Film
«Big Game»: Samuel L. Jackson als Präsident in der nordischen Kühlbox

Samuel L. Jackson spielt in «Big Game» einen US-Präsidenten, dessen Flugzeug in Finnland abstürzt. Der Film des Regisseurs Jalmari Helander ist der teuerste finnische Film aller Zeiten.

Hans Jürg Zinsli
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Samuel L. Jackson als US-Präsident.

Samuel L. Jackson als US-Präsident.

Nordwestschweiz

Manche Schauspieler sind wie Kinder. Sie machen jeden Klamauk mit, aber dann brauchen sie die starke Hand eines Regisseurs, um auf der Leinwand über sich hinauszuwachsen. Samuel L. Jackson ist so ein Schauspieler. Der 66-jährige US-Amerikaner hat in über 160 Filmen mitgespielt, darunter in so behämmerter Ausschussware wie «XXX» oder «Snakes on a Plane».

Sein Renommee verdankt Jackson Kultregisseur Quentin Tarantino. Dieser hatte ihn 1994 als alttestamentarisch daherschwadronierenden Killer in «Pulp Fiction» besetzt. Diese Rolle brachte Jackson seine erste und einzige Oscar-Nomination ein, und es ist auch diese Rolle, an der er bis heute gemessen wird. Jackson, könnte man sagen, war damals eine Art dunkelhäutiger Christoph Waltz: sehr ausführlich und sehr gefährlich.

Heute spielt Jackson in Filmen wie «Big Game» mit, wobei dieser Titel weniger Spielerei als vielmehr Grosswildjagd meint. Und tatsächlich verkörpert er einen Prachthirsch: Er ist der amerikanische Präsident, dessen Flugzeug über Finnland von Terroristen abgeschossen wird. Dank Rettungskapsel landet der Präsident irgendwo in den Wäldern von Lappland, wo er vom jungen Oskari (Onni Tommila) gefunden wird, der – als Zeichen der Mannwerdung – an seinem 13. Geburtstag ein grosses Tier aus dem Wald zurückbringen soll. Stellt sich allerdings heraus: Der Präsident ist im Grunde ebenfalls ein Waschlappen. Und so denkt man unweigerlich an Herbert Grönemeyers berühmte Songzeile: «Wann ist ein Mann ein Mann?»

Teuerster finnischer Film

Regisseur Jalmari Helander, der mit «Big Game» den teuersten finnischen Film aller Zeiten verantwortet, gibt die Antwort, indem er sein Heldenduo durchs Unterholz hetzt, sie in Flugzeug-Schleudersitze platziert, in fliegende Tiefkühltruhen setzt oder sie die Funktionen eines Gewehrs erlernen lässt. Das ist alles brutal überzeichnet, wirkt aber wie ein zweistündiger logikfreier Krampf. Und Samuel L. Jackson? Der steht in «Big Game» rum wie ein Ausserirdischer und hat selten einen geraden Satz zu sagen. Schade.

Big Game (USA 2015). 91 Min. Regie: Jalmari Helander. Ab Donnerstag im Kino.

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