Letzte Folge
Am Dienstag löst Matula seinen letzten Fall für Zwei

Der kommende Dienstag ist ein trauriger Tag. Nach 32 Jahren ist die Zeit gekommen, der wahrscheinlich grossartigsten Krimiserie der westlichen Welt für immer Adieu zu sagen. Nachruf auf den «Fall für zwei».

Fabian Sommer
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Claus Theo Gärtner. ho

Claus Theo Gärtner. ho

Es ist Spätsommer 1981, als sich Lady Diana und Prinz Charles in London das Ja-Wort geben. Frankreich schafft die Todesstrafe ab, und der ABBA-Song «Super Trouper» steht an der Spitze der Hitparade.

Ungefähr zur selben Zeit passiert auch in der deutschen Stadt Frankfurt am Main Geschichtsträchtiges: Der Polizist Josef Matula wird vom Dienst suspendiert und beschliesst auf Anraten des Anwalts Dr. Dieter Renz, Privatdetektiv zu werden. Karl-Heinz Willschrei und Georg Althammer erfinden die wahrscheinlich grossartigste Krimiserie der westlichen Welt: «Ein Fall für zwei». Sendestart ist am 11. September 1981.

Claus Theo Gärtner (damals 38) spielt den unerschrockenen, lederbejackten Privatdetektiv Matula, Günter Strack (damals 52) den ebenso beleibten wie belesenen Rechtsanwalt Renz. Und das ungleiche Duo ist für Krimiserien im deutschsprachigen Fernsehen geradezu revolutionär. Waren bisher stets Vertreter der Staatsgewalt (Polizisten, Staatsanwälte) Helden der TV-Krimis, sind es beim «Fall für zwei» plötzlich ein Anwalt und ein Privatschnüffler, die gemeinsam zu Unrecht Verdächtigte aus den Fängen der Justiz befreien – und die wahren Verbrecher überführen.

Nicht selten sind Polizisten beim «Fall für zwei» unsympathische oder gar bestechliche Klugscheisser, die sich von Anwalt und Detektiv belehren lassen müssen. Nicht alles, was vom Staat kommt – und das ist, was uns die Serie lehrt –, ist gut und gerecht.

Ohne Gärtner geht es nicht

«Ein Fall für zwei» erteilt uns seit 32 (!) Jahren und 299 Folgen eine weitere, womöglich noch wichtigere Lektion: Die vermeintlich Bösen sind nicht immer böse – und die vermeintlich Guten oft hinterhältig und durchtrieben. Jedes erdenkliche urbane Milieu war schon Schauplatz einer Story – und nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Die kleinen Huren, Säufer und Drogendealer sind meist arme Schweine, aber keine Mörder. Kaltblütig töten viel öfter die feinen Damen und Herren aus den Reichensiedlungen, die ihren unedlen Charakter gern in edles Tuch hüllen. Am Ende, und man darf Matula und dem Anwalt dafür dankbar sein, siegt immer die Gerechtigkeit.

Nichts als gerecht ist auch der Entscheid, den das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) kürzlich gefällt hat. Weil der mittlerweile 69-jährige Claus Theo Gärtner nach 32 Jahren, 300 Folgen und über 3200 Drehtagen die engen Matula-Jeans definitiv an den Nagel hängt, versetzt der Sender gleich der ganzen Serie den Todesstoss. Man könnte sich den «Fall für zwei» ohne ihn, der in jeder Folge mindestens einmal verprügelt wird, immer knapp bei Kasse ist und bei jeder Gelegenheit Billard spielt, schlicht nicht vorstellen.

Vier Anwälte hat Gärtner, der mit der Schweizer Regisseurin Sarah Gärtner-Würgler (35) verheiratet ist und deshalb oft in Basel weilt, als Matula überlebt. Egal, ob Dr. Renz (Günter Strack, 1981–1986), Dr. Franck (Rainer Hunold, 1988–1997), Dr. Voss (Mathias Herrmann, 1997–2000) oder Dr. Lessing (Paul Frielinghaus, 2000–2013): Neben ihm sahen alle ein bisschen alt aus – selbst wenn sie jünger waren als er.

Mit der Lederjacke, der «Günter-Netzer-Gedächtnisfrisur» und seinem Umgang mit Frauen sei er ein Relikt längst vergangener Zeiten, schreibt der «Spiegel». «Erstaunlicherweise ist Matula aber nicht alt geworden, sondern zeitlos.» Dem ist nichts anzufügen.

Der letzte «Fall für zwei»: In «Letzte Worte» (26. März, 20.05 Uhr, SRF 1) geraten Matula und Lessing in eine tödliche Falle. Ob sie überleben? Alle alten Folgen sind auf DVD im Handel erhältlich.

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