheint nachträglich eingefügt, der gewählte Schluss wirkt wie eine Notlösung, und generell schwankt der Ton des Films ungelenk zwischen Horrorschocker, Action-Blockbuster, Weltuntergangs-Elegie und Sozialsatire.

Doch überraschenderweise ist der Film – gerade weil er als ein völlig unentwirrbarer Mischmasch daherkommt – rundum vergnüglich: Das Tempo wird bis kurz vor Schluss durchgehalten, und die zahlreichen Zombie-Horrormomente sind intensiv genug, um Genrefans bei der Stange zu halten.

Der Plot ist eine löchrige Hülle

Da stört es nicht weiter, dass der Plot nicht viel mehr ist als eine löchrige Hülle: Weltweit verwandeln sich riesige Menschenmassen in rasende Untote.

Brad Pitt wird mit der Aufgabe betraut, der Sache auf den Grund zu gehen. Er muss die Welt retten. Punkt.

Was auch immer die ursprüngliche Science-Fiction-Romanvorlage hergab, deren Rechte man bei Paramount für teures Geld erstand:

Von dem Stoff übrig geblieben sind lediglich überschaubar kurze Dialoge an der Grenze zu unfreiwilliger Komik und ein paar längere Szenen an diversen Orten auf dem Globus, die als Überbrückung dienen zwischen den spektakulären und gut geschnittenen Sequenzen, in denen die Zombies gleich zu Tausenden durchs Bild rennen.

Zum Regisseur Marc Forster lässt sich angesichts dieses Films sagen, dass er sich hier etwas besser aus der Affäre zieht als bei seinem misslungenen Bond-Streifen «Quantum of Solace»:

Er steht jetzt da mit einem enorm überteuerten B-Movie, das zwar nichtssagend ist, aber stets temporeich, kurzweilig und nach zahlreichen Überarbeitungen offensichtlich massenkompatibel. Was er ursprünglich für einen Film machen wollte, werden wir wohl nie erfahren.

Word War Z (USA 2013) 116 Min. Regie: Marc Forster. Ab Donnerstag im Kino.