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FILM: Der Zauber morbider Grandezza

Seit den Anfängen des Kinos ist Venedig beliebter Schauplatz von Filmen unterschiedlichster Genres. Das St. Galler Kinok beschwört mit einer Filmreihe den melancholischen Charme der Lagunenstadt.
Szene aus Lasse Hallströms Film «Casanova» mit Heath Ledger aus dem Jahr 2005. (Bild: Walt Disney)

Szene aus Lasse Hallströms Film «Casanova» mit Heath Ledger aus dem Jahr 2005. (Bild: Walt Disney)

Längst sind die Zeiten vorbei, als die von einem Dogen regierte Stadtrepublik eine Weltmacht war, doch gerade die Stimmung des Verfalls, die Ambivalenz zwischen glanzvollen Bauten und ihrem langsamen Untergang im Meer, macht Venedig immer noch zum Traumziel von Millionen von Touristen.

Dass dieser Boom der «Serenissima» – der «Durchlauchtesten» – für die Bewohner längst zum Fluch geworden ist, zeigt Andreas Pichler in seinem Dokumentarfilm «Das Venedig-Prinzip» (2012). Am Beispiel einiger Venezianer macht Pichler deutlich, mit welchen Problemen Venedig zu kämpfen hat. Nicht nur die Bausubstanz verschlechtert sich nämlich kontinuierlich, sondern auch Abwanderung bedroht die Stadt. Ihre Bevölkerungszahl ist seit dem Zweiten Weltkrieg von 175000 auf noch 55000 gesunken.

An die glanzvollen Zeiten erinnert dagegen Lasse Hallströms «Casanova» (2005), der mit dem früh verstorbenen Heath Ledger in der Hauptrolle vor der malerischen Kulisse eine prächtig ausgestattete romantische Komödie um die Jugendjahre des legendären venezianischen Liebhabers (1725–1798) drehte. Mit der historischen Realität mag das wenig zu tun haben, bietet aber schwungvolle Unterhaltung.

Emanzipationsgeschichten und Thriller

Einen Gegenpol zu diesem farbenprächtigen Film bildet der deutsche Spielfilm «Die Rote» (1962). In melancholischen Schwarzweissbildern erzählt Helmut Käutner in seiner bei der Uraufführung heftig kritisierten Verfilmung des gleichnamigen Romans von Alfred Andersch von einer jungen Deutschen, die aus ihrer unglücklichen bürgerlichen Existenz im Nachkriegsdeutschland ausbricht und in Venedig ­einen Neuanfang versucht. Ungewollt wird dagegen die Protagonistin von Silvio Soldinis hinreissender Komödie «Pane e tulipane» (2000) zunächst aus ihrem Alltagstrott als Mutter und Hausfrau herausgerissen. Der Abstecher nach Venedig bringt aber eine Wende in ihrem Leben, denn nicht zuletzt unter dem Einfluss des Ambientes blüht sie langsam auf, emanzipiert und verliebt sich.

Als düsterer Irrgarten präsentiert sich die Lagunenstadt in Nicholas Roegs brillant fotografiertem Thriller «Don’t Look Now» (1973). Wie hier ein britischer Restaurator nach dem Tod seiner Tochter, erfüllt von Trauer und Schmerz, bei einem Auftrag in Venedig in einen Albtraum stürzt, ist ein ebenso irritierender wie faszinierender Sehgenuss.

Todesahnung kontra jugendliche Schönheit

Vergänglichkeit und nahender Tod ist Filmen über Venedig oft eingeschrieben und wird über den Schauplatz vielfach auch den Protagonisten bewusst. Kein anderer hat freilich dieses Motiv so weit getrieben wie Luchino Visconti mit seiner Thomas-Mann-Verfilmung «Morte a Venezia» (1971). Meisterhaft spiegelt er in der von Dekadenz bestimmten Grandezza der vornehmen Hotelwelt der Lagunenstadt am Vorabend des Ersten Weltkriegs die Todesahnung des Komponisten Gustav von Aschenbach. Gleichzeitig beschwört er in der Begegnung mit dem polnischen Jüngling Tadzio seine Sehnsucht nach Leben und Schönheit.

Walter Gasperi

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Casanova: 2.2., 18.50 Uhr; 25.2., 17.40 Uhr; Das Venedig Prinzip: 13.2., 18.50 Uhr; 18.2., 10.30 Uhr; Die Rote: 11.2., 17.45 Uhr; 27.2., 18.50 Uhr; Don’t Look Now: 7.2., 20.15 Uhr, 17.2., 21.15 Uhr; Morte a Venezia: 3.2., 17 Uhr; 16.2., 18.30 Uhr; Pane e tulipane: 4.2., 17.40 Uhr; 21.2., 17.45 Uhr

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