Film
Bei den Special Effects heisst es ein Schritt zurück, um vorwärtszukommen

Digital erschaffene Filmfiguren überzeugen wie nie zuvor – weil bei diesen Special Effects auf echte Schauspieler zurückgegriffen wird.

Lory Roebuck
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Schauspieler Andy Serkins in seinem Performance-Capture-Anzug und der Affe Cesar in «Planet der Affen».

Schauspieler Andy Serkins in seinem Performance-Capture-Anzug und der Affe Cesar in «Planet der Affen».

David James/AP

Spezialeffekte können uns in wundersame Filmwelten entführen. Sie können aber auch unser Filmerlebnis zerstören. Inzwischen fällt uns schnell auf, wenn eine Szene komplett aus der Konserve stammt. Wenn sich Roboter auf einem futuristischen Planeten mit Aliens prügeln, wähnen wir uns in einem Videospiel. Sobald wir merken, dass jedes Element im Computer entstand – statt auf einem realen Filmset –, ist es vorbei mit der Filmillusion. Die Künstlichkeit lässt uns kalt. Weil die Schauplätze unecht sind, und die Figuren seelenlos.

Glücklicherweise entfernt sich Hollywood zunehmend von diesem hohlen Spektakel. Immer raffiniertere Filmeffekte lassen heute die Grenzen zwischen Echt und Unecht verschwimmen. Der Film «Planet der Affen: Revolution» beispielsweise beginnt mit einer Nahaufnahme ein paar überraschend ausdrucksstarker Augen. Überraschend, weil diese Augen einem Affen gehören, der im Computer animiert wurde. Jahrelang wurden bei digitalen Filmfiguren die leblosen Augen bemängelt. Doch die Augen dieses Affen schaffen es tatsächlich, eine Figur mit einer Seele erkennbar zu machen.

Die Zeiten sind vorbei, als Schauspieler auf dem Filmset noch mit Tennisbällen und anderen leblosen Markern interagieren mussten, die anzeigten, wo später die digitale Figur eingefügt wird. In «Planet der Affen: Revolution» steckt hinter dem Computer-Affen ein echter Schauspieler: Andy Serkis. Der 50-jährige Brite ist bereits in die Haut von computeranimierten Wesen wie Gollum in «The Lord of the Rings» und King Kong geschlüpft. Was digitale Filmfiguren angeht, ist er die Referenz.

Der Experte für digitale Figuren

Und so vollzieht sich seine Verwandlung: Auf dem Filmset hüpft Serkis jeweils in einem grauen Gymnastikanzug umher, der wie sein Gesicht mit reflektierenden Punkten übersät ist. Ein Computer erfasst die Bewegung der Punkte und damit Serkis’ Gestik und Mimik. Die Effektspezialisten übertragen das dann auf die digitale Figur und erwecken sie so zum Leben. Performance Capturing heisst dieses Verfahren. «In vielerlei Hinsicht ist Andy dafür verantwortlich, dass aus dieser Technologie namens Performance Capturing eine Kunst wurde», sagt uns Dan Lemmon. Der Amerikaner hat die visuellen Effekte von «Planet der Affen: Revolution» gestaltet und Serkis durch all seine Performance-Capture-Auftritte begleitet.

Wir treffen Lemmon und Serkis an den Hamilton Behind the Camera Awards in Los Angeles, einer Veranstaltung der Schweizer Uhrenmarke Hamilton, die jedes Jahr die Kräfte hinter den Filmkulissen auszeichnet. Serkis ist gekommen, um Lemmon einen Preis für die Effekte in «Planet der Affen: Revolution» zu überreichen. Ein tolles Gefühl für beide, nachdem ihre intensive Zusammenarbeit Caesar, den Hauptaffen, im Film zum Leben erweckt hat. «Diesen Preis hat sich Dan verdient», sagt uns Serkis. «Denn er versteht die Kultur von Performance Capturing. Ihm geht es nie ums reine Spektakel – sondern um die Glaubwürdigkeit der Figuren und ihrer Emotionen.»

Echte Schauspieler sind gefragt

In ihrem Film dauert es ganze 13 Minuten, bis neben den Affen auch der erste Mensch auftritt. Doch das Geschehen reisst uns von der ersten Sekunde an mit. Weil diese Affen so echt wirken. «Wir sind sehr weit gekommen, indem wir einen grossen Schritt zurück gemacht haben», erklärt Lemmon. «Der Hauptgedanke hinter unserer Arbeit ist, dass Regisseure wieder mit echten Schauspielern arbeiten. Und mit ihnen auf echten Sets Szenen proben und aufnehmen – genau wie bei Filmen ohne digitale Figuren.»

Digitale Figuren machen echte Schauspieler also nicht etwa überflüssig, wie oft befürchtet wurde, sondern sind genau wie herkömmliche Rollen auf gutes Casting angewiesen. «Diese Art von Schauspielerei ist nicht Technologie, sondern Kunst», sagt Serkis. Und es ist ihm wichtig anzumerken, dass Performance Capturing kein Beschiss an seinem Beruf ist. «Kritiker vergleichen uns oft mit Sportlern, die ihre Leistungen mit Dopingmitteln verbessern. Aber Performance Capturing ist kein Doping. Es verstärkt die Schauspielleistung nicht, sondern veranschaulicht sie.»

Jede Regung der digitalen Figur kreiert am Anfang der Schauspieler. «Der Begriff ‹Urheberschaft› ist mir hier ganz wichtig», sagt Serkis. «Dan und sein Team interpretieren das Spiel von uns Darstellern. Wir sind es, die die Figuren erschaffen – vor Ort, auf dem Set.»

Was liegt noch drin?

Die gesamte Last von «Planet der Affen: Revolution» liegt auf den Schultern von Caesar und anderen digitalen Affen. Dass wir Zuschauer kein einziges Mal an der Illusion des Gezeigten zweifeln, ist ein Beleg dafür, dass Performance Capturing funktioniert. Ob Affe, Alien oder Fantasywesen: Die digitalen Figuren sind glaubwürdig, weil ihre Darsteller unter der digitalen Haut spürbar bleiben.

Für Effekte-Gurus wie Lemmon geht es in Zukunft vor allem darum, die Details zu perfektionieren: «Wir arbeiten daran, viele kleine Dinge zu optimieren, zum Beispiel, wie sich der Wind auf die Bewegung der Fellhaare auswirkt. Und wir wollen, dass die digitalen Figuren ihren Schauspielern noch mehr ähneln und ihre Physiognomie noch genauer aufnehmen.» Die Kollaboration zwischen Schauspieler und Computer nähert sich dem Grad der Vollkommenheit.

Planet der Affen: Revolution (USA 2014). DVD und Blu-ray neu erschienen bei Twentieth Century Fox Home Entertainment.