TV-Kritik
«Aeschbacher»: Frisch, wie der Puder in seinem Gesicht

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

Merken
Drucken
Teilen

Es ist schon erstaunlich: Seit zehn Jahren begrüsst Kurt Aeschbacher seine Zuschauer jeden Donnerstag Abend um 22.20 Uhr «zu einer Stunde des gepflegten Talks» - und die Leute schalten immer noch ein.

Aeschbacher ist sicher mit dem Alter weicher geworden, böse Zungen würden es tuntig nennen. Bei der Ankündigung seiner ersten Talkgäste - zwei Brüder aus dem Rheintal, die mit Luxusjachten über die Weltmeere schippern - spricht der 62-Jährige zuweilen wie ein Märchenonkel, der eine Gutenachtgeschichte erzählt.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

AZ

Zuckersüss wie in einem Bonbonladen ist neben seiner Sprache auch die rot-weiss-gepunktete Krawatte, die Christian Gross' Ex-Frau Mona später mit den Worten kommentiert: «Wäre ich verliebt, ich würde sogar ihre Krawatte mögen.»

Was das SF-Urgestein aber auch heute noch beherrscht wie kaum ein anderer sind die Interviews. Seine Neugier wirkt dabei immer noch frisch, wie der Puder auf seinem Gesicht. Er stellt die Fragen, die den Zuschauern auf der Zunge brennen, hört aufmerksam zu, hakt nach und entlockt seinen Gästen das eine oder andere Geheimnis.

So verrät der Pilot der Luxusjacht - obwohl er dies eigentlich nicht darf - dass er Schauspieler Tom Hanks schon auf seiner Reling stand, der palästinensische Autor lässt sich zu einem politischen Statement für den Aufbruch hinreissen und Mona Gross schwärmt wie ein verliebter Teenager von ihrem Ex-Mann.

Menschen «wie Du und ich», illuster, nicht unbedingt prominent - das Versprechen der Sendung löst das «Aeschbacher-Team» ein. Clever auch, dass der prominenteste Talk-Gast jeweils am Schluss der stündigen Ausstrahlung zum Zug kommt. So bleibt der Zuschauer auch hängen, wenn es mit einem Gesprächsgast mal harzt.

Das Konzept zahlt sich aus. «Aeschbacher» lockt regelmässig über 280 000 Menschen vor die Bildschirme - und dies um eine Zeit, wo man sich normalerweise ins Bett verabschiedet. Und so ist es gut möglich, dass der «Aeschbi» weitere zehn Jahre Dauergast in den Schweizer Stuben ist. (jep)