Satter Gesang mit lebensfroher Botschaft

Gospel im Centrum groovt seit 2010. Mit Gästen aus Kapstadt verabschiedet sich das St.Galler Erfolgsprojekt in eine kreative Pause.

Bettina Kugler
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Stimmstark ohne Grenzen: Gospel mit südafrikanischenGästen in St.Laurenzen.

Stimmstark ohne Grenzen: Gospel mit südafrikanischenGästen in St.Laurenzen.

Bild: Benjamin Manser

«Braucht ihr eine Pause?», fragt Andreas Hausammann vom Flügel aus in die Runde. 170 Sängerinnen und Sänger und ihre neuen Freunde aus Südafrika sind sich einig: Nein, weitermachen. Wo es doch gerade so toll groovt. Kalte Füsse gibt es beim Gospelsingen sowieso nicht. Die Lieder bringen in Bewegung, sofern der Platz in der mollig warmen Laurenzenkirche dafür reicht. Bis in die Altstadtgassen hört man das kräftige «Hallelujah», selbst bei geschlossenen Türen. Drinnen ist die Stimmung spürbar gut. Wozu also unterbrechen?

Die Visa kamen zwei Tage vor dem Reisedatum

Es ist die erste gemeinsame ­Probe mit dem Partnerchor aus Kapstadt, den Gospel im Centrum für zwei gemeinsame Konzerte nach St.Gallen eingeladen hat. «Der Wunsch kam aus dem Chor», sagt Andreas Hausammann, Beauftragter für Popularmusik bei der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche und zusammen mit Tom Dillenhöfer Gründer und Co-Leiter von Gospel im Centrum. Mit Restmitteln konnte nach einer zweijährigen intensiven «Fernbeziehung» die Reise und Unterkunft der 13 Südafrikaner finanziert werden; den Kontakt hatte die Schwester einer Mitsängerin hergestellt – und es klappte zum Glück. «Die Visa kamen in letzter Minute», erzählt Hausammann, «zwei Tage vor der Abreise.» Jetzt ist er da, der Vryground Community Choir, und die Freude aller darüber hört man in der Probe.

«Der Chor in Kapstadt entstand als Angebot für Township-­Bewohner, als Alternative zum Rumhängen», erzählt Andreas Hausammann. Als offene Alternative versteht sich auch Gospel im Centrum. Begonnen hat der Chor 2010 als Innovationsprojekt. Auflage der Kantonalkirche war, dass er in drei Jahren auf 60 Sänger anwächst. So viele ­kamen schon zur ersten Probe; heute sind 225 Sänger aus der ganzen Region auf der Liste und rund 170 aktiv dabei.

Mit Elan soll es 2021 weitergehen

Mitmachen kann, wer gern singt, ohne vorherigen Leistungsnachweis und ohne feste, dauerhafte Verpflichtung. Nähe zur Kirche ist keine zwingende Voraussetzung, auch wenn Tom Dillenhöfer und Andreas Hausammann ihren Glauben nicht von der Musik trennen können und das auch nicht diskret verbergen.

Eine Pause gönnen sie sich jetzt dennoch. 2020 brauchen die beiden eine kreative Auszeit, um übernächstes Jahr mit neuem Elan ihre Mission zu erfüllen: Tom Dillenhöfer als begeisternder Animator, der noch das scheueste Publikum zum Singen bringt, Andreas Hausammann als grooviger «Handwerker» und «gutes Gewissen» am ­Klavier, wie er bescheiden sagt. Ganz unbescheiden werden sie morgen und übermorgen noch einmal die St.Laurenzenkirche füllen: mit sehr viel Publikum, mit «fettem Gesang» und einer lebensfrohen guten Botschaft.

19./20.12., 20 Uhr, Kirche St.Laurenzen. Ab 19.15 Uhr gibt es beim Eingang Gratisplatzkarten.