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FILM: Die tausend Gesichter des Überwachungsstaates

Unter dem Titel «Nothing to Hide?» zeigt das Kinok zum Stück «Lugano Paradiso» und zur Ausstellung «Protection» von Bettina Pousttchi eine Filmreihe zum Thema Überwachung.
Walter Gasperi

Virulent wurde das Thema «Bespitzelung des Staatsbürgers» in der Schweiz Anfang der 1990er-Jahre durch die Fichenaffäre. Schon 1994 arbeitete Ivan Schumacher diesen Skandal in seinem Dokumentarfilm «Gasser & Gasser» auf.

In der Filmgeschichte lässt sich das Thema bis zu Fritz Langs «Metropolis» (1927) und Charlie Chaplins «Modern Times» (1936) zurückverfolgen. Wie hier Konzernchefs, versuchten mit fortschreitender Technik auch Staaten zunehmend stärker auf das Individuum zuzugreifen. Florian Henckel von Donnersmarck evoziert in seinem Drama «Das Leben der Anderen» (2006) beklemmend die Atmosphäre der DDR der frühen 1980er-Jahre. Bestechend durchleuchtet der Oscar-Preisträger das Bespitzelungssystem der Stasi, die Abhängigkeiten und die Mechanismen der Unterdrückung im Arbeiter- und Bauernstaat.

Von US-Paranoia zu Edward Snowden

Im Gegensatz zu diesem retro­spektiven Blick auf die DDR reagierten US-Regisseure in den 1970er-Jahren direkt auf die Verunsicherung, die der Vietnam-Krieg, die Watergate-Affäre und weitere Skandale auslösten. Nicht nur Alan J. Pakula in «The Parallex View» (1974) und Sydney Pollack in «Three Days of the Condor» (1975) verarbeiteten diese Zeitstimmung, sondern vor allem Francis Ford Coppola. In dessen «The Conversation» (1974) muss ein Abhörspezialist, der ins Privatleben anderer eindringt, zunehmend befürchten, selbst überwacht zu werden.

Wie der deutsche Staat heute durch verdeckte Ermittler ins Private eingreift, zeigen dagegen Hannes Obens und Claudia Morar, die in ihrem Dokumentarfilm «Im inneren Kreis» (2017) der Überwachung der «linken Szene» nachspüren. Wie weit verbreitet diese Überwachung der Bürger durch die Geheimdienste ist, machte 2013 Edward Snowden publik. Lara Poitras hält in ihrem mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm «Citizenfour» (2014) das Interview, das der Whistleblower im Juni 2013 den «Guardian»-Journalisten Glenn Greenwald und Ewen ­MacAskill in einem Hotelzimmer in Hongkong gab, mit der Kamera fest.

Ganz von aussen gelenkt werden dagegen die Menschen in Rainer Werner Fassbinders «Matrix»-Vorläufer «Welt am Draht» (1973). Wie im fast 30 Jahre später entstandenen US-Blockbuster leben die Protagonisten in einer künstlichen Welt, die mit Hilfe eines Supercomputers geschaffen wurde, wissen selbst aber nicht, dass sie nur elektronisch exis­tieren.

Pre-Crime: Prävention von Verbrechen

Dass inzwischen in die Tat umgesetzt wird, was 2002 in Steven Spielbergs «Minority Report» noch Science-Fiction war, zeigen Monika Hielscher und Matthias Heeder in ihrem Dokumentarfilm «Pre-Crime» (2017). Hielscher und Heeder blicken hinter die Verbrechensbekämpfung mittels Datenspeicherung und die vorzeitige Verhaftung zukünftiger Täter. Durchaus Zweifel an dieser Methode lassen dabei aber die Interviews mit Experten aufkommen, denn die Technik ist sehr fehleranfällig, auch wenn die Hersteller dies ausklammern.

Im Kunstraum der Lokremise ist die Ausstellung «Protection» der Künstlerin Bettina Pousttchi zu sehen, in der es ebenfalls um Themen der Überwachung geht.

Walter Gasperi

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Hinweis

Lokremise: Programm unter lokremise.ch

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