50. Solothurner Filmtage
Berset: «Die Filmtage sind Seismographen unserer Befindlichkeit»

"Wer die Geschichte des Filmfestivals Solothurn kennt, versteht die Schweiz." Mit diesen Worten hat Bundesrat und Kulturminister Alain Berset am Donnerstagabend die 50. Solothurner Filmtage eröffnet

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 Bonsoir, Monsieur le Conseiller fédéral, Empfang von Alain Berset und Gattin Muriel Zeender, mit Christine Beerli (l., Präsidentin Solothurner Filmtage) und Direktorin Seraina Rohrer
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Bundesrat Alain Berset und seine Ehefrau Muriel Zeender Berset besuchen Solothurn, hier im Geleit von Christine Beerli und Seraina Rohrer
Bundesrat Alain Berset und seine Ehefrau Muriel Zeender Berset besuchen Solothurn, in Begleitung von Christine Beerli und Ivo Kummer
Bundesrat Alain Berset auf dem Roten Teppich
Bundesrat Alain Berset stellt sich den Fragen der Presse
Einen Moment Verschnaufspause für die Filmtage-Direktorin
Blitzlichtgewitter in Solothurn Die Direktorin hat sichtlich Spass mit den Fotografen.
Bundesrat Alain Berset stellt sich den Fragen der Presse
Bundesrat Alain Berset stellt sich den Fragen der Presse
Magistraler Handshake zwischen Bundesrat Alain Berset und Regierungsrat Peter Gomm
Seraina Rohrer bei ihrer Ansprache
Die Geburtstagsgäste – Volles Haus in der Reithalle
Die Geburtstagsgäste – Volles Haus in der Reithalle
Die Solothurner Filmtage sind eröffnet
Auch Schauspieler Bruno Ganz («Vitus», «Der Untergang») stattete dem Anlass einen Besuch ab
Bundesrat Alain Berset und seine Gattin begrüssen Schauspieler Bruno Ganz
Die Filmcrew vom Eröffnungsfilm
Ein Teil der Crew aus dem Eröffnungsfilm «Unter der Haut»
In der Stadt sieht alles nach Filmtagen aus.
Anstehen vor der Abendkasse des Landhauses
Filmtage-Besucher im Landhaus

Bonsoir, Monsieur le Conseiller fédéral, Empfang von Alain Berset und Gattin Muriel Zeender, mit Christine Beerli (l., Präsidentin Solothurner Filmtage) und Direktorin Seraina Rohrer

Hanspeter Bärtschi

Die Filme, die im Laufe der vergangenen 50 Jahre in Solothurn gezeigt worden sind, seien ein "faszinierendes Abbild unserer jüngeren Geschichte". Mehr noch: Berset bezeichnete die Filmtage, die am Donnerstag in einen einwöchigen Filmreigen starteten, als "Seismographen unserer Befindlichkeit". "Diese Begegnung mit uns selber - das ist das grosse Verdienst der Solothurner Filmtage."

Im Anschluss an den Festakt, der im Beisein zahlreicher Vertreter der Filmszene und der Politik über die Bühne ging, stand mit "Unter der Haut" (Regie Claudia Lorenz) der Eröffnungsfilm und erste Kandidat für den renommierten "Prix de Soleure" auf dem Programm.

Das Familiendrama mit Ursina Lardi und Dominique Jann in den Hauptrollen erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der sich in einen Mann verliebt und damit sich, seine Frau und seine Kinder in eine Krise stürzt.

Genug von "patriotischen Heimatfilmen"

In seiner Rede kam Berset auch auf die Anfänge der Filmtage zu sprechen. Im "Alten Schweizer Film" sei die Schweiz meist als eine Art "alpine Idylle" dargestellt worden. Im "Neuen Schweizer Film", der Hand in Hand mit der Gründung der Filmtage proklamiert worden war, erscheine die Schweiz als das vielfältige und komplexe Land, das sie sei.

Auch Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer erinnerte in ihrer Ansprache an die Anfänge, als die angereisten Männer "genug hatten von patriotischen Heimatfilmen". In einer witzigen Anekdote erinnerte Rohrer daran, dass für die Frauen 1966 ein "Damenprogramm mit Ausflug auf den Weissenstein" geplant gewesen sei, wo sie den Weitblick geübt hätten - während die Männer Wein tranken und wichtige Fragen stellten.

Das Jubiläum begehen die Filmtage mit einem speziellen Programm. So werden etwa in der Sektion "L'expérience Soleure" Filme der letzten 50 Jahre gezeigt, die in Solothurn besonders kontrovers diskutiert wurden.

184 Schweizer Filme

In ihren ersten Jahren waren die an den Filmtagen gezeigten Filme sehr politisch. "Die Schweiz und ihre Darstellung zu hinterfragen wurde bald eine Kernkompetenz von Schweizer Filmschaffenden", erzählte Direktorin Rohrer und erinnerte dabei etwa an den Film "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S." von Richard Dindo und Niklaus Meienberg.

Der Film löste eine Polemik aus, rief die Landesregierung auf den Plan, was zur Folge hatte, dass den Machern die Subventionen verweigert wurden.

Noch heute sei es wichtig, dass Filmemacher Fragen stellten und mit ihren Werken Kontroversen provozierten, fand Rohrer. Und Berset erinnerte mit Blick auf das Attentat auf das Pariser Satire-Magazin "Charlie Hebdo", dass die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit hochgehalten werden müssten.

Nach dem Eröffnungsabend am Donnerstag gehen die Filmtage am Freitag mit zahlreichen Vorführungen weiter, darunter etwa mit den Premieren von "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern", "Thomas Hirschhorn - Gramsci Monument" und "Usfahrt Oerlike". 184 Schweizer Filme werden insgesamt gezeigt, 32 davon sind Premieren.