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FILM: Floridas Schattenseiten

Billigmotels und kleine Gaunereien: «The Florida Project» erzählt aus der Perspektive von Kindern von einem Amerika jenseits von Disney World.
Willem Dafoe als Manager des «Magic Castle». (Bild: Filmcoopi)

Willem Dafoe als Manager des «Magic Castle». (Bild: Filmcoopi)

Die Häuser sind lila und türkis, der Himmel blau und das Gras grün. Der Highway grau wie überall. Die Sonne steht hoch, weshalb Moonee und Scootey irgendwo in der weiten Anlage des Motels «Magic Castle» Schutz suchen. In wenigen Einstellungen etabliert der Spielfilm «The Florida Project» eine Welt, die in all ihrer Sommerferienidylle einen Hauch von Verfall atmet.

Schauplatz ist die Umgebung des Motels am Highway 192 in Orlando. Disney World ist einen Katzensprung entfernt. Hauptprotagonisten sind die Kinder, die mit ihren Familien – meist mit ihren Müttern – in einem der vielen Zimmer hausen. Touristen hat das «Magic Castle» schon lange keine mehr gesehen.

35 Dollar fürs Zimmer, Tag für Tag

Sean Baker, geboren 1971, ist ein Independent-Filmemacher durch und durch. Und ein Autorenfilmer, der die Fäden seiner Projekte in den eigenen Händen hält. Auch sein letzter Spielfilm «Tangerine» versprüht eine Art dokumentarischen Realismus, angesiedelt in der Welt von zwei Transgender-Prostituierten in L. A., unweit der Hollywood-Lettern. Mit dem Studiofilmkino der Traumfabrik haben Bakers Filme freilich gar nichts gemein.

«The Florida Project» ist weniger exaltiert als die Liebeskomödie «Tangerine». Ganz aus der Perspektive der Kinder erzählen Baker und sein Co-Drehbuchautor Chris Bergoch von den langwierigen Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise auf die unteren Gesellschaftsschichten. Die etwa sechsjährige Moonee und ihre junge Mutter Halley leben seit einiger Zeit im «Magic Castle». Halley ist arbeitslos, und doch müssen sie jeden Tag die 35 Dollar fürs Zimmer zusammenbekommen. Bobby, der Manager, ist so etwas wie die gute Seele des Hauses. Er ist zurückhaltend, fair. Man merkt, dass ihm das Schicksal der Bewohner am Herzen liegt. Willem Dafoe ist als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert. In der für ihn eher ungewöhnlichen Rolle des Bobby und in der Zusammenarbeit mit Laien oder zumindest unerfahrenen Schauspielern kann er eine neue Facette von sich zeigen.

Nahe der Billigmotels gibt es eine öde Häuserzeile. Im letztjährigen Oscar-Gewinner «Moonlight» versteckt sich Little in einem solchen Drogenloch vor seinen Mitschülern, wo er vom Drogendealer Juan aufgegriffen wird, der sich fortan um den Knaben kümmert. In «The Florida Project» führt eine Erkundungstour die Kinder dorthin, was auch Einfluss auf den dramatischen Verlauf der Geschichte hat. Auch in der Farb- und Lichtinszenierung gibt es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen.

Hauptfiguren sprühen vor Leben

Bei all dem ist «The Florida Project» alles andere als ein trauriger Film. Die Hauptfiguren sprühen vor Leben, ihr Umgang rührt zutiefst. Halley ist geduldig, verliert gegenüber Moonee nie die Fassung und ist für jeden Spass zu haben. Sie ist eine gute Mutter, wenn auch selbst noch ein Kind. Gemeinsam halten sie sich mit kleinen Gaunereien über Wasser. Bis auch das nicht mehr reicht und man sich schon fragt, wieso Moonee eigentlich dauernd bei geschlossener Tür und lautem Hip-Hop in der Badewanne sitzt.

Regina Grüter

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