Film über Schweizer Nobelpreisträger floppt wegen Corona – dabei wäre die Story super

Ein Dokfilm über den Westschweizer Nobelpreisträger Jacques Dubochet findet in der Deutschschweiz kaum Beachtung. Zu Unrecht.

Daniel Fuchs
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Gemeinsame Sache: Jacques Dubochet und Greta Thunberg.

Gemeinsame Sache: Jacques Dubochet und Greta Thunberg.

Bild: Getty

Ohne Corona würde manch ein Film die Aufmerksamkeit erhalten, die er verdient. So der diese Woche im Kino gestartete Dok «Citoyen Nobel» des Westschweizer Filmemachers Sté­phane Goël. An den Solothurner Filmtagen rannte das Publikum des Films über den Lausanner Chemie-Nobelpreisträger Jacques Dubochet den Saal ein.

Zwischen Sankt Nikolaus und Professor Bienlein

Dubochet war vor Ort und ein Publikumsmagnet. Dubochet eilt sein Ruf voraus. Mit seinem kauzigen Charme – Freunde sollen ihn irgendwo zwischen Sankt Nikolaus und Professor Bienlein aus «Tim und Struppi» verorten – und seinem Witz hat er das Zeug, selbst aus Klima-Leugnern Aktivisten zu machen.

Diese Woche ein eher tristes Bild: Vorpremieren in Basel und Bern mit Liveschaltungen zu Dubochet in Basel und Bern: Mangels Publikumsinteresse abgesagt oder kaum besucht. In einer Vorstellung waren wir die einzigen Zuschauer. Und sahen in anderthalb Stunden einen Jacques Dubochet als Wissenschafter, Lokalpolitiker, Klimaaktivisten. Den Nobelpreis erhielten Dubochet und zwei Mitstreiter für ihre Entwicklung eines Verfahrens, das Biomoleküle sichtbar macht.

Dubochet wurde über Nacht zum Star. Den Ruhm stellt er in den Dienst seines gesellschaftlichen Engagements. Der 78-Jährige hilft Migranten, sich zu integrieren, und unterstützt die Klimajugend.

Altersmilde ist nicht zu erkennen

Das globale Problem des überhitzten Planeten bringt er in seiner Heimgemeinde Morges VD ein. Dort sitzt er im Gemeinderat. Altersmilde ist nicht zu erkennen, wenn er von anderen Politikern Handeln einfordert. Kompromisslosigkeit in der Sache und das ständige Hinterfragen, etwa wenn es um den Nutzen seiner Bekanntheit geht, sind die starken Momente des Films.

Leider fokussiert er im letzten Drittel stark auf Dubochets Kampf an der Seite von Greta Thunberg. Das ist zwar sympathisch, doch daneben geht ein weiterer Punkt leider vollkommen unter: Über die Wissenschaft im Dienste der Medizin für alle statt für wenige, Dubochets drittes Steckenpferd neben dem Klima und der Migration, hätte man gern mehr erfahren.

Citoyen Nobel (CH 2020, 90 Min.); R: Stéphane Goël; jetzt im Kino.

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