FILM: Bambi feiert seinen 75. Geburtstag

Das Zeichentrick-Reh Bambi rührt bis heute Alt und Jung zu Tränen. Nach eher schwierigem Start spielte der Walt-Disney-Streifen die Produktionskosten erst nach dem Krieg erfolgreich ein.

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Kam 1942 Jahren erstmals ins Kino: das Rehkitz Bambi. (Bild: PD)

Kam 1942 Jahren erstmals ins Kino: das Rehkitz Bambi. (Bild: PD)

Vor 75 Jahren, am 8. August 1942, feierte der traurig-schöne Zeichentrickklassiker «Bambi» Weltpremiere in London. Nach anfänglichen Negativkritiken vergiessen grosse und kleine Kinder bis heute Tränen, wenn Bambis Mutter von Jägern erschossen wird. Fünf Jahre dauerte es, bis der perfektionistische Walt Disney mit seinem Kunstwerk zufrieden war. Die Weltpremiere ging dann aber ziemlich verschämt über die Bühne, weil das Studio den Unmut der Jäger im amerikanischen Maine fürchtete. Denn die Botschaft des Films kommt klar rüber: Der Mensch ist der grösste Feind der Natur. Doch gegen Bambis Kinderkulleraugen und seinen niedlichen Gesichtsausdruck hatten die Jäger mit ihrer Anti-Bambi-Kampagne nie eine Chance.

Genre des Zeichentrickfilms neu erfunden

Begleitet vom vorlauten Kaninchen Klopfer und dem schüchternen Stinktier Blume entdeckt die Figur Wunder und Herausforderungen der Natur, bis es zum König des Waldes heranwächst. Grosse Kinotragödie ist der Moment, wenn Bambi versteht, dass seine Mutter von einer Kugel getötet wurde. Nach seinem Erfolg mit dem ersten Zeichentrick-Featurefilm «Schneewittchen und die sieben Zwerge» erwarb Walt Disney die Rechte für den 1923 erschienenen gleichnamigen Roman des österreichischen Schriftstellers Felix Salten. Er sah die Lebensgeschichte des Rehs als Chance, das Genre des Zeichentrickfilms neu zu erfinden: Bambi sollte sich – obwohl Zeichentrickfigur – so natürlich wie möglich bewegen, anstatt als reine Tierkarikatur auf die Leinwand zu kommen. In den USA gibt es keine Rehe, daher verwandelte Disney sie im Film kurzerhand in Weisswedelhirsche. Bei der deutschen Synchronisation wurde aus dem Hirschkalb Bambi – obwohl zoologisch unkorrekt – wieder ein Rehkitz wie im Buch.

Damit die Animateure realistische Bewegungen studieren konnten, brachte Walt Disney Hirschkühe und andere Wildtiere in einem abgezäunten Bereich hinter dem Studio unter. Er schickte Kamerateams in Wälder, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Erbarmungslose Kritik nach der Premiere

Doch der Schuss ging nach hinten los. Das Publikum vermisste die Märchenelemente, für die das Studio so bekannt geworden war. Der Kritiker der «New York Times» warnte nach der Premiere 1942: «Auf seiner Suche nach Perfektion kommt Mr. Disney dem gefährlich nahe, die gesamte Zeichentrick-Fantasiewelt wegzuwerfen», und urteilte erbarmungslos: «Man kann Naturalismus nicht mit Zeichentrickfantasie vermischen.»Trotz dreifacher Oscar-Nominierung für Ton und Musik spielte «Bambi» die Produktionskosten erst ein, als der Film nach dem Krieg erneut herausgebracht wurde – ein alter Disney-Trick, der immer wieder wirkt: In den vergangenen 75 Jahren hat der Klassiker dem Studio über 250 Millionen Dollar eingebracht. (sda)