Baden
Zutritt nur mit Covid-Zertifikat, drinnen fallen die Masken: Was die Zuschauer am Fantoche-Festival erwartet

Nur wer ein Covid-Zertifikat vorweisen kann, erhält Zutritt zum Animationsfilmfestival in Baden. Warum Direktorin ­Annette Schindler damit einen anderen Weg einschlägt als die Kinos und was die Besucher sonst so erwartet. Der Überblick.

Daniel Fuchs
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Äusserst erfolgreich, aber nicht mehr ganz neu: «Wolfwalkers» eröffnet die diesjährige Fantoche-Ausgabe.

Äusserst erfolgreich, aber nicht mehr ganz neu: «Wolfwalkers» eröffnet die diesjährige Fantoche-Ausgabe.

Bild: Zvg

In Kinos gehört die Maske zum obligatorischen Utensil. Die Besucher der kommenden Ausgabe des Animationsfilmfestival Fantoche in Baden dürfen diese in der Hosentasche stecken lassen. Während sich die Kinos schwer tun mit einer Zertifikatspflicht, erhält am Fantoche nur Zutritt ins Kino, wer geimpft, genesen oder negativ getestet worden ist. Dafür fällt drinnen das Maskenobligatorium.

Anlässlich der Pressekonferenz am Dienstag in Zürich sagte Fantoche-Direktorin Annette Schindler: «Wir wollen unseren Besuchern, Helfern und Gästen das sicherst mögliche Festivalerlebnis bieten und dafür erscheint uns die Zertifikatspflicht der sinnvollste Weg.»

Noch eine zehnte Ausgabe, danach ist Schluss: Fantoche-Direktorin Annette Schindler.

Noch eine zehnte Ausgabe, danach ist Schluss: Fantoche-Direktorin Annette Schindler.

Bild: Zvg

Mutiger Entscheid einer ­Direktorin, die abtritt

Baden geht damit neue Wege. Generell wollen sich die Kinos mit Einschränkungen wie einer Covidzertifikatspflicht nicht das Geschäft verderben. Manche ungeimpfte Festivalgänger würden sich wegen der Zertifikatspflicht von einem Fantoche-Besuch abschrecken lassen, ist sich Schindler bewusst. Dasselbe gelte jedoch auch umgekehrt. Bei Veranstaltungen ohne Zertifikatspflicht seien es einfach diejenigen, denen unter Ungeimpften oder Ungetesteten nicht wohl sei, die zu Hause blieben.

Im vergangenen Jahr hatte das Fantoche Baden das Glück des richtigen Zeitpunkts. Das Fantoche und das etwas später stattfindende Zürcher Filmfestival ZFF fielen in eine Zeitspanne der Entspannung. Von Zertifikatspflicht war damals freilich nicht die Rede, eine Impfung schien in weiter Ferne. Dafür war den Verantwortlichen um Schindler mit der ursprünglich geplanten blossen Maskenempfehlung schliesslich doch nicht mehr wohl. Kurzfristig erliessen sie zu Festivalbeginn ein Maskenobligatorium.

Keine Masken mehr in diesem Jahr also – die Pandemiebedingungen hätten sich innert eines Jahres komplett verändert, sagte Anette Schindler. Und so gibt es das Fantoche auch dieses Jahr zum Teil online. Während des Festivalzeitraums können Interessierte aus der ganzen Schweiz die Beiträge der drei zentralen Kurzfilmwettbewerbe von der ganzen Schweiz aus streamen. Die Tickets, sowohl für die Online-Vorführungen als auch für diejenigen vor Ort, gibt es ab sofort.

Gibt es auch bei Apple TV+: Wolfwalkers eröffnet das «Fantoche» Baden 2021.

Quelle: Youtube

Schindler, die vor ihrer zehnten Fantoche-Ausgabe steht, tritt danach zurück und übergibt die Leitung ihrer Nachfolgerin Ivana Kvesić. In Zürich betonte Schindler, dass sich Schutzvorkehrungen bis zum Beginn noch ändern könnten. Das Programm allerdings steht. Neben den drei Wettbewerbsreihen mit insgesamt 76 Kurzfilmen strich Schindler die Highlights hervor.

Pandemieausgabe ohne Filme direkt zum Thema

Ein Themenschwerpunkt der diesjährigen Ausgabe heisst «Un monde fragile». Darunter fallen Filme, die zwar nicht direkt die Pandemie thematisieren, aber doch zeigen, wie schnell Gewissheiten plötzlich weichen müssen. «Wie kein anderes Genre kann der Animationsfilm die Fragilität und Ungewissheit unserer Welt zeigen», sagte Schindler.

Ein weiteres Highlight: «My Sunny Mad» spielt im Umfeld der afghanischen Taliban.

Quelle: Youtube

Der zweite Themenschwerpunkt widmet sich dem ungarischen Animationsfilmschaffen. Dazu gehört sowohl eine Retrospektive und eine Masterclass mit der ungarischen Filmemacherin Réka Bucsi, eine Wohlbekannte am Badener Festival. Daneben widmet sich das Fantoche in einer Kontroverse über weibliche Filmemacherinnen dem Schweizer Animationsfilm, der heuer seinen 100-jährigen Geburtstag feiert.

Unter dem Label «Coming Soon» gibt der «Ma vie de courgette»-Regisseur Claude Barras Einblick in seinen neuen Film «Sauvages!», der demnächst erscheinen soll. Eröffnet wird das Fantoche mit einem von insgesamt 11 Langfilmen, dem äusserst erfolgreichen, aber nicht ganz neuen «Wolfwalkers».

Fantoche, int. Festival für Animationsfilm in Baden. 7. bis 12. September. Infos, Programm und Tickets: fantoche.ch.

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